AnalysenMarkt

Der Cannabismarkt 2018 – ein Rückblick

Nach der für viele überraschenden Legalisierung vor knapp zwei Jahren hat der legale Cannabis-Markt 2018 Fahrt aufgenommen. Ein Rückblick.

Auffällig: Immer mehr CBD-Produkte finden den Weg in die Supermarkt-Regale: Besonders viel Aufmerksamkeit erhielt Ritter-Sport im April für die Cannabis-Schokolade (kein THC, mit gerösteten Hanfsamen). Mit noch mehr Hoffnung schielen Investoren aber auf den Getränke-Markt. Coca Cola plant in Kanada einen Drink mit CBD und verhandelt dafür mit Aurora Cannabis. Bereits weiter ist Katjesgreenfood. Erst beteiligte man sich im Januar an Hemtatstic (mit Hanfsaft, aber kein CBD oder THC). Als das Unternehmen dann in die Krise schlidderte, kaufte es der Katjes VC dann kurzerhand Ende November auf. Mit der Limo ist aber Schluss, stattdessen soll es einen Hanfriegel geben.

Von wegen kalter Kaffee

In New York gibt es seit April Cannabis-Kaffee. In der Schweiz verkauft Lidl ganz verschiedene Cannabis-Produkte – mit etwas THC und CBD. Nur ein kleiner “Vorgeschmack” dessen, was sich bei einer womöglichen Legalisierung im Genussbereich auch hierzulande alles ändern wird. Heineken bringt im August in Kalifornien ein Hanfbier auf den Markt. Allen, die sich näher mit dem Thema beschäftigen möchten, sei dieser interessante Beitrag über Rivalität und Kooperationen von Getränke- und Cannabisindustrie empfohlen.

Anbau, kein Anbau, Anbau…

Weiterhin noch in der Schwebe: Cannabis grown in Germany. Nachdem schon alles in trockenen Tüchern schien, platzte im März ein Gerichtsurteil inklusive Verfahrensfehler in den Ausschreibungsprozess. Im Juli gab das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte dann eine neue Ausschreibung bekannt. Irgendwann in der ersten Jahreshälfte 2019 soll die endlose Geschichte (Cannabisanbau in Deutschland) fortgesetzt werden. Fortsetzung folgt. In der Zwischenzeit sind immer mehr Experten der Auffassung: Lieber in warmen Ländern anbauen und dann importieren (u.a. Kris Krane von 4Front).

Medizinprodukte, Lagerung, Distribution

Geschäftsmodelle für medizinisches Cannabis ergeben sich aber auch jenseits des Anbaus en masse: Nuuvera plant im April ein Hochsicherheitslager für Cannabis-Medikamente, Sebastian Diemers Farmako gab soeben bekannt, an einem standardisierten, hochwertigen und günstig hergestelltem Produkt zu forschen. Man darf auf die Reaktion von Nuuvera & Co. gespannt sein. U.a. auch MGC Pharmaceuticals hat spätestens seit September Ambitionen in der Distribution von medizinischem Cannabis in Europa.

Events

Dass sich der Markt professionalisiert zeigt sich auch an den Events, die längst keine Zusammenkunft von Kiffern mehr sind. Auf der ICBC tummelten sich im April die Schwergewichte aus Übersee, vor allem Kanada und den USA, mit den wichtigsten Unternehmern, Entscheidern und Lobbyisten hierzulande. krautinvest.de war erneut als Partner dabei. Auch die MaryJane verkündete eine deutlich stärkere Ausrichtung auf professionelle Cannabis-Unternehmen.

Auf der Cannabis Business Europe trafen sich Ende August in Frankfurt Führungskräfte aus den legalen Cannabis-Unternehmen. Die EuroAmerican Cannabis Business Conference versuchte im November, ähnlich wie die ICBC, amerikanische und europäische Vorreiter zu vernetzen. Bereits jetzt gespannt sein darf man auf die Cannatech in Tel Aviv im April 2019 und auf die Future Cannabis Strategies Europe Ende Januar in London (krautinvest.de ist Partner).

In Frankfurt drehte sich auf der Canadian Cannabis Capital Market Conference im Oktober unterdessen vieles um die Performance der Cannabis-Unternehmen an den Kapitalmärkten.

Cannabis-Aktienmärkte: Hanf-Roulette

Stichwort Kapitalmarkt: Wer mal wieder Achterbahn fahren will, kann alternativ auch einfach auf die Aktienkurse von Canopy, Aurora, Cronos, Tilray & Co. schauen. Noch weiß so recht niemand, wohin die Reise geht. Das alltägliche Kursbarometer spiegelte auch 2018 die Goldgräberstimmung auf der einen und große Unwägbarkeiten auf der anderen Seite wieder. Im Juli gelang es mit Tilray erstmalig einer kanadischen Firma im Rahmen eines Börsengangs in den USA gelistet zu werden. Gehandelt werden mit Cronos und Canopy zwei weitere kanadische Cannabis-Unternehmen.

Auffällig 2018: Noch gibt es ein Hauen und Stechen um die Pole Position. Der Markt konsolidiert sich. Aphira kauft Nuuvera (März), auch Aurora schlägt zu (u.a. im September),

Ansonsten auffällig: Der Getränkehersteller Constellation Brands erhöht für vier Milliarden Dollar seinen Anteil an Canopy Growth auf 38 Prozent, der Tabakriese Altria erwirbt 45 Prozent der Cronos Group für 1,8 Milliarden US-Dollar. 2019 zeichnen sich bereits jetzt viele strategische Investitionen und Partnerschaften ab.

Für besonders viel Aufsehen sorgte übrigens André Schulz, seines Zeichens Chef des Chef des Bundes der Kriminalbeamten, im Januar 2018: Das Cannabis-Verbot sei “historisch betrachtet willkürlich erfolgt”, so sein Statement, inklusive Empfehlung einer Legalisierung.

Bildquellen

  • : Photo by Charlotte Coneybeer on Unsplash
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