Demecans erste heimische Ernte wartet auf Auslieferung an Apotheken: 100 Kilogramm medizinisches Cannabis

by Moritz Förster

Demecan hat soeben mitgeteilt, dass 100 Kilogramm medizinische Cannabisblüten für das BfArM bereitstehen. Es wäre die erste Lieferung Demecans aus der eigenen – seit Anfang des Jahres EU GMP zertifizierten – Produktionsstätte. Damit ist Demecan nach Aphria, das im letzten Sommer hierzulande mit der Ernte begonnen hat, dann das zweite Unternehmen, das in Deutschland produziertes medizinisches Cannabis in den Umlauf bringt. Damit endet die lange Zeit des Wartens – eine erste Ausschreibung hatte das BfArM nach einem Urteil des OLG Düsseldorf aufheben müssen. Ursprünglich hatte das BfArM die erste Ernte für Ende 2020 erwartet.

Von den drei Unternehmen, die im April und Mai 2019 vom BfArM den Zuschlag erhalten hatten, hat damit bis dato lediglich Aurora hierzulande noch keine Ernte für das BfArM eingefahren. Logistik und Vertrieb der in Deutschland produzierten Cannabis-Blüten übernimmt das Frankfurter Unternehmen Cansativa.

Laut Demecan wachsen 2500 Cannabispflanzen heutzutage in den eigenen Blüteräumen in Sachsen. Im Jahr 2022 seien bis heute bereits über 300 Kilogramm hochwertige Cannabisblüten geerntet, getrocknet und verpackt worden, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens. Nun werden also 100 Kilogramm davon zur Abholung durch die staatliche Cannabisagentur und für die Weitergabe an Apotheken bereitgestellt. Es handele sich um eine Indica-dominante Sorte basierend auf dem Kultivar OG Kush mit hohem THC-Gehalt. Die Cannabisagentur zahlt 2,30 Euro je Gramm an die heimischen Produzenten, Cansativa vertreibt das in Deutschland produzierte Cannabis schlussendlich für 4,60 Euro je Gramm an die Apotheken.

Zur Erinnerung: Von den 13 Losen erhielten die beiden kanadischen Konzerne Aphria und Aurora jeweils fünf Lose, Demecan drei. Jedes Los ermöglicht den Unternehmen die Produktion von 200 Kilogramm Cannabis jährlich. Demecan könnte dieses Jahr also maximal 600 Kilogramm medizinisches Cannabis für den heimischen Markt produzieren, verkündet allerdings, bei Bedarf wesentlich größere Mengen produzieren zu können als bisher durch das BfArM zugeteilt wurden. Seit März befinde sich zudem eine weitere Sorte (Typ 2 Demecan) im Anbau.

In der Unternehmensmitteilung heißt es, dass Demecan bereits die konstante Versorgung mit hochwertigem medizinischem Cannabis aus deutschem Anbau sicher stelle und die Unabhängigkeit von Importen in der Arzneimittelversorgung steigere. Angesichts der Tatsache, dass letztes Jahr rund 20 Tonnen medizinisches Cannabis nach Deutschland importiert wurden, ist der Weg zur Unabhängigkeit allerdings noch lang, zumal Akteure wie Cantourage bestrebt sind, die Produktion von medizinischem Cannabis weiter zu globalisieren und Produzenten aus allen Ecken der Welt den Zugang zum europäischen Markt zu ermöglichen – mit dem Ziel, die Preise weiter zu senken. Erst unlängst hatte Oliver Zügel von Foliumed vorgerechnet, in Kolumbien bei Kosten von zehn Cent je Gramm Cannabis produzieren zu können – allerdings nicht gemäß EU GMP, sondern nach GACP-Standards.

„Endlich kann man in der Apotheke Cannabis aus Deutschland beziehen. Insbesondere freut mich, dass mit diesem feinen Produkt vielen Patientinnen und Patienten geholfen werden kann und dass wir durch den Anbau hierzulande die Versorgungssituation verbessern können. Natürlich wäre es wünschenswert, wenn wir noch erheblich mehr produzieren dürften. Demecan ist dazu in der Lage“, lässt sich Dr. Adrian Fischer zitieren, der als Geschäftsführer für Anbau und Qualitätskontrolle zuständig ist.

Laut Unternehmen ist das Produktionsgelände, ein ehemaliger Schlachthof, 100.000 Quadratmeter groß. Im Sommer 2020 hatte Demecan das Gebäude erworben und umgebaut. Dank der modular erweiterbaren Produktionskapazitäten könne das Unternehmen die Produktionskapazität auch kurzfristig massiv erhöhen, um den wachsenden Bedarf in Deutschland zu decken.

Bildquellen

  • DEMECAN-Panorama: Demecan

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