Mehr Evidenz in der Cannabis-Therapie

by Hande Savus

Es scheint Bewegung in die evidenzbasierte Forschung von Cannabis zu kommen. Nach der Ankündigung der Evidenz-Initiative im Februar vermeldet Algea Care nun eine Forschungszusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Algea Care stellt im Rahmen der Forschungspartnerschaften anonymisiertes Datenmaterial zu Patient:innen in unterschiedlichen Indikationen zusammen, die sich aktuell in einer Behandlung mit medizinischem Cannabis befänden. Unabhängig davon sorgt in Südamerika eine Studie von Khiron für Aufmerksamkeit. Im Fokus: klinische Evidenz für die Wirksamkeit und Sicherheit von medizinischem Cannabis.

Neue Forschungszusammenarbeit

Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) will Algea Care laut eigenen Angaben die Cannabis- Behandlung bei chronischen neuropathischen Schmerzen erforschen. Dafür stelle das Frankfurter Unternehmen dem UKE anonymisiertes Datenmaterial von zunächst 100 Patienten mit chronisch neuropathischen Schmerzen, die sich nach zuvor erfolglosen Therapieversuchen aktuell über Algea Care in einer erfolgreichen ärztlichen Behandlung mit medizinischem Cannabis befänden, zur Verfügung. Die Daten dieser Patient:innen würden, so der Plan, dann von den Forschenden unter der Leitung von Dr. med. Said Farschtschi, Facharzt für Neurologie und Leiter des Forschungsbereichs Phakomatosen sowie Leiter der Neurofibromatose Ambulanz und Tagesklinik am UKE, analysiert und auf die Wirksamkeit bei den jeweiligen individuellen Symptomen untersucht.

„Eine Behandlung mit medizinischem Cannabis kann eine signifikante Reduktion der neuropathischen Schmerzen bei den Patient:innen erzielen“, lässt sich Farschtschi zitieren. „Wir beabsichtigen, diese Daten zum Potential einer Cannabis-Therapie bei Patientinnen und Patienten mit chronisch neuropathischen Schmerzen wissenschaftlich zu untersuchen. Denn noch immer ist die Evidenz für den Einsatz von Cannabinoiden und medizinischem Cannabis begrenzt, insbesondere für kleine Patientenkollektive. Hier möchten wir schrittweise einen Beitrag zur Verbesserung der Datenlage leisten.“

„Um einen besseren Zugang für Patienten zu ermöglichen, braucht die Behandlung mit medizinischem Cannabis wissenschaftliche Evidenz“, betont Dr. med. Julian Wichmann, CEO von Algea Care. „Denn nur mit wissenschaftlicher Evidenz können ärztliche Kolleg:innen und auch die Kostenträger von der Effektivität und Sicherheit einer solchen modernen Therapie überzeugt und Patienten von deren Stigmatisierung befreit werden.“

Studie in Südamerika

Und nicht nur in Deutschland, auch in anderswo geht es in Sachen Evidenz voran: Khiron Life Sciences Corp., ein weltweit führender Anbieter von medizinischem Cannabis, hat soeben erste Ergebnisse seiner ersten klinischen Studie über die Verwendung von medizinischem Cannabis zur Behandlung chronischer Schmerzen in der internationalen Fachzeitschrift Frontiers in Pain Research vorgestellt.

Aufbau der Studie

Die Studie, eine Gemeinschaftsleistung von medizinischen Forscher:innen von Khiron Life Sciences sowie Ärzten und Ärztinnen der Zerenia-Kliniken in Kolumbien und Europa, erfasse patientenbezogene Ergebnismessungen („PROMS“) und unerwünschte Wirkungen in einer großen Kohorte von 2112 erwachsenen Patient:innen, bei denen chronische Schmerzen unterschiedlicher Ätiologie diagnostiziert wurden. Zwischen Mai und September 2021 erhielten die Patient:innen am Lateinamerikanischen Institut für Neurologie und das Nervensystem (ILANS-ZERENIA) in Bogotá,  Kolumbien, eine unterstützende Behandlung mit den oralen Cannabis auf Ölbasis von Khiron. Khiron hebt in einer Unternehmensmitteilung hervor: Anders als die meisten Studien, welche die Wirksamkeit von medizinischem Cannabis zur Schmerzbehandlung untersuchen, untersuche dieses Studie die kurz-, mittel- und langfristige Wirksamkeit und Sicherheit von zwei monovarietalen Formulierungen, die THC und CBD in unterschiedlichen Verhältnissen (1:1 bzw. 1:25) enthielten. Ebenfalls werde Geschlecht und Alter der Patient:innen berücksichtigt. Die meisten Teilnehmerinnen seien weiblich (76,1 %) mit einem Durchschnittsalter von 58,7 Jahren. Ein Drittel der Teilnehmer:innnen sei älter (> 65 Jahre). 

Ergebnisse der Studie

Zu den wichtigsten Ergebnissen der Studie gehöre:
● 9 von 10 Patient:innen berichteten über eine Verbesserung ihrer chronischen Schmerzen.
● Bei 7 von 10 trete eine Verbesserung von mehr als 50 % nach 4 Wochen Behandlung ein.
● 7 von 10 Patient:innen hätten im Zusammenhang mit der Behandlung keine Nebenwirkungen. Die gemeldeten unerwünschten Wirkungen waren leicht sowie vorübergehend und klangen nach 12 Wochen ab.

Bedeutung der Studie

Alvaro Torres, CEO und Direktor von Khiron betont in der Unternehmensmitteilung: „Diese Studie, die sich auf die medizinischen Produkte von Khiron stützt, ist von entscheidender Bedeutung, um Ärzte und Krankenkassen von der Wirksamkeit von medizinischem Cannabis zur Behandlung chronischer Schmerzen zu überzeugen. Angesichts der globalen Auswirkungen und der wirtschaftlichen Belastung durch chronische Schmerzen in unserer Gesellschaft wird die zunehmende medizinische Evidenz den Zugang zu Medikamenten auf Cannabinoidbasis weltweit verbessern.“

Guillermo Moreno-Sanz, Erstautor der Studie und Global Scientific Director von Khiron Life Sciences, fügt hinzu: „Wir glauben, dass diese Ergebnisse auf andere Patientenpopulationen übertragbar sind, da unsere Ergebnisse sehr gut mit denen übereinstimmen, die von Forschern berichtet wurden, die mit ähnlichen klinischen Populationen in Ländern mit langjährigen medizinischen Cannabis-Zugangsprogrammen wie Israel und Kanada arbeiten.“ 

Bildquellen

  • ahmed-zayan-28nzltYzCDM-unsplash: Unsplash

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