Linus Weber nach Übernahme durch Dr. Reddy’s: „Mission fängt jetzt erst richtig an“

by Hande Savus

Gut möglich, dass 2022 als das Jahr der Übernahmen in die Historie der deutschen Cannabis-Industrie eingeht. Kürzlich hat der globale Pharma-Konzern Dr. Reddy’s bekannt gegeben, den Frankfurter Großhändler für medizinisches Cannabis Nimbus Health zu übernehmen. Das Unternehmen werde weiterhin unter dem Namen Nimbus Health als hundertprozentige Tochtergesellschaft von Dr. Reddy’s bestehen. Nach eigenen Angaben werde Dr. Reddy’s Nimbus Health gegen eine Vorauszahlung sowie leistungs- und meilensteinbasierte Earn-Outs über die nächsten vier Jahre erwerben. Der Abschluss der Transaktion stehe unter dem Vorbehalt der üblichen Abschlussbedingungen. Nimbus-Mitgründer Linus Maximilian Weber verrät uns die Hintergründe zum Deal – und auch, was ihn zukünftig anspornt.

Nach eigenen Angaben hat Nimbus, das 2018 von Linus Maximilian Weber und Dr. Alessandro Rossoni gegründet wurde, inzwischen 13 Mitarbeitende, 2020 einen einen mittleren 7-stelligen Umsatz erzielt und wirtschaftet profitabel. Letztes Jahr hatte Nimbus unter anderem den bis dato größten Import von Khiron nach Deutschland erhalten.

Patrick Aghanian, Head of European Generics bei Dr. Reddy’s begrüßt, dass sich Nimbus Health „als schnell wachsende Plattform mit einem ausgezeichneten Netzwerk von Handelspartnern und Know-how etabliert“ hab. Außerdem betont er die Vorzüge des deutschen Marktes und die Perspektiven in Europa: „Zudem erstatten die deutschen Krankenkassen medizinisches Cannabis vollständig. Da immer mehr europäische Länder die Verwendung von medizinischem Cannabis einführen, ist es wichtig für uns als Unternehmen verschiedene geografische Gebiete zu berücksichtigen.“

krautinvest.de: Du hast selbst lange in der pharmazeutischen Industrie gearbeitet, bevor du dich mit Fokus auf medizinisches Cannabis selbstständig gemacht hast. Nun wird das von dir und Alessandro Rossoni gegründete Nimbus Health von Dr. Reddy’s aufgekauft. Einem weltweit agierendem Pharmakonzern. Wie wichtig war deine Erfahrung in der Pharma-Industrie für den Deal?

Linus Maximilian Weber: Das ist korrekt, ich habe lange in der Pharmabranche gearbeitet und beraten, sodass ich behaupten würde, Erfahrung mitzubringen. Das Signing mit Dr. Reddy’s war jedoch nicht auf meine Erfahrung zurückzuführen viel mehr auf die passende Struktur, die wir in den letzten Monaten gemeinsam mit Dr. Reddy’s erarbeitet haben. Dennoch muss man klar sagen, dass die gesammelte Erfahrung ein großer Vorteil für die nächsten Schritte in diesem Bereich sind.

krautinvest.de: Kannst du uns mehr verraten: Wie kam der Kontakt zustande?

Linus Maximilian Weber: Wir verfolgen mit Nimbus ein klares Ziel: Wir wollen das Arzneimittel Cannabis breiter und standardisierter anbieten und somit Patienten und Ärzten zugänglicher machen. Ihr kennt den Markt sehr gut und wisst. dass er heute durch Cannabisblüten dominiert wird und bisher keine Unternehmen eine breite Ansprache von Ärzten umsetzen konnte. Hier ist es wichtig, in den nächsten Jahren den Fokus zu legen – und genau das verfolgen wir mit unseren bestehenden Partnern und Dr. Reddy‘s.

krautinvest.de: Überhaupt: Du hast vor geraumer Zeit kritisiert, dass traditionelle Pharma-Unternehmen medizinisches Cannabis nicht Ernst nehmen würden. Hat sich dieser Zustand inzwischen geändert?

Linus Maximilian Weber: Hier muss ich etwas korrigieren, mich hatte es verwundert, dass bisher so wenige traditionelle Pharma-Unternehmen den Bereich genauer bearbeiten. Es ist aber sehr spannend, dies nun mit Dr. Reddy‘s einem Pionier in diesem Bereich gemeinsam zu tun.

krautinvest.de: Eine andere Frage: Angesichts des intensiveren Wettbewerbs und zunehmendem Preisdruck im Vergleich zur Anfangszeit von medizinischem Cannabis in Deutschland: Schlägt die Stunde der Konsolidierung mit weiteren M&As?

Linus Maximilian Weber: Das ist eine sehr interessante Frage. Ich gehe nicht davon aus, dass nun reihenweise pharmazeutische Großhändler übernommen werden. Dafür gibt es zu wenige materielle Werte in den Unternehmen. Was ich damit sagen will ist, die Zeiten in denen ein Großhändler für einen 7-Stelligen Betrag übernommen werden sind definitiv vorbei. Gerade Big und Medium Pharma fordert hier mehr Expertise, Leads und Erfahrung. Daher gehe ich davon aus, dass sich der Markt nach der hoffentlich kommenden Öffnung durch eine Überwindung der Corona Pandemie selbst konsolidiert. Damit meine ich, dass sich auch einige Unternehmen zurückziehen oder sich anders entwickeln.

krautinvest.de: Ungeachtet des Verkaufs von Nimbus: Bleibst du der pharmazeutischen Cannabis-Industrie erhalten? In welcher Funktion?

Linus Maximilian Weber: Ich glaube meine vorherigen Antworten geben schon Aufschluss darüber, dass unsere Mission eigentlich jetzt erst richtig anfängt. Wir haben lange Arbeitsverträge und werden Nimbus als Geschäftsführer weiterführen können.

Bildquellen

  • Linus Weber: Nimbus Health

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