Home Einblick Adrian Fischer: der Cannabis-Züchter mit Forschungsdrang

Adrian Fischer: der Cannabis-Züchter mit Forschungsdrang

by Moritz Förster

Drei langjährige Freunde wollten schon immer gründen… Dann öffnet sich hierzulande der Markt für medizinisches Cannabis. Inzwischen ist Demecan eines von drei Unternehmen, das hierzulande medizinisches Cannabis für das BfArM anbaut und sich in der Lage sieht, die Produktionsmenge zu erhöhen. In unserer Steckbrief-Reihe wünscht sich Mitgründer Adrian Fischer nicht nur Cannabis “Made in Germany”, sondern vor allem die Forschung weiter voran zu treiben.

krautinvest.de: Wann hast Du zum ersten Mal gedacht: “Mensch, ich muss in der legalen Cannabisindustrie aktiv werden!”? Was hat dich veranlasst, voll und ganz in die Cannabis-Industrie einzusteigen?

Adrian Fischer: Das Thema medizinisches Cannabis begleitete mich schon während meiner Forschungsarbeit im Bereich Neuropsychologie. 2016 traf ich meine langjährigen Freunde und heutigen Mitgründer Constantin und Cornelius in Berlin wieder. Für uns war schon zu Studienzeiten klar: Wir wollen irgendwann gemeinsam gründen. Es sollte nicht irgendein Unternehmen sein, sondern eines das Menschen einen Mehrwert bietet und in dem wir unsere Kompetenzen gleichwertig einbringen können. Vor vier Jahren öffnete sich der Markt für medizinisches Cannabis gerade erst und wir haben den Mangel an Produkten mit verlässlicher Qualität gesehen. Letztlich war dieser Mangel Grund für das „Cannabis als Medizin“-Gesetz. So haben wir uns in die Recherche gestürzt und schlussendlich Demecan, Deutsches Medizinal-Cannabis, gegründet, um eine flächendeckende Patientenversorgung mit medizinischem Cannabis in „Made in Germany“-Qualität zu gewährleisten.

krautinvest.de: Rückblickend auf die vergangenen Jahre in der Industrie: Was sind bisher für dich persönlich deine Highlights?

Adrian Fischer: Ein Highlight war zum einen natürlich die Öffnung des Marktes für medizinisches Cannabis. Dieser Schritt war nicht nur wertvoll für den Industriezweig, sondern vor allem für Patienten und Patientinnen. Das größte persönliche Highlight ist aber sicherlich, dass wir als einziges deutsches Unternehmen den BfArM-Zuschlag für den nationalen Anbau erhalten haben. Wir haben mit unserem Konzept überzeugt. Die harte Arbeit hat sich gelohnt und das freut uns sehr.

krautinvest.de: Und was sind Deiner Meinung nach die wichtigsten bisherigen Entwicklungen und Ereignisse in der Cannabis-Industrie der letzten fünf Jahre?

Adrian Fischer: Mit der nationalen Gesetzesänderung zur Verschreibungsfähigkeit von Cannabis hat das BfArM zeitgleich eine Begleiterhebung mit Beginn der Therapie mit Cannabisarzneimitteln begonnen. Als Arzt begrüße ich die Entwicklung sehr, denn die Cannabisforschung steckt weltweit, besonders aber in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Das ist auch ein Grund dafür, warum wir uns mit der Demecan aktiv an der Forschung beteiligen, beispielweise auf der Ebene des Pflanzenanbaus oder der Auswahl und Zucht verschiedener Cannabissorten. In der Zukunft werden wir uns auch an der Forschung zur Entwicklung anderer Darreichungsformen wie Tinkturen oder Gelkapseln beteiligen.

krautinvest.de: Zwischen internationalen Märkten und Schattenwirtschaft: Woran entscheidet sich Deiner Meinung nach, ob die europäische Cannabis-Industrie durchstartet?

