Ethypharm: Ruud Helwig zum Launch mit CBD-dominanten Extrakten

by Lisa Haag

Das renommierte internationale Pharmaunternehmen Ethypharm steigt mit dem Launch zweier CBD-dominanter Cannabisextrakte in den deutschen Medizinalcannabis-Markt ein

Das in Schönefeld ansässige Unternehmen Ethypharm, eine Tochter der in Europa und China aktiven Ethypharm Gruppe, ist auf spezifische Erkrankungen des zentralen Nervensystems wie starke Schmerzen, Epilepsie und Sucht fokussiert, außerdem verfügt das 2016 gegründete Unternehmen über große Erfahrung im Umgang mit Betäubungsmitteln. 

Gemeinsam mit dem multinationalen Unternehmen Clever Leaves Holdings Inc. (Kolumbien) erweitert Ethypharm nun sein Portfolio mit verschreibungspflichtigen Cannabisextrakten in Deutschland. Für den Anfang werden zwei CBD-dominante Cannabisextrakte angeboten; balancierte und THC-dominante Rezepturen sollen noch in diesem Jahr folgen. “Wir sehen die Potenziale dort, wo die Evidenz am stärksten ist. Das sind in unseren Augen chronische Schmerzen und schwer behandelbare Epilepsie”, so Deutschland-Geschäftsführer Ruud Helwig zum aktuellen Produktportfolio.

Neben den neuen Produkten legt das Unternehmen großen Wert auf Weiterbildung und Wissensvermittlung, sowohl für Angehörige der Gesundheitsberufe als auch speziell entwickeltes Informationsmaterial für deren Patienten. Dazu gehört unter anderem ein „Starter KIT“ mit grundlegenden Informationen, konkreten Anwendungsbeispielen und einer Patientenbroschüre mit Ergebnissen aus einer großen Patientenbefragung. Zusätzlich wird eine Hotline eingerichtet, über die Ärzte und Apotheker Informationen über die Verwendung und den Nutzen von medizinischem Cannabis austauschen können.

Wir waren für Euch bei der Pressekonferenz zur Produkteinführung und haben die Gelegenheit genutzt, Ruud Helwig, dem Geschäftsführer von Ethypharm Deutschland, im Nachgang noch ein paar vertiefende Fragen zu stellen:

krautinvest.de: Ihre Patientenbefragung ergab, dass ein großes Problem nach wie vor die Schwierigkeiten beim Zugang zu Medizinalcannabis sind. Wie planen Sie konkret, den Zugang zu Cannabis als Medizin zu erleichtern?

Ruud Helwig: Wir sind hierzu unter anderem in Kontakt und im Austausch mit den Krankenkassen und werben für klare, einfach verständliche Regeln bezüglich der Erstattung, welche eine der Hürden für den Zugang ist, sowie für einen insgesamt schnelleren Prozess der Entscheidungsfindung. Hierzu können auch die Rabattverträge beitragen, da durch sie die Bedenken bezüglich der Therapiekosten eliminiert werden können.

krautinvest.de: Unterscheiden sich die beiden Extrakte in der Genetik des Rohmaterials für die Extraktion?

Ruud Helwig: Das Rohmaterial beider Extrakte wurde aus derselben Blütensorte gewonnen. Der Unterschied zwischen den beiden Zubereitungen liegt in der Menge des Verdünnungsmittels und am Ende in der CBD- und THC-Konzentration.

krautinvest.de: Zu welchem Preispunkt (AEK) werden die Rezepturen verfügbar sein?

Ruud Helwig: Bei unseren Produkten beläuft sich der Preis auf rund 0,20 € je mg aktiver Wirkstoff. Wir unterscheiden hierbei nicht zwischen THC und CBD, sondern sehen hier ein Äquivalent. Es handelt sich um den aktuellen Preisstand (Stand: 01.03.2022), der sich in Zukunft auch entsprechend dem Markt entwickeln wird.

krautinvest.de: Die Verordnungshöchstmenge richtet sich nach dem THC-Gehalt des Extrakts. Sehen Sie einen Vorteil darin, dass Ärzte hierdurch grundsätzlich eine größere Menge Extrakt verordnen können ohne Kennzeichnung “A”?

