Home Einblick Leicht, erschwinglich, modular, persönlich: Hanfernte mit Henry’s Hemp Harvester

Leicht, erschwinglich, modular, persönlich: Hanfernte mit Henry’s Hemp Harvester

by Lisa Haag

Ein Ausflug auf die Hanffelder mit Henry Wieker, Gründer von Henry’s Hemp Harvester, mit Expertenmeinung von Hanf-Experten Marijn Roersch van der Hoogte von der MRHemp Beratung und dem Leiter des Fachbereichs Nutzhanf beim Branchenverband der Cannabiswirtschaft e.V.

Durch das langjährige Verbot für Cannabis und Hanf besteht immenser Nachholbedarf. Fehlende Entwicklungen auf Seite der landwirtschaftlichen Maschinen rund um Hanf und Cannabis wurden schlichtweg Jahrzehnte lang nicht entwickelt, auch weil es keinen Bedarf gab. Das ändert sich aktuell und der Hanfanbau wird für Landwirte wieder attraktiver. Viele der Tätigkeiten erfolgen aktuell noch per Hand, ab einer gewissen Größe stoßen die landwirtschaftlichen Unternehmen dabei aber an ihre Grenzen. Einer, der das nicht als Problem, sondern als Chance sieht ist der Elektroingenieur Henry Wieker. Wir haben uns mit ihm über seine Unternehmung Henry’s Hemp Harvester unterhalten und wie er damit Hanfernte neu definiert. 

krautinvest.de: Hallo Henry. Du bist der Gründer von Henry’s Hemp Harvester. Kannst Du uns dazu erzählen, wie es dazu gekommen ist, dass Du dich mit Hanf-Erntemaschinen selbstständig gemacht hast?

Henry Wieker: Hallo Lisa. Vor fünf Jahren habe ich Hana Gabrielova [Anm. Red: Gründerin&CEO von Hempoint aus Tschechien] in Mexiko kennengelernt und sie im gleichen Jahr auf ihrem Hof bei der Hanfernte besucht. Ich fand das ganze Thema rasend interessant und stellte gleichzeitig fest, dass die Blütenernte beziehungsweise das Strippen der Blüten sehr aufwändig von Hand gemacht wurde. Ich erfuhr dann, dass es dafür keine Maschine gibt und man wohl einige verkaufen könnte, wenn man eine hätte. Ich arbeitete damals für die Pharma-Chemie und Öl & Gas und ich hatte die Nase von dem Job ziemlich voll. Also machte ich mich als freiberuflicher Ingenieur selbstständig und entwickelte die Technologie und die Prototypen für die Hanfernte.

krautinvest.de: Ihr habt die Modelle Hemp Harvester und den Blüten Stripper. Worin unterscheiden sich die zwei Modelle? Für welche Art von Hanf eignen sich die Maschinen?

Henry Wieker: Der Bud-Stripper ist eine Stationärmaschine bei der man die geernteten Hanfpflanzen einzeln einlegt und die dann die Blüten vom Stängel trennt. Für Industriehanf ist diese Vorgehensweise zu aufwändig und für medizinische und andere hochwertige Blüten nicht ausgereift. Meine größte Erkenntnis war aber, dass die Maschine zum Hanf kommen muß und nicht der Hanf zur Maschine.

Der Hempharvester ist ein Front-Anbaugerät für einen Traktor. Er strippt sauber die Blüten von Industriehanf und mäht im gleichen Arbeitsgang die Stängel, die zum Rotten im Schwad auf dem Feld bleiben. Das Gerät ist leicht, erschwinglich, modular und auf bis zu sechs Module skalierbar. Das patentierte Stripp-Prinzip ist robust und einfach zu warten.

Leicht, erschwinglich, modular, persönlich: Hanfernte mit Henry’s Hemp Harvester
Prototyp des Single Moduls bei der Erprobung
Leicht, erschwinglich, modular, persönlich: Hanfernte mit Henry’s Hemp Harvester
Reine Hanfblüten, der Gebläsetransport wird durch ein Förderband ersetzt

krautinvest.de: Dein Angebot richtet sich gezielt an kleine und mittlere landwirtschaftliche Betriebe. Warum hast Du Dir genau diese Betriebe ausgesucht? Könnten Bauern auch gemeinsam in eine solche Maschine investieren, um beispielsweise gemeinsam damit Felder zu ernten?

Henry Wieker: Klar. Die Idee ist auf einem kleinen Betrieb entstanden und wurde auf die Belange von kleinen Betrieben zugeschnitten, aber auch große CBD-Extraktoren haben das Problem, einen erheblichen Stängelanteil in der Ernte zu haben und der muss mit transportiert und getrocknet werden. Dazu hat man einen hohen, unerwünschten Faseranteil in der Extraktionsware. Mein Punkt ist aber, dass ich erkannt habe dass es viele kleine Betriebe gibt, die ohne Erntetechnik bei circa fünf Hektar an die Grenze des Machbaren stoßen. Und das sind auch die Betriebe, die mit viel Phantasie und Hingabe wundervolle Produkte erzeugen und eher regional und ökologisch als industriell und hoch gewinnorientiert aufgestellt sind. Die Typen, von denen ich da spreche, werden noch früh genug versuchen sich die Branche unter den Nagel zu reißen und ich hoffe, dass wir bis dahin viele kleine und mittlere, vitale Betriebe haben, die sich nicht mehr so einfach aus ihren Geschäftsmodellen verscheuchen lassen. Und selbstverständlich begrüße ich es, wenn sich mehrere Bauern zusammentun und sich eine Maschine teilen. Das bietet sich sogar an, da mit der viel größeren Erntegeschwindigkeit die Trocknungsanlagen recht schnell gefüllt sind, und dann hat man eh erst einmal zwei bis drei Tage Pause.

krautinvest.de: Für welche Bereiche ist Dein Produkt bisher zum Einsatz gekommen. Könnten auch medizinische Hersteller oder CBD-Bauern Deine Technologie nutzen? Ist die Maschine nur in Deutschland verfügbar oder auch über die Grenzen hinaus?

