Heimische Cannabis-Produzenten verfehlen Höchstmenge

by Moritz Förster

Die drei vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) beauftragten Produzenten von medizinischem Cannabis in Deutschland haben im ersten Halbjahr 2022 zusammen 678,55 Kilogramm Cannabisblüten bereitgestellt. Theoretisch hätten sie in diesem Zeitraum – in Relation zum gesamten Jahr – 1,3 Tonnen bereitstellen können. Cansativa, das die Logistik und Distribution im Auftrag des BfArM abwickelt, lieferte im ersten Halbjahr 250,35 Kilogramm an an deutsche Apotheken aus. Zu berücksichtigen ist dabei der Logistik-Prozess: Ist medizinisches Cannabis „bereit gestellt“, ist es nicht automatisch im Lager Die Gründe für die Diskrepanz zwischen produzierter und an Apotheken vertriebene Menge wollte Cansativa auf Anfrage nicht präzisieren.

Im Mai 2019 hatte das BfArM 13 Lose an die Unternehmen Aphria, heutzutage Teil von Tilray, Aurora und Demecan in der Summe 13 Lose vergeben. Aphria und Aurora erhielten je fünf, Demecan drei. Je Los dürfen die Unternehmen 200 Kilogramm jährlich produzieren. Aurora und Aphria kämen umgerechnet auf ein halbes Jahr damit auf eine Höchstmenge von 500 Kilogramm, Demecan auf 300 Kilogramm. Fünf Jahre nach Inkrafttreten des Gesetzes „Cannabis als Medizin“ im März 2017 wird die Höchstmenge noch nicht ausgeschöpft. Aurora erklärte auf Anfrage, die Produktion laufe zuverlässig und das Unternehmen sei im Plan die Zusagen gegenüber der Cannabisagentur zu erfüllen.

Demecan teilte mit, am 20. April 2022 erstmals geliefert zu haben und bis einschließlich Juni 2022 der Cannabisagentur 315 Kilogramm der Sorte Demecan Typ 1 zur Abholung zur bereit gestellt zu haben. Bis Ende Juni 2022 seien davon 142 Kilogramm durch Cansativa abgeholt worden. Ab Ende September will das Unternehmen zusätzlich Demecan Typ 2 bereit stellen. Damit scheint das Unternehmen mit der geringsten Anzahl an Losen hierzulande am eifrigsten zu produzieren. Das Unternehmen zeigt sich krautinvest.de gegenüber optimistisch, die Jahreshöchstmenge von 990 Kilogramm zu erfüllen, neben den 200 Kilogramm je Los seien dies auch zehn Prozent Zusatzlieferungen und 50 Prozent Mehrmenge.

Demecan hat soeben ein Gutachten, das die Wirtschaftskanzlei Dentons im Auftrag des Unternehmens erstellt hat, vorgestellt. Demnach sei die Legalisierung des Cannabismarktes in Deutschland am ehesten umsetzbar, wenn sich die gesamte Wertschöpfung und insbesondere der Anbau von Cannabis innerhalb der nationalen Grenzen unter staatlicher Kontrolle abbilden lasse. Unter den aktuellen völkerrechtlichen Bedingungen sei ein grenzüberschreitender Handel mit THC-haltigem Cannabis zu Genusszwecken hingegen nicht durchführbar, ohne erhebliche Verletzung des geltenden Völkerrechts.

Hinweis: Der Artikel wurde im Nachgang noch aktualisiert.

Bildquellen

  • krautinvest_Anbau_Cannabis_Deutschland_aktualisiert: BfArM, eigene Darstellung krautinvest.de
  • chanvre-quebec-inqeLKZdEs4-unsplash: unsplash

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