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Wie Hanf die Bauindustrie revolutioniert

by Lisa Haag

Cannabis ist nicht nur Medizin oder Droge, sondern auch ein vielseitiger Rohstoff. Aktuell ist es zwar eher Ausnahme als Norm, dass Hanf als Baustoff zum Einsatz kommt, aber immerhin werden jedes Jahr bereits hunderte Tonnen Hanf in Häusern auf der ganzen Welt verbaut. Die Nachfrage für Hanf im Bauwesen steigt rasch. Doch was macht Hanf als Baustoff so interessant? Wie kann man Hanf dort einsetzen? Welche Vorteile bietet das Bauen mit Hanf?

Ein Gastbeitrag von Hanfingenieur M. Eng. Henrik Pauly

Hanfstroh ist ein wertvoller Rohstoff für die Bauindustrie – ein Fakt, der während der Diskussionen um Cannabisblüten, CBD & Co. fast schon in Vergessenheit gerät. Das Hanf-Stroh ist ein wertvoller Rohstoff  für die weltweite Bauindustrie. Firmen wie etwa die Hanffaser Uckermark eG und die BaFa Neu GmbH widmen sich dem vielseitigen Rohstoff schon seit vielen Jahren. Sie verarbeiten das Hanf-Stroh weiter zu Rohstoffen für die Bauindustrie. Besonders interessant sind hier die Hanfschäben und die Hanffaser. 

Während die Hanffaser in Form von natürlicher Dämmwolle vor allem im Holzbau zum Einsatz kommt, erschließen die Hanfschäben ein noch größeres Einsatzgebiet: Dieser holzige Teil der Hanfpflanze wird mit Lehm oder Kalk vermischt. Somit entsteht ein Dämmstoff, der sich hart anfühlt wie ein Stein, aber leichter ist als Holz – und deutlich besser dämmt als andere Baustoffe. 

Hanfkalk ist ein massiver, harter Baustoff, der dennoch sehr gut dämmt (ugs. „isoliert“).

Hanflehm und Hanfkalk sind vielfältig einsetzbar und punkten durch ihre einfache Verarbeitungsweise; perfekt etwa als Innendämmung oder Außendämmung in der Sanierung. Im Neubau verwendet man Hanflehm oder Hanfkalk, um ein gesundes und behagliches Raumklima zu schaffen. Dabei können die Innenwände und die Außenwände vollständig aus Hanfkalk bzw. Hanflehm gebaut werden. Der Fachmann spricht hier von einem „monolithischen Wandaufbau“ [einschaligen Mauerwerk, das außen und innen verputzt wird]. Der klare Vorteil von Hanf als 100-Prozent natürlichem Baustoff ist die gute Wärmedämmung bei gleichzeitiger Festigkeit. Mit einer Wanddicke von nur 32 cm werden alle aktuellen Energiestandards für ein Wohnhaus erfüllt – und zwar nur mit Hanfkalk, ohne eine zusätzliche Dämmung!

Wie Hanf die Bauindustrie revolutioniert
Hanf eignet sich für den Hausbau sowohl außen …
Wie Hanf die Bauindustrie revolutioniert
… als auch für Innenräume.

„Gebäude, die schon während dem Bau CO2 einsparen, werden in Zukunft immer wichtiger.“

Was den Hanfkalk von anderen Baustoffen jedoch an dieser Stelle unterscheidet, ist seine negative CO2-Bilanz. Das bedeutet, dass die Baustoffe Hanfkalk und Hanflehm mehr CO2 in sich speichern, als bei der Herstellung und Verarbeitung ausgestoßen werden. Dies ermöglicht, dass ein Haus mit den Hauptbestandteilen aus Hanf und Holz rechnerisch sogar CO2-neutral gebaut werden kann. Und genau hier liegt auch der größte Handlungsbedarf in der Bauindustrie. Gebäude, die schon während dem Bau CO2 einsparen, werden in Zukunft immer wichtiger.

Viele zentrale Vorteile gegenüber konventionellen Baustoffen

Hanf hat als Baustoff noch einen weiteren zentralen Vorteil, der unbedingt beachtet werden sollte: Seine Diffusionsoffenheit. Diese wertvolle Eigenschaft wird umgangssprachlich auch damit bezeichnet, dass „die Wände atmen“. Gemeint ist damit, dass überschüssige Feuchtigkeit in der Raumluft von der Hanf-Wand aufgenommen werden und sogar bis nach außen transportiert werden kann. Dort wird das überschüssige Wasser einfach wieder an die Außenluft abgegeben. Wände aus Hanf können also die Luftfeuchtigkeit in den Räumen völlig von selbst regulieren. Eine Klimaanlage kann somit eingespart werden. 

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Die Holzbalken tragen die Last, der Hanfkalk übernimmt viele der wichtigen Aufgaben.

Beim Bau eines Gebäudes wird Hanfkalk stets mit einem separaten Tragwerk kombiniert, zum Beispiel aus Holz. Während die Holzbalken die Lasten tragen, übernimmt der Hanfkalk viele der wichtigen Aufgaben, unter anderem: 

  • Wärmedämmung
  • Brandschutz
  • Raumakustik
  • Regulierung der Raumluftfeuchte
  • sommerlicher Hitzeschutz

Von Anfang bis Ende – ein enkeltauglicher Roh- und Baustoff

Gebäude aus Hanf sind keine kurzlebigen Konsum-Objekte. Sie bieten einen soliden und gesunden Lebensraum über viele Generationen hinweg – sind damit also ‚enkeltauglich‘. Doch auch diese Gebäude – und seien sie noch so schön – werden irgendwann einmal umgebaut, angebaut oder sogar abgerissen. Glück demjenigen, der ein Haus aus Hanf besitzt! Denn die 100-Prozent natürlichen Hanfbaustoffe können entweder dem Wertstoffkreislauf wieder hinzugefügt oder einfach im Acker untergepflügt werden.

Alles in allem ist Bauen mit Hanf also eine runde Sache, die viele Vorteile für Bauherr*innen bietet aber auch umfassendes Wissen erfordert. 

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Auch Henrik selbst wohnt in einem Haus aus Hanf

Über den Autor:
Henrik Pauly ist Gründer des Planungsbüros „Hanfingenieur“, mit dem er Bauprojekte aus Hanf realisiert. Von Tübingen aus plant und baut er mit seinem Team Hanfhäuser in ganz Deutschland. Als Co-Founder des Hanfbau-Kollektivs fördert er gemeinsam mit anderen Hanfbau-Fachleuten die Netzwerk- und Bildungsarbeit in Deutschland. Er hält Vorträge über Hanf als Baustoff an Hochschulen wie der HTW Berlin oder der Hochschule Rottenburg. 

Bildquellen

  • Hanfingenieur Henrik Pauly big: Henrik Pauly // Lara-Marie Krauße

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