Demecan holt Pharma-Know-How: Philipp Goebel folgt auf Mitgründer Cornelius Maurer

by Moritz Förster

Das Stühle-Rücken in der Cannabis-Industrie geht weiter. Nachdem Fabian Friede Anfang des Jahres bei der Sanity Group seinen Stuhl geräumt hatte, verkündet nun Demecan einen Wechsel in der Führungsetage: Der Volkswirt Dr. Cornelius Maurer räumt seinen Stuhl in der Geschäftsführung für den ehemaligen Merck-Manager Dr. Philipp Goebel. Die Mitgründer Dr. Constantin von der Groeben und Dr. Adrian Fischer bleiben genauso wie Jörg Sellmann als Geschäftsführer operativ im Unternehmen tätig. Maurer rückt in den Demecan-Beirat. Die Personalrochade verdeutlicht: Das Unternehmen plant zweigleisig – stellt sich mit Goebel weiterhin als Pharmaunternehmen auf, schielt aber mit einem Auge bereits auf den Genussmittelmarkt.

Die operative Verantwortung für Beschaffung, Produktstrategie, Vertrieb und Marketing übergebe Maurer an Goebel, heißt es in einer Pressemitteilung des Unternehmens. Goebel leitete beim Pharma-Konzern Merck zuletzt die Business Unit Neurologie & Immunologie. Auch seine vorherige Vertriebs- und Marketingerfahrungen in den Bereichen Onkologie und Neurologie würden die Expertise des gesamten Managements ergänzen, hofft Demecan.

Demecan ist einer von drei Produzenten von medizinischem Cannabis in Deutschland und verweist gerne auf die Tatsache, unter den drei Firmen das einzige unabhängige deutsche Unternehmen zu sein. Allerdings lässt die erste Ernte noch immer auf sich warten. „Sehr bald werden wir die erste Lieferung an die Cannabisagentur übergeben“, verspricht Demecan nun: „Inzwischen wachsen mehr als 2500 Pflanzen in unseren Blüteräumen und im zweiten Quartal wird die erste Lieferung an die Cannabisagentur erfolgen.“

Demecan schielt auf Anbau für Genussmittelmarkt

Angesichts der verzögerten Produktion für die Cannabisagentur führt Demecan die Pandemie als Grund an. Immerhin sei das Team seit Spätsommer 2020 von 20 auf 70 Mitarbeitende angewachsen. Die Umsätze hätten sich 2021 im Vergleich zum Vorjahr verdreifacht – konkrete Zahlen nennt Demecan nicht.

Die Ernte ist es nun auch, mit der sich das Unternehmen für einen Genussmittelmarkt in Stellung bringt. Schließlich prognostiziert der Ökonom Justus Haucap im Falle eines legalen Cannabismarkts in Deutschland einen Bedarf von 400 Tonnen jährlich. Auf Anfrage verspricht Demecan:

„Wir haben schon bei der Planung der Betriebsstätte auf die modulare Erweiterung geachtet und können dadurch die Kapazitäten neben dem Anbau für das BfArM weiter hochfahren. Innerhalb von sechs bis neun Monaten können wir von eineinhalb auf vier Tonnen erhöhen. Auch eine Erweiterung auf zehn Tonnen Cannabis pro Jahr ist zeitnah mit weiteren Investitionen realisierbar.“

Außerdem würden die Überlegungen grundsätzlich auch in Richtung eigener zertifizierter Abgabestellen gehen.

Genau für die Ambitionen im Genussmittelmarkt soll Dr. Cornelius Maurer in anderer Funktion an Bord bleiben. Maurer werde aus dem Beirat heraus strategische Themen vorantreiben, und sich auf die Legalisierung von Cannabis zu Genusszwecken, Verbandsarbeit sowie Kapitalakquise fokussieren, heißt es. Gleichzeitig werde er sich operativ neuen Herausforderungen zuwenden: Als Gründer und Geschäftsführer wird Dr. Cornelius Maurer zukünftig die 420 Venture Capital GmbH von Berlin aus führen – der Cannabis-Industrie, der Name legt es nahe, wird er daher wohl gleich mehrfach erhalten bleiben. Es sei „der richtige Zeitpunkt, um mich zukünftig voll auf strategische Themen, wie den neu entstehenden Genussmittelmarkt für Cannabis, Verbandsarbeit und Fundraising, zu konzentrieren ”, lässt sich Maurer zitieren. Konkret werde er sich, so die eigenen Angaben, innerhalb der Verbände BPC und VCA verstärkt auf das Thema Legalisierung von Cannabis als Genussmittel fokussieren, insbesondere der anstehenden Regulierung von nationalen Produktionskapazitäten, Qualitätsstandards und zertifizierten Abgabestellen.

Bildquellen

  • Dr-Phillip-Goebel-©DEMECAN: Demecan

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