Was ist bei Planung und Bau einer Grow-Anlage zu beachten?

by Astrid Hahner

Ein Experte teilt seine Erkenntnisse aus fast 20 Jahren Erfahrung

Marc Montandon, CEO & Gründer von Carbonactive, sprach mit uns darüber, was bei der Planung und dem Bau einer Grow-Anlage beachtet werden sollte. Carbonactive ist ein Schweizer Unternehmen, das die Idee rund um die Schaffung von Cannabisanbau Anlagen überdenkt und umgestaltet. Das Unternehmen bietet nach eigenen Angaben energieeffiziente und optimierte Lösungen für den Anbau und die Verarbeitung von Cannabis, sowohl für den kommerziellen Maßstab als auch für Homegrow. 

krautinvest.de:  Hallo Marc. Was ist Euer Geschäftsschwerpunkt und wie seid ihr auf euer zu der Überzeugung gelangt, genau in diesem Bereich unternehmerisch aktiv zu werden?

Marc Montandon: Unser Schwerpunkt ist die Installation von Komplettanlagen  für die Cannabiszucht. Sogenannte Turn-Key-ready- (schlüsselfertige) Compartments. Die Räume werden individuell an den Kunden angepasst und innerhalb von wenigen Minuten die Kosten berechnet. Durch das modulare System ist der Aufbau in einen Viertel der Zeit gegenüber herkömmlichen Methoden fertiggestellt. 

Unsere langjährigen Erfahrungen und auch die Fehler in solchen Großprojekten haben uns dazu motiviert ein modulares System zu entwickeln, um das Risiko bei einer Investition auf nahezu Null zu bringen und auch sehr viel Zeit in der Planung und Aufbau zu reduzieren. Somit werden Indoor-Anlagen immer rentabler.

krautinvest.de: Was sind die größten Herausforderungen im Anlagenbau für Cannabis?

Marc Montandon: Die richtige Balance zwischen den Kosten und dem Nutzen zu finden. Wir haben die Möglichkeit sehr günstige Räume, aber auch Highend-Räume zu bauen. Die Frage stellt sich immer, was benötigt wird. 

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krautinvest.de: Welche unterschiedlichen Hallenarten habt ihr schon gebaut? Gibt es hier Unterschiede?

Marc Montandon: Da gibt es große Unterschiede. Nahezu in allen Arten von Hallen und Räumen durften wir schon Anlagen einbauen. Hohe Decken, tiefe Decken, im fünften Stock und Wohnquartieren, sogar in einem Militärbunker.

Alle Arten haben Ihre Vor- und Nachteile. Die perfekte Halle wäre aus meiner Sicht: Hallen mit mindestens fünf Meter Raumhöhe und großen Flächen von mindestens 1.000 Quadratmeter pro Stockwerk. Es sollte darauf geachtet werden, dass sich so wenig Säulen wie möglich auf den Mietfläche befinden. Die Halle sollte freistehend sein (nicht an andere Hallen angebunden) und große Abstände zu den Nachbargrundstücken haben. Ebenso sollte sich die Halle an einem Nordhang befinden.

Zu vermeiden sind Orte, an welchen sich warme Luft im Sommer stauen kann, oder Mietflächen in Gebäuden, in denen sich andere Mieter in den Neben-, Unter- und Obergeschossen aufhalten können. Ebenso zu kleine und niedrige Räume. Natürlich gibt es da noch weitere 100 Punkte…

Mit der richtigen Planung kann man im Bau der Anlage bis zu 30 Prozent der Kosten und später bis zu 20 Prozent in den Betriebskosten einsparen. 

Dazu betreiben wir auch das Facility Engineering, durch das wir Firmen helfen, den richtigen Standort zu finden, noch bevor Sie einen Mietvertrag unterzeichnen. Denn das Mietobjekt ist der Mantel für die Anlage. Ist dieser zu klein oder schlecht geschnitten, hat man später keine Freude.

krautinvest.de: Was sind die größten Fehler, die man bei der Planung einer Growanlage für Cannabis machen kann?

Marc Montandon: Da gibt es leider dutzende „größte Fehler“, die ja auch meistens aus vorangehenden Fehlern folgen. 

Aber die größten sind:

  • Geld sparen bei der Planung. Das ist mit Abstand der größte Fehler.
  • falscher Standort für die Anlage
  • Unterhaltskosten und Service der Anlage beim Kauf nicht zu beachten
  • Workflow generell zu wenig zu beachten und entsprechend den Platz zu (ver)planen
  • Klimaanlagen, welche zu viel Strom verbrauchen, aber günstig zu verbauen sind
  • Einzelne Entfeuchter in den Räumen zu betreiben, was energietechnisch ineffizient ist.  Die Entfeuchtung sollte direkt ins Klimakonzept eingebunden werden.
  • keine Freecooling Funktion im System zu haben
  • zu denken, dass man von einer vier Quadratmeter Anbauerfahrung auf 400 Quadratmeter skalieren kann
  • Lampenaufhängungen verbauen, die runterfallen und Brände verursachen bei HPS Lampen
  • keine richtige Lastenberechnung vom Stromverbrauch zu haben, bevor man den Schaltschrank baut
  • CO2-Begasungsanlagen, welche nicht gesetzlich konform sind

krautinvest.de: Seid ihr auch im Schweizer Pilotprogramm aktiv?

Marc Montandon: Wir sind nicht direkt mit den Blüten aktiv, da diese nicht Indoor angebaut werden dürften, aber kennen die Zulieferer für das Programm und durften die Räumlichkeiten bauen, in welchen die Blüten abgepackt werden.

Über Marc Montandon:
Bereits seit 2004 ist Marc Montandon, CEO & Founder von Carbonactive, in der Cannabis Branche tätig und mit Leib und Seele dabei. Sein Fokus liegt in der Optimierung des Cannabis und Microgreens/Leaf Anbaus. Er trägt die gewonnenen Erkenntnisse fortlaufend zusammen, um das Wissen zu erweitern und das Fundament zu stärken. 

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