Cannabis: Branchenverband empfiehlt Track & Trace für Genussmittelmarkt

by Moritz Förster

Um Sicherheit und Vertrauen zu stärken, fordert der Branchenverband Cannabiswirtschaft (BvCW) in einem Positionspapier, dass Nachverfolgungssysteme (englisch: “Track & Trace”) bereits in der Einführungsphase des legalen Marktes zur Pflicht werden: “Somit wollen wir Transparenz und Kontrollen für alle erleichtern und zum Verbraucherschutz beitragen” lässt sich Dirk Heitepriem, Vizepräsident und Fachbereichskoordinator für Genussmittelregulierung beim BvCW, zitieren.

Bei Hühnereiern und Paketsendungen sei es längst Standard – bei jedem Einzelnen kann die Herkunft exakt nachverfolgt werden. Anders als bei Eieren seien bei Cannabissorten große Unterschiede zwischen den Produkten möglich. Daher sei es für die Verbraucherinnen und Verbraucher wichtig, genau zu wissen, was sie konsumieren.

Track & Trace – Systeme verfolgen den gesamten Prozess vom Anbau, über die Verarbeitungsschritte bis hin zum Verkauf. Behörden wie Marktteilnehmende würden von der lückenlosen Datenerhebung in Echtzeit profitieren. Nicht rechtskonforme Produkte würden somit auf dem legalen Markt gar nicht erst in Umlauf gelangen, prognostiziert der BvCW. Der Datenschutz sei dabei gewährleistet, denn die Nachverfolgung beziehe sich nur auf das Produkt, nicht auf die beteiligten Personen.

Wie solche Track & Trace Lösungen funktionieren hatte Lewis Koski, COO von Metrc kürzlich in einem Gastbeitrag auf krautinvest.de erläutert. Das nordamerikanische Unternehmen ist derzeit Vorreiter und nach eigenen Angaben führende Anbieter von datenbasierter Nachverfolgungssoftware zur effektiven Regulierung von legalen Cannabismärkten. Laut Koski sei die Produktnachverfolgung Schlüssel für einen stabilen und sicheren Cannabismarkt.schielt bereits auf einen potenziellen Genussmittelmarkt in Deutschland. Auch Ubirch und GS1 hatten sich auf der ICBC bereits in Stellung gebracht und verkündet, angesichts der Legalisierung von Cannabis als Genussmittel gemeinsam ein Modell zu einer rückverfolgbaren Lieferkette von Cannabis entwickeln zu wollen. Die Unternehmen hoffen, von bereits bestehender Tracking-Technologie in anderen Bereichen und bestehender Expertise profitieren zu können. Mitmischen dürften wohl auch bestehende Software-Unternehmen im Cannabis-Markt, wie Cannaviga. Die Compliance-Software trackt bereits jetzt Pflanzen entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

“Wichtig ist hierbei, dass das System auch für kleine und mittelständische Landwirte und Unternehmen praktikabel und finanzierbar bleibt. Die Politik muss darauf achten, dass keine bürokratischen Monster aufgebaut werden und auch kleine, aber wichtige Nischenanbieter im kontrollierten Markt mitmachen können. Track & Trace ist sowohl gegenüber der Verfolgung des noch weiterhin erwartbaren illegalen Anbaus sinnvoll, als auch für die Rückverfolgbarkeit bei Herkunfts- und Qualitätsfragen”, ergänzt Jürgen Neumeyer, Geschäftsführer des BvCW. Durch eine offenen Programmierschnittstelle (API) könnte eine Kompatibilität mit unterschiedlichen Systemen eingerichtet werden, so die Empfehlung des Verbandes. Auch eine staatliche Zertifizierung unterschiedlicher IT-Lösungen wäre für den BvCW denkbar.

Für die Anbieter dürfte der größte Haken aktuell allerdings sein, dass niemand weiß, wann der Markt legalisiert wird und welche regulatorischen Vorgaben herrschen werden. So befinden sich Ubirch und GS 1 nach eigenen Angaben in einer „Planungsphase“. Wie sie angesichts der vielen offenen Fragen und Unklarheiten zum aktuellen Zeitpunkt „planen“ und „entwickeln“, verraten die Unternehmen auf Anfrage von krautinvest.de nicht. Um so wichtiger scheint es, dass der Gesetzgeber den Unternehmen Vorlauf gibt, um gleich zum Start Rückverfolgung zu gewährleisten.

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