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Der große Jahresrückblick der Cannabis-Industrie 2020

by Moritz Förster

Die europäische Cannabis-Industrie trotzt 2020 der weltweiten Pandemie und nimmt Fahrt auf. Die Zahl der hiesigen Importeure schießt in die Höhe, die Sanity Group und Cannamedical erhalten Millionen und Ende des Jahres die große Erleichterung: Der Europäische Gerichtshof (EuGH) stellt klar, dass CBD kein Betäubungsmittel ist, und die UN reklassifiziert Cannabis in der Single Convention. Die führenden europäischen Cannabis-Unternehmer und Experten blicken für uns auf ein ereignisreiches Jahr 2020 zurück – für das die aller meisten ein positives Fazit ziehen.

CBD ist in der EU kein Betäubungsmittel

In einer Sache sind sich fast alle einig: Das Urteil des EuGH in Sachen CBD ist wegweisend. “Cannabis-Anwalt” Kai-Friedrich Niermann stellt fest: “Hanfextrakte, und zwar sowohl aus dem Blüten- und dem Fruchtstand, sind keine Betäubungsmittel.” Lars Müller, der als CEO SynBiotic SE an die Börse führen will: “Zudem hat die EU Kommission sich endlich pro CBD in Lebensmitteln positioniert.” Dabei scheint sich auch die jahrelange Arbeit der EIHA auszuzahlen: “Der EuGH hat sogar den ‘Ganzpflanzenansatz’, den EIHA seit 25 Jahren vertritt und für den sie kämpft, berücksichtigt und in sein Urteil aufgenommen”, so EIHA-Präsident Daniel Kruse. Die Bearbeitung der Novel-Food-Anträge könne nun wieder aufgenommen werden. Das Fazit von BvCW-Geschäftsführer Jürgen Neumeyer: “Es war ein CBD-Jahr!”

Die UN reklassifiziert Cannabis

Die UN-Suchtstoffkommission folgt im Dezember in vielen Bereichen den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Cannabis und Cannabisharz aus der Anlage IV des Einheitsabkommens für Betäubungsmittel der UN zu entfernen. “Die überraschende Neubewertung von Cannabis durch die UN stellt auf internationaler Ebene einen großen Meilenstein dar”, freut sich Cannovum-CEO Pia Marten über den lang ersehnten Schritt. Philipp Ferrer, CEO der Weedo Lifestyle & Media GmbH, spricht vor diesem Hintergrund sowie auch angesichts der Entscheidung des EuGH von einer Grundstein-Legung, “um den Cannabismarkt vernünftig und einheitlich zu regulieren”.

Die Expertenstimmen – Was waren die Jahreshöhepunkte?

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Neue Bezugsquellen und Versorgungssicherheit

Deepak Annand, dessen Materia im Mai den Großhändler Cannaktiv aufkaufte, freut sich über Importe von Cannabis-Blüten durch nicht EU-GMP zertifizierte Produzenten. Dr. Axel Gille, Präsident von Aurora Europe GmbH, ist naturgemäß besonders glücklich über den ersten Import des kanadischen Konzerns von Dänemark nach Deutschland und verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass es die Cannabis-Industrie trotz der Corona-Pandemie geschafft habe, “die Versorgungssicherheit der Patienten sicher zu stellen”. Ins gleiche Horn bläst Canpharma-CEO Stefan Jacker: “Die Unterversorgung des Blütenmarktes wurde gesättigt. Wir haben den Übergang eines Verkäufermarktes zu einem Käufermarkt gesehen.” Anna Kouparanis von Algea Care warnt allerdings in diesem Zusammenhang: “Für den einzelnen Patienten und auch für den verschreibenden Arzt erschwert die Vielzahl der verschiedenen Produkte die Orientierung. Umso wichtiger ist es, dass Patienten endlich mehr Ärzte mit Expertise für medizinisches Cannabis finden.”

Druck auf die Margen übt dabei seit April die neue Preisregelung aus. Melanie Dolfen, Inhaberin der Bezirksapotheke, erklärt daher, dass “dieses Jahr für uns ApothekerInnen ganz stark von der Einführung der neuen Hilfstaxe geprägt war.”

Übrigens tut sich auch in anderen europäischen Ländern etwas. “Die französische Regierung unterzeichnet einen Beschluss, welches ein geplantes Pilotprojekt zur Behandlung von Patienten mit medizinischem Cannabis in Aussicht stellt. Zugang bekommen 3000 Patienten für zwei Jahre und der Beginn ist für Ende März 2021 geplant”, berichtet Adrian Fischer, Mitgründer und Geschäftsführer von Demecan.

Entstigmatisierung und Professionalisierung

Die Reklassifizierung der UN war nur das i-Tüpfelchen: Cannabis ist raus aus der Schmuddelecke. “Dieses Jahr hat gezeigt, dass sich Gesellschaft und Politik immer stärker für Cannabis öffnen. Immer mehr Patienten entdecken eine Therapie mit Cannabis für sich und sprechen von einer Verbesserung ihrer Lebensqualität. Zunehmend mehr Ãrzte erkennen Cannabis als Medizin an”, sagt Pia Marten. Florian Pichlmaier, der als Gründer mit Signature Products eine Finanzierungsrunde in ungenannter Höhe abschloss: “Gleichzeitig berichten große Medien mehr über Hanf und klären über die Unterschiede zwischen dem psychoaktiven Cannabinoid THC und den anderen nicht psychoaktiven Cannabinoiden auf. Dies führt verstärkt zur Akzeptanz innerhalb des europäischen Marktes.”

Für die voranschreitende Entstigmatisierung und Professionalisierung setzt sich seit September auch der neu gegründete Bundesverband Pharmazeutischer Cannabinoidunternehmen ein. Adrian Fischer: “Der Verband versteht sich als Repräsentant und Stimme der Cannabinoidunternehmen in Deutschland.”

Indizien für eine Legalisierung

Was lange währt…? Kommt Bewegung in die Legalisierung von Cannabis? Finn Age Hänsel, Founder und CEO der Sanity Group weist auf “die Entscheidung der SPD Bundestagsfraktion für eine Legalisierung von Cannabis” hin, Kai-Friedrich Niermann auf den “konkreten Normenkontrollantrag von Richter Andreas Müller”. Und CBD scheint, wie geschildert, ohnehin auf bestem Wege raus aus dem Graubereich. Besonders wichtig für BvCW-Chef Neumeyer in diesem Zusammenhang: “Die Aussagen der entscheidenden FachpolitikerInnen des Deutschen Bundestages zur Regulierung des deutschen CBD-Marktes in der Zukunft.”

Finanzierungsrunden trotz Covid-19

In einem Jahr, das Kapitalrunden sicherlich nicht erleichtert hat, sammelt das ein oder andere Cannabis-Startup erfolgreich Wachstumskapital ein. Alexej Pikovsky, der als Founder und CEO der Alphagreen Group selbst eine Seedrunde abgeschlossen hat: “Viele der europäischen Unternehmen haben gefundraised – etwa Alphagreen, Sanity Group, EMMAC.” Förderlich dafür: “Die Cannabis SPACs und Kapitalmärkte in den USA und Kanada haben auch sehr positiv performed und zur guten Stimmung in Europa beigetragen”, so Pikovsky. Details über Fundraising für Cannabis-Unternehmen verrät auch Finn Age Hänsel im Interview, im Mai haben wir eine Übersicht mit einem “Zwischenstand” publiziert.

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