Die Begleiterhebung – erste Echo aus der Industrie

by Moritz Förster

Die Ergebnisse der BfArM-Begleiterhebung sind da. Fünf Jahre lang hatte das BfArM Daten von Cannabis-Patient:innen erhoben. Insgesamt flossen 16.809 Datensätze in die Auswertung ein – nur ein Bruchteil der in diesem Zeitraum behandelten Patient:innen. Das wohl wichtigste Ergebnis: 75 Prozent der behandelten Patient:innen berichten von einer Besserung der Symptome, 70 Prozent von einer besseren Lebensqualität. Dennoch stoßen die Ergebnisse nicht nur auf Begeisterung in der Cannabis-Industrie. In einer aktuell laufenden Linkedin-Umfrage halten 40 Prozent die Ergebnisse für nicht aussagekräftig, 56 Prozent gehen von positiven Effekten für die Cannabis-Industrie aus (Zwischenstand 7. Juli).

Die Erhebung umfasst Cannabisarzneimittel für Versicherte nach Genehmigungen der Krankenkasse. In die Auswertung flossen ein: Cannabisblüten (16.6%), Cannabisextrakte (13%), Dronabinol (62.2%), Savitex (8%), Nabilon-

Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Die Patient:innen waren im Durchschnitt 57 Jahre alt, 54% weiblich und 46% männlich
  • Im Falle von Cannabisblüten sind Patient:innen jünger: im Schnitt sind sie 45.5 Jahre alt, 32,5 5% weiblich und 67,4 männlich.
  • Behandelte Symptome: Schmerz (76,4), Neubildung (14,5) Spastik (9.6%), Anorexie/ Wasting (5.1%) und Übelkeit/Erbrechen (2.2%), Tumorerkrankung (14.5), Multiple Sklerose (5.9%), Depression (2,8), Migräne (2,0), ADHS (1,0), Apetitmangel (1,2), Tic- Störungen (0,6), Schlafstörungen (0,9)
  • Die Patient:innen wurden vor Behandlungsbeginn mindestens acht Jahre aufgrund der bestehenden Symptome behandelt und haben bis zu fünf Vortherapien durchgeführt
  • ärztliche Fachrichtungen: 15% Allgemeinmedizin, 12,7% Neurologie, 8,4 % Innere Medizin, 4 % physikalische und rehabilitative Medizin (4%), 1.8% Psychiatrie
  • Dosierung: Die THC-Tagesdosis liegt bei Doranbinol bei 15 mg, bei Cannabisblüten 349mg.
  • In einem Drittel der Fälle wurde die Therapie vor Ablauf eines Jahres abgebrochen, hauptsächlich aufgrund fehlender Wirkung (38,5%). In 25,9% waren Nebenwirkungen der Abbruchgrund, in 20,2% das Versterben der Patientin bzw. des Patienten.

Rund um eine Linkedin-Post des langjährigen Cannabis-Experten Alfredo Pascual, inzwischen bei Seed Innovations, entfachte sich bereits eine rege Diskussion auf Linkedin: Thomas Hauk, Direkter Co-Founder von Canaprod Pharma, kritisiert dort die unzureichende Methode und dass der Report nicht von einer unabhängigen Organisation vorbereitet wurde. Finn Age Hänsel von der Sanity Group verweist darauf, dass die Autoren mit Sorge auf Cannabisblüten, Hausärzte und Selbstzahler verweisen. “Nicht ohne Sorge sehen wir die Ergebnisse zu den Cannabisblüten. Das vergleichsweise geringe Alter, der hohe Männeranteil, die auf THC bezogen hohe Dosis, bei gleichzeitig fehlenden Erkenntnissen aus wissenschaftlichen Publikationen zu Wirksamkeit und Sicherheit bei solchen Dosierungen, wirft die Frage nach Abgrenzung zwischen tatsächlich therapeutischen Effekten und erlebter Steigerung des Wohlbefindens bei hoher Abhängigkeitsgefahr auf. Unter Einbeziehung von Privatrezepten, die Patientinnen und Patienten außerhalb der Begleiterhebung betreffen, zeigt sich ein noch höherer Männeranteil und ein noch geringeres Durchschnittsalter bezüglich der Verschreibung von Cannabisblüten”, heißt es in der Begleiterhebung. Dr. Julian Wichmann von Algea Care kritisiert unterdessen, dass die Ergebnisse nicht für die Mehrheit der Patienten gelten würden, die von einer medizinischen Cannabis-Behandlung profitieren würden.

Bildquellen

  • matheus-ferrero-yfmjALh1S6s-unsplash: unsplash

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