Adrian Fischer: Medizinisches Cannabis ist für uns ein Zukunftsmarkt. Die Studienlage ist hierbei jedoch stark von Bedeutung. Es ist wichtig die nationale und internationale Forschung weiter voranzutreiben, um den Zugang für weitere Therapiefelder zu ebnen und die Verschreibungshürden für Patienten und Patientinnen weiter abzubauen.

krautinvest.de: Wie kann die Industrie dazu beitragen, dass Wachstum anhält und Cannabis sich als nachhaltige Wirtschaft etabliert?

Adrian Fischer: Sicherlich ist das Thema Cannabis in der Medizin immer noch mit Vorurteilen behaftet. Aufklärung ist deshalb besonders wichtig. Hinzu kommt, dass aufgrund der Vorurteile lange Zeit auf diesem Gebiet nicht geforscht wurde und die Studienlage folglich schwach ist. Dieser Rückstand muss nun aufgeholt werden. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die inländische Produktion von medizinischem Cannabis. Darin muss Deutschland stärker investieren, um sich von Importen unabhängig zu machen und die Patientenversorgung hierzulande zu sichern. Wir sind auf einem guten Weg, aber wir sehen jetzt schon, dass die Menge, die zur Produktion vom BfArM gestattet wurde, nicht ausreicht, um die Nachfrage zu bedienen. Darum haben wir beim Bau unserer Betriebsstätte eingeplant, die Produktionsmenge bei Bedarf auch schnell erhöhen zu können.

krautinvest.de: Wer sind für Dich die drei Personen, denen die europäische Cannabis-Industrie in den vergangenen fünf Jahren am meisten zu verdanken hat?

Adrian Fischer: Raphael Mechoulam und Franjo Grontenhermen.

krautinvest.de: Was sind Deine unternehmerischen Ziele in Sachen Cannabis in den nächsten drei Jahren?

Adrian Fischer: Oberste Priorität hat für mich die nationale Patientenversorgung. Die COVID-19 Pandemie hat gezeigt, wie wichtig es gerade im medizinischen Bereich ist nicht von ausländischen Importen abhängig zu sein. Wir wollen in den nächsten drei Jahren das gesamte Spektrum cannabinerger Therapeutika, von der Blüte bis zum Isolat, als echte Made in Germany Produkte anbieten.

krautinvest.de: Welcher Markt und welches Thema ist in Sachen Cannabis Deiner Meinung nach aktuell am spannendsten? Warum?

Adrian Fischer: Die Antwort liegt auf der Hand: Forschung, weil sie ausschlaggebend für die Zukunft des Marktes ist. Und weil ich selbst Mediziner und Naturwissenschaftler bin.

krautinvest.de: Welches Buch legst Du allen Cannabis-Unternehmern als Pflichtlektüre ans Herz?

Adrian Fischer: Eva Hoch, Miriam Schneider, Chris Maria Friemel (Herausgeber): Cannabis: Potenzial und Risiko – Eine wissenschaftliche Bestandsaufnahme. Springer, Heidelberg 2019

krautinvest.de: Beschreibe Dich in drei Adjektiven, die dich am besten charakterisieren:

Neugierig, gründlich, reflektiert

Über Adrian Fischer

Dr. Adrian Fischer hat die Demecan zusammen mit Dr. Constantin von der Groeben (Jurist) und Dr. Cornelius Maurer (Ökonom) 2017 mit dem Ziel gegründet, Patienten in Deutschland den Zugang zu medizinischem Cannabis in höchster pharmazeutischer Qualität „Made in Germany“ zu garantieren. Als einer der Geschäftsführer koordiniert Dr. Adrian Fischer den Ausbau der Kultivierungsanlage in der Betriebsstätte Dresden. Dies beinhaltet das Qualitätsmanagement nach GMP-Anforderungen und pharmazeutischen Standards. Demecan arbeitet im Auftrag des Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) und ist das einzige deutsche Unternehmen, das die gesamte Produktionskette für medizinisches Cannabis – vom Anbau über die Weiterverarbeitung und Lagerung bis zur Distribution an Apotheken – abdecken kann

Bildquellen

  • Dr. Adrian Fischer_DEMECAN Geschäftsführer und Mitgründer: Demecan

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