Signatures Florian Pichlmaier: „Nachhaltiger Industriehanf kann in allen Branchen eingesetzt werden“

by Moritz Förster

Spätestens seit der angekündigten Legalisierung von Cannabis als Genussmittel sprechen über das berauschende Cannabis. Viel in den Hintergrund rückt dabei die Vielseitigkeit der Hanfpflanze. Ein Hanfunternehmer, der hierzulande auf bestem Wege ist, das Potenzial der Wunderpflanze Hanf voll und ganz auszuschöpfen: Florian Pichlmaier. Von Hanffasern für die Automobil- und Bauindustrie bis zum Hanfprotein für die Pizza oder zukünftig auch für Fleischersatz-Produkte: Signature Products forscht und entwickelt an ganz verschiedenen Fronten, wie Teile der Hanfpflanze sinnvoll eingesetzt werden können. 2019 gegründet, ist das Unternehmen inzwischen auf 26 Mitarbeiter:innen angewachsen. 2021 stiegen die Umsätze im Schnitt um 20 Prozent.

Von Sommer 2021 bis Ende 2022 bezuschusst das Land Baden-Württemberg Signature Products mit insgesamt 800.000 Euro, um eine regionale Hanfprotein-Wertschöpfungskette gemeinsam mit der Universität Hohenheim zu entwickeln. Im Interview verrät Florian Pichlmaier, wieso für Signature das Thema Hanf spannender ist als der viel diskutierte Cannabis-Genussmittelmarkt, in welchen Produkten die hergestellten Hanfproteine zu finden sind und wann er damit rechnet, dass das erste Fleischersatz-Produkt, das auf Signatures Hanfproteinen basiert, seinen Weg in das Supermarktregal findet.

krautinvest.de: Hallo Florian. Alle sprechen über Cannabis, seitdem die Bundesregierung angekündigt hat, Cannabis zu legalisieren. Ist Hanf, wenn man auf die Entwicklung der letzten Jahre und auch auf das Potenzial schaut, sogar das spannendere Thema?

Florian Pichlmaier: Ich finde, dass beide Themen super interessant sind. Für mich als Unternehmer ist es am Ende wichtig, dass mein Team und ich einen Weg gehen, für den wir uns auch persönlich begeistern können. Ich bin in jeder Hinsicht von nachhaltigen Industriehanf überzeugt, da dieser im Grunde in allen Branchen eingesetzt werden kann und so viele Vorteile wie Nachhaltigkeit und Anwendungsmöglichkeiten mitbringt. Mich nur auf ein Produkt zu konzentrieren, beispielsweise Cannabis zur Freizeit- oder medizinischen Anwendung, weil es finanziell attraktiver ist, ich allerdings das Produkt nicht so verfolge wie Industrienutzhanf, wäre meiner Meinung nach für die Firma, das Team, aber auch für mich als Gründer auf lange Sicht eine schlechte Entscheidung, da meine Vision nicht der finanzielle Erfolg, sondern der Impact in der Welt ist. Wir beliefern viele verschiedene Branchen, beispielsweise bieten wir Hanfprotein für die Lebensmittelindustrie an, da es so viele ernährungsphysiologische Vorteile hat, aber auch Hanfsamenöl und Cannabinoide für die Kosmetikindustrie, Hanfpellets für die Futtermittelindustrie sowie Hanffasern für die Textil-, Automobil- und Bauindustrie haben wir im Angebot. Allein über dieses Thema könnte ich hier 5000 Seiten schreiben.

Hanffeld eines regionalen Partners von Signature Products.

krautinvest.de: Du sprichst von der Lebensmittelindustrie. Wie ist der Stand eurer Entwicklung der Hanfproteine?

Florian Pichlmaier: Derzeit kann man bei uns verschiedene Hanfprotein-Produkte mit einem Proteingehalt von 30 bis 80 Prozent erwerben. Wir entwickeln auch trocken und nass extrudierte Hanfproteine, die wiederum für verschiedene Anwendungen wie Fleisch- oder Fischersatz, Toppings und mehr verwendet werden können.

„Wir werden keine Verbrauchermarke entwickeln“

krautinvest.de: Das heißt, ihr produziert immer im Auftrag externer Partner. Von wie vielen Partner sprechen wir dabei und für welche Produkte erzeugt ihr aktuell Proteine? Wie viele der Produkte davon sind bereits im Supermarkt zu finden?

Florian Pichlmaier: Unser Hanf ist bereits in vielen Produkten in ganz Europa enthalten – seit letztem Jahr ist deren Anzahl zweistellig. Manchmal wird Hanf als Topping angeboten, manchmal als Zutat zur Herstellung von Backwaren, Pizzateig und bald auch von pflanzlichem Fleisch verwendet. Einige Produkte gibt es bereits in Supermärkten in ganz Europa, aber auch in Deutschland – zum Beispiel bei Edeka und Rewe zu kaufen.

krautinvest.de: Anders sieht es bei Fleisch-Ersatz-Produkten aus. Einem aktuell besonders spannendem Mart. Wann rechnet ihr mit dem ersten Fleisch-Produkt, dem basierend auf euren Hanf-Proteinen der Weg in den Einzelhandel gelingt?

Florian Pichlmaier: Bei Signature werden wir keine Verbrauchermarke entwickeln. Im Moment führen viele große Lebensmittelunternehmen ihre Labortests durch, in denen sie zum Beispiel die Stabilität des Produktes überprüfen und verschiedene Zutaten miteinander vermischen. Einige von ihnen sind in ihren Tests schon weiter, haben erkannt, dass Hanf eine nützliche Alternative ist und entwickeln derzeit Verpackungen oder Marketingmaßnahmen für ihre fertigen Produkte. In allen Fällen wird die Markteinführung dieser Lebensmittel jedoch erst frühestens Ende des Jahres stattfinden.

kratuinvest.de: Für euer Forschungsprojekt arbeitet ihr auch mit regionalen Landwirten zusammen. Angesichts niedrigerer Standortkosten und klimatisch günstigeren Bedingungen in anderen Ländern: Wäre es ökonomisch nicht sinnvoll, um an die Hanfproteine zu gelangen, in anderen Ländern zu produzieren?

Florian Pichlmaier: Wenn wir die Waren ausschließlich vor Ort verarbeiten und verkaufen würden, ja. Aber wir sind ein Unternehmen, das nicht nur regionale Landwirte in Deutschland unter Vertrag hat, sondern auch in ganz Europa. Es ist daher wirtschaftlich am sinnvollsten, wenn die gesamte Ware an einem einzigen Ort verarbeitet wird. Außerdem können wir so gleichbleibend hohe Qualitätsstandards gewährleisten. Trotzdem überprüfen wir stets alle unsere Aktivitäten auf deren Nachhaltigkeit und wirtschaftlichen Auswirkungen und passen unsere weiteren Entscheidungen entsprechend an.

Bildquellen

  • Hanffeld: Signature Products
  • KI_Fotos02: Signature Products

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