Novel-Food-Beschränkungen für CBD-Produkte auf Hanfbasis – Umgehung möglich?

Ein Interview mit Maciej Kowalski (Kombinat Konopny, Polen)

by Astrid Hahner

(Anzeige) – Hinweis der Redaktion: Dieser Artikel ist ein ‘sponsored’ Artikel im Rahmen einer Medienpartnerschaft mit World Class Business Leaders im Rahmen der Cannabis Business Europe 2023 in Bad Homburg.

Die Cannabis Business Europe 2023 (CBE 23) findet in diesem Jahr vom 25. – 26. Mai im Steigenberger Hotel Bad Homburg statt. Es handelt sich dabei um eine der wichtigsten und exklusivsten Networking Veranstaltungen für die Köpfe der internationalen Industrie rund um medizinisches Cannabis, CBD und Hanf. Die Teilnehmer:innen erwartet eine optimale Mischung aus Präsentationen / Fallstudien, interaktiven Round Table Diskussionen, Fragerunden und praktischen Workshops; jeder kann sich individuell ein Programm aus allen vier Tracks zusammenstellen, das auf die eigenen Bedürfnisse und Interessen abgestimmt ist. Wer nicht vor Ort an der Konferenz teilnehmen kann, kann die Veranstaltung auch per Live-Stream verfolgen.

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Wir haben im Vorfeld der Konferenz einige der hochkarätigen Speaker für Sie interviewt; unter anderem wird Maciej Kowalski am 25. Mai um 17: 15 referieren zum Thema „How to Avoid „Novel Food“ Restrictions for Hemp Derived CBD Products?“

krautinvest.de: Hallo Maciej, vielen Dank, dass du dir die Zeit für uns genommen hast. Lass uns zunächst allgemein über die Hanfwirtschaft in Polen reden. Wie ist der aktuelle Stand des Industriehanfsektors in Polen? Wie sah er vor der Prohibition aus? Wie könnte er sich in Zukunft entwickeln?

Maciej Kowalski: Meiner groben Schätzung nach beläuft sich der Markt für Hanfkraut in Polen auf etwa 1 Mrd. PLN, d. h. etwa 200 000 EUR, aber wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass dies nur ein Näherungswert ist. Die Meinungsumfrage, die wir kürzlich in Auftrag gegeben haben, zeigt über 1,5 Mio. Polen, die regelmäßig CBD-Produkte verwenden, und diese Zahl wird sicherlich allmählich ansteigen. Es bleibt zu hoffen, dass sich die Einzelhandelspreise für die Verbraucher den B2B-Preisen angleichen, so dass die Zunahme des Konsums also nicht unbedingt ein Wachstum des Marktes bedeuten muss. Wichtig ist aus unserer Sicht jedoch, dass viele technische Hanfanwendungsmöglichkeiten über das hinausgehen,  was man als „Hanfsektor“ bezeichnen kann. Jede Tonne Schäben, die an die Bauindustrie verkauft wird, sollte einerseits als „Hanfindustrie“ zählen, und doch wird sie eher als Teil der Bauindustrie betrachtet. In den 1960-70er Jahren beschäftigte die Industrie Zehn- oder sogar Hunderttausende von Menschen, mit mehr als einem Dutzend großen Verarbeitungsanlagen für Hanffasern im Land – diese wurden alle nicht durch das Verbot, sondern durch die wirtschaftlichen Transformation nach dem Fall des Kommunismus in Polen zerstört. Ich rechne nicht damit, dass wir diese Größenordnung bald erreichen werden, aber es gibt sicherlich noch viel Wachstumspotenzial.

krautinvest.de: Was sind derzeit die größten Hürden für Hanfbauern und Produzenten von Mehrwertprodukten?
Vorschriften? Logistik? Maschinenpark? Was muss verbessert/erforscht/entwickelt werden, um das
um das volle Potenzial der Mehrzweckpflanze auszuschöpfen?

Maciej Kowalski: Das hängt stark davon ab, welchen Teil der Hanfindustrie wir betrachten. Bei faserbezogenen, technischen Anwendungen gibt es kaum Beschränkungen, es fehlt also nur an genügend Kapital, Know-how und Erfahrung.
Ähnlich verhält es sich für die Samen. Bei Verwendung der krautigen Teile und den Blüten gibt es jedoch zwei große Probleme, die das Wachstum des Sektors hemmen. Erstens: der THC-Gehalt in den Pflanzen. Er wurde kürzlich von 0,2 % auf 0,3 % angehoben, aber was wir erwarten würden, um die Industrie zu stimulieren, sind 1%. Ein weiteres Problem sind die Vorschriften über Spuren von THC in Lebensmitteln. Meine Vision war es immer, einen Grenzwert von 1 mg pro Tagesdosis festzulegen, mit klaren Kennzeichnungsvorschriften. Gegenwärtig hat jeder Mitgliedsstaat – und sogar jede regionale Behörde – eine eigene Auslegung, ihre eigenen Interpretationen der undurchsichtigen Vorschriften, was zu unnötigem Zeit- und Energieverlust führt.