Ruud Helwig: Ja, aufgrund der geringen THC-Konzentration kann dies ein Vorteil sein.

krautinvest.de: Wann werden noch weitere Produkte unter der Marke Ethypharm gelauncht werden? Um welche Art von Blüten und Extrakten handelt es sich?

Ruud Helwig: Folgende weitere Produkte werden in nächster Zeit gelauncht: 1. THC-dominanter Extrakt im dritten Quartal 2022, 2. THC/CBD ausgewogener Extrakt Anfang 2023.

krautinvest.de: Wie schätzen Sie die aktuellen Entwicklungen bezüglich Rabattverträge ein? Planen Sie, sich ebenso an dieser Art von Verfahren zu beteiligen?

Ruud Helwig: Die eröffneten Rabattverträge sind keine klassischen exklusiven Rabattverträge, sondern sogenannte Open-House-Verträge, die es jedem pharmazeutischen Unternehmer, der die von der Krankenkasse vorgegebenen Bedingungen erfüllt, zu einheitlichen Konditionen ermöglicht den Rabattvertragsproduktstatus zu erlangen. Da diese Cannabisextrakte keine Fertigarzneimittel mit Zulassung sind, wodurch entsprechende Austauschbarkeiten definiert werden könnten, besteht hier keine Möglichkeit zur Substitution durch Apotheker. Insofern werden die Rabattverträge unseres Erachtens weniger als im klassischen generischen Arzneimittelmarkt dazu beitragen, dass jene eine Limitierung der therapeutischen Optionen verursachen, sondern eher dafür, die Therapiekosten für Cannabisextrakte in einem für das Gesundheitswesen akzeptablen wirtschaftlichen Rahmen zu halten, was die Akzeptanz steigern kann und durch die Vorgabe einheitlicher Konditionen per mg Wirkstoff potenziell einen faireren Wettbewerb zu schaffen. Entsprechend werden wir in diesen Open-House-Verträgen partizipieren und haben Vereinbarungen mit ersten Krankenkassen geschlossen, die zum 01.03. bereits starteten.

krautinvest.de: Streben Sie langfristig eine Zulassung als Fertigarzneimittel an?

Ruud Helwig: Langfristig sehen auch wir die Zukunft in zugelassenen Fertigarzneimitteln und arbeiten bereits an Projekten hierzu. Kurz- bis mittelfristig bieten die Cannabisextrakte jedoch eine hervorragende Brückenlösung, um Erfahrung im Umgang und der Therapie mit diesen pflanzlichen Arzneimitteln zu sammeln, die vielfach ihre Wirksamkeit und ihren Nutzen bewiesen haben und zusätzliche Therapieoptionen schaffen, wenn andere Therapien nicht wirksam sind. Sie können unter anderem auch dazu beitragen, die Einnahme von Opiaten zu reduzieren. Weiterhin sind sie speziell für Apotheker als Pharmazeuten eine zusätzliche Möglichkeit, abseits der alltäglichen Bürokratie zu ihren Wurzeln zurückzukehren und ihre pharmazeutischen Kenntnisse und Fähigkeiten anzuwenden sowie viel enger mit Ärzten zusammenzuarbeiten. Davon werden beide Seiten profitieren.

Über Ruud Helwig:

Ruud Helwig ist seit 2017 Geschäftsführer von Ethypharm Deutschland sowie Senior Vice President Commercial Operations Europe, MEA & APAC. Zuvor war er Geschäftsführer von Unternehmen wie der Symbion KG in Österreich, der Ayrton Saunders Ltd in UK und der Pharmont Ltd. sowie General Manager bei Mallinckrodt Pharmaceuticals, Commercial Director Europe bei Aspen Pharma Trading Ltd., Vice President International Operations at Sciele Pharma, Vice President Japan Operations bei St. Jude Medical und General Manager China bei Eli Lilly and Company. Ruud Helwig sitzt im Aufsichtsrat von Orfe und SymPhar Sp.z o.o. Studiert hat er Business & Law an der IMADEC University.

Hinweis: In diesem Artikel berichten wir über medizinisches Cannabis. Redaktionelle Berichterstattung. Keine Werbung, keine Produktempfehlung.

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