Henry Wieker: Der Harvester ist für Industriehanf entwickelt worden, dafür ist die Technologie optimal. Je nachdem ob man Blüten und Samen oder Fasern und Holz als erstes Produkt wählt, die Mehrfachnutzung der Pflanze wird in jedem Fall möglich. Mit mehreren Bud-Stripper Prototypen habe ich mich in der Schweiz an CBD-Blüten abgearbeitet, mit mäßigem Erfolg, aber da schwebt mir schon was vor, das kommt nächstes Jahr. Dieser Markt ist auf jeden Fall extrem interessant. Aber erst einmal müssen wir die Harvester Produktion für dieses Jahr ans Laufen bekommen. Aktuell haben wir Bestellungen aus Deutschland, Polen, Luxemburg und Irland. Ich begleite persönlich jede dieser Maschinen bei der Erstinbetriebnahme, deshalb sind die Maschinen zur Zeit nur innerhalb der EU lieferbar.

Das sagt der Hanf-Experte:
“Dieser neu entwickelte Hanfernter strippt die Hanfblüte vom Stängel anstatt zu schneiden, wodurch viele der wichtigen Inhaltsstoffe erhalten bleiben und kaum Stängelmaterial mit geerntet wird. Somit erspart man sich Geld und Mühe beim nachträglichem Trocknen und Reinigen des Ernteguts. Für Landwirte, die auf kleinen Flächen Tee oder extrahierbare Blüten anbauen möchten, eine technische Innovation, die das manuelle Ernten überflüssig macht und hohe Qualität ermöglicht. Durch integrierte Messerbalken werden auch die Stängel geschnitten und es verdient somit den Namen eines Hanf-Vollernters. Hut ab für diese neue vielversprechende Hanferntetechnik.”

Marijn Roersch van der Hoogte, MRHemp Consulting

krautinvest.de: In solche Projekte fließen ja auch immer viel Zeit, Mühe und Geld in die Entwicklung. Wie finanziert ihr Euch bisher? Was bietet ihr Investoren, die sich für das Projekt interessieren und was für einen Investor sucht ihr für euer Projekt?

Henry Wieker: Ich hatte bis vor kurzem das große Glück, als freiberuflicher Ingenieur in der Industrie gut zu verdienen und damit das HHH Unternehmen zu finanzieren. Wegen Corona ist das jetzt vorbei. Ein Förderkredit war zu Anfang auch dabei. Mit Material, Patenten, Fertigungskosten, Fahrzeugen und Reisen kommt da über die Jahre ein kleines Vermögen zusammen. Um strategisch wachsen zu können, suche ich Investoren, die eine ähnliche Vorstellung von der Entwicklung unserer zukünftigen Landwirtschaft haben und die beispielsweise die Expansion nach Nord- und Südamerika oder Asien ermöglichen, die Entwicklung der Bud-Stripper und die Optimierung der Harvester unterstützen. Neben Firmenanteilen und Gewinnbeteiligung könnte ich zum Beispiel auch die Vertriebsrechte für ein Gebiet anbieten. Sympathie und Vertrauen spielen aber ein große Rolle, ich gehe da eher behutsam vor.

krautinvest.de: Herzlichen Dank für das interessante Interview. Wir drücken die Daumen für die Investorensuche und sind gespannt auf die weiteren Entwicklungen bei Henry’s Hemp Harvester.

Über Henry Wieker:
Henry ist 54, Elektroingenieur mit über 25 Jahren Berufserfahrung im Bereich Schaltschrank- und Anlagenplanung, SPS-Programmierung, Konfiguration von Prozessleitsystemen in der Automobil- Ernährungs- und Pharmaindustrie. Selbständig als Ingenieurdienstleister mit seiner Firma H8-Automation. Er ist Mitglied der EIHA, LEAP Deutschland, IHBA, DHV, Gründer und Vorsitzender des Cannabis Socialclub Hannover e.V. Er interessiert sich für Motorräder und Segelflugzeuge, hat 44 Marathons + Ultras beendet und lebt zusammen mit seinem Hund Freddy in Burgdorf bei Hannover.

Henry stellt seine Maschine live auf der EIHA Hemp Conference 2020 vor. Er ist einer der sechs Nominierten für den EIHA Innovationspreis 2020 und wird dem Publikum am ersten Tag der Konferenz (16.06.2020) um 18:30 Uhr unter dem Titel “Die Entwicklung von Hanfernte Maschinen” seine Unternehmung präsentieren.

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Bildquellen

  • HHHMJUni-1: Henry Wieker
  • Henry_Titel: Heinrich Wieker

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Erfahrungsbericht: Hanfernte mit dem HHH Hemp Harvester - Krautinvest November 25, 2020 - 11:22 am

[…] unserem Interview mit Heinrich Wieker, Entwickler des HHHarvester, über die Hanfernte ist viel passiert: Die EIHA […]

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