krautinvest.de: Der EU-Rechtsrahmen kategorisiert derzeit alle Teile der Cannabispflanze mit Ausnahme ihrer Samen, die in Lebensmitteln verwendet werden, als „neuartig“. Das höchste Gericht in Polen hat kürzlich anders entschieden: Deine Frau, die die auf Lebensmittelchemie spezialisiert ist, legte eine historische Dokumentation über die Verwendung von Hanfblüten als Lebensmittel in Europa vor 1997 vor.  Auf dieser Grundlage erkannte das oberste Gericht Polens es als unzweifelhaft erwiesen an, dass die Hanfpflanze sowohl als Lebensmittel als auch als Ergänzung zu einer normalen Ernährung verwendet wurde und entschied, dass es sich nicht um ein „neuartiges Lebensmittel“ handelt. Kannst du uns weitere Einzelheiten mitteilen? Welche Auswirkungen könnte dieses Gerichtsurteil deiner Meinung nach auf die europäische Hanfindustrie als Ganzes haben?

Maciej Kowalski: In der Tat war dieses Gerichtsurteil sowohl für unser Unternehmen als auch für die gesamte Branche in Polen unglaublich wichtig. Die unhaltbare Behauptung der Behörden, krautige Hanfprodukte seien „neuartig“, steht in direktem Widerspruch zu eigenen Dokumenten der Europäischen Kommission aus den späten 90er Jahren, die die
Geschichte der Verwendung von Hanfkraut als Lebensmittel betreffen. Was mich in gewisser Weise überrascht ist, wie wenig andere europäische Länder diesem Urteil Beachtung geschenkt haben. Wir waren eigentlich ziemlich „traurig“, dass wir diesen Fall auf polnischer Ebene gewonnen haben, denn wir waren bereit, den Fall vor dem EuGH weiterzuverfolgen.

Leider kann trotz der Warenverkehrsfreiheit in der EU jeder Mitgliedstaat in einigen Fällen seine eigenen Regeln aufstellen und meiner Meinung nach wird diese Macht oft missbräuchlich genutzt. Abgesehen von den Rohstoffen selbst stellt sich auch die Frage nach der verwendeten Verarbeitungstechnologie. Im Fall selbst ging es um unsere Kapseln mit decarboxyliertem Hanfkraut, also nicht um einen Extrakt. Zu beweisen, dass Hanf bzw. Hanfkraut nicht neuartig ist, ist eine Sache, und einige Behörden (und Unternehmen) sind der Meinung, das sei bei Extrakten eine ganz andere Geschichte. Dem ist aber nicht so. Solange man eine der etablierten Verarbeitungstechnologien verwendet und mit nicht neuartigen Ausgangsstoffen arbeitet, ist auch das Endprodukt nicht neuartig.

Ich bin der festen Überzeugung, dass die Einreichung von Anträgen für neuartige Lebensmittel ein großer Fehler vieler Branchenakteure war. Wir werden unsere CBD-Öle (die einfach aus dem Öl-Kräuter-Sud gepresst werden) weiterhin als nicht neuartige Lebensmittel herstellen und anbieten.

krautinvest.de: Lieber Marciej, vielen Dank für das Gespräch! Wir freuen uns schon auf tiefere Einblicke bei der CBE 2023 in Bad Homburg!

Über Maciej Kowalski

Der Gründer und Initiator von Kombinat Konopny ist Maciej Kowalski – ein Mann, der sich schon seit mehreren Jahren professionell mit Hanf beschäftigt. Er begann sein Abenteuer mit diesen Pflanzen mit seinem Aktivismus als Herausgeber einer Hanfzeitung – Spliff. In den Jahren 2011-2014 war er auch Sprecher der Free Hemp Association. Er war der erste Unternehmer in Polen, der eine Genehmigung für den Anbau von Faserhanf erhielt, wodurch seine anfängliche Faszination für Hanf schließlich zu einem ernsthaften Geschäft wurde.

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1 comment

Martin März 31, 2023 - 7:13 pm

Hi, interessante Sichtweise, wenn man denn eine Verkehrsfähigkeit belegen will.

Laut Sachverständigen für Bewertungen von NEM und ähnlichem, allerdings hängt es daran, genau für DIESES Extrakt eine Nutzung im Großhandelsbereich vor 1997 belegt sein muss.

Grosse Frage: Gibt es das?

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