Home Einblick Wie wirtschaftlich ist deutsches Cannabis? Das Interview mit den Sons-Brüdern zum Verkaufsstart

Wie wirtschaftlich ist deutsches Cannabis? Das Interview mit den Sons-Brüdern zum Verkaufsstart

by Moritz Förster

Aphria, inzwischen Tochtergesellschaft von Tilray, hat als erstes der drei Unternehmen, die vom BfArM für die heimische Produktion auserwählt wurden, hierzulande produzierte medizinische Cannabisblüten geerntet. Für 4,30 Euro verkauft das BfArM die Ernte inzwischen an deutsche Apotheken. Besser gesagt: Das Frankfurter Unternehmen Cansativa vertreibt als Dienstleister im Auftrag des BfArM die hierzulande angebauten Blüten.

Die beide Brüder Benedikt und Jakob Sons – zugleich Cansativa-Gründer – standen krautinvest.de Rede und Antwort: über die Zusammenarbeit mit der staatlichen Behörde, über die Wirtschaftlichkeit des deutschen Standorts und über die erste Resonanz der Apotheken.

krautinvest.de: Nach langem Warten ist es endlich soweit. Ihr vertreibt im Auftrag der Cannabisagentur des BfArM endlich in Deutschland angebautes Cannabis an hiesige Apotheken. Hand aufs Herz: Wie sehr hat das Warten auf die erste Ernte euer Nervenkostüm strapaziert?

Jakob Sons: Die Vorlaufzeit war für uns ausreichend, um alle Prozesse anzupassen und gut vorbereitet zu sein. Natürlich war das ganze Team bis zuletzt aufgeregt und unter Spannung – die Erleichterung ist entsprechend groß, dass es nun losgehen konnte.

krautinvest.de: Ihr seid der einzige Distributor für hierzulande produzierte Cannabisblüten, bezeichnet euch selbst aber gerne als Deutschlands “One-Stop-Shop” für medizinisches Cannabis – also als die Anlaufstelle, auf der Apotheker:innen aus einer Vielzahl verschiedener Sorten wählen können. Wie läuft die Zusammenarbeit mit Aphria und dem BfArM – gerade auch im Vergleich zu Kooperationen mit privatwirtschaftlichen Produzenten aus dem Ausland?

Benedikt Sons: Die Zusammenarbeit läuft bisher reibungslos. Wir haben uns im Vorfeld regelmäßig ausgetauscht und haben gemeinsam auf den Start hingearbeitet. In diesem Umfang neu für uns ist natürlich, dass wir vor allem auch Dienstleister der Cannabisagentur sind und im fremden Namen besonders hervorgehobene Aufgaben wahrnehmen. Auch hier werden wir unseren eigenen Qualitätsansprüchen natürlich gerecht werden.

krautinvest.de: Auf deutsche Produkte von Aurora und Demecan warten wir weiterhin. Mit welchen Mengen rechnet ihr entsprechend in diesem Jahr?

Jakob Sons: Wir haben keinen Einblick in die Produktionsplanung von Aurora und Demecan.

krautinvest.de: Immer wieder munkelt man, die heimische Produktion sei nicht wirtschaftlich, der deutsche Standort zu teuer für die Cannabis-Produktion. Beim Blick auf die Margen und Preise der verschiedenen Produkte, die ihr vertreibt – könnt ihr diese Einschätzung teilen?

Benedikt Sons: Eine belastbare Einschätzung fällt uns hier schwer, da wir die exakten Investitionssummen in die Betriebsstätten und die Kostenstrukturen der Anbauer nicht kennen. Außerdem sind uns die tatsächlichen Transferpreise der Anbauer an die Cannabisagentur unbekannt. Wir kennen nur den Preis auf unserer Wertschöpfungsstufe, den Apothekenabgabepreis, und daraus können wir keine Wirtschaftlichkeitsbewertung zum Cannabis-Standort Deutschland ableiten.

krautinvest.de: In anderen Branchen ist “Made in Germany” ein Qualitätsmerkmal. Beim Cannabis-Anbau bedeutet Qualität unter anderem eine standardisierte Produktion, Versorgungssicherheit, zuverlässige wie regelmäßige Ernten und hochwertige Weiterverarbeitung. Wie sind eure ersten Erfahrungen mit Apotheken, Patienten:innen und Ärtzen:innen hierzulande – kommen die heimischen Sorten gut an?

Jakob Sons: Der Startschuss ist noch nicht verhallt, weshalb Einschätzungen hier vermutlich noch nicht belastbar sind – das Interesse ist jedoch groß und das Feedback der Apotheken zeugt von einer positiven Grundhaltung Produkten “made in Germany gegenüber”.

krautinvest.de: Abschließend ein Blick in die Glaskugel: Deutschland wird weiter von Importen abhängig sein. Erhöht der zusätzliche Supply trotzdem den Druck auf die Preise?

Benedikt Sons: Wir erwarten vorerst keinen Preisdruck. Cannabis „made-in-Germany“ kommt als begrenzte Menge in den Markt. Die Nachfrage nach Cannabisblüten ist weiterhin hoch und wächst, also gibt es für die anderen Marktteilnehmer erst einmal keinerlei Notwenigkeit, ihre Preise zu senken – Insbesondere, da der Großteil der Nachfrage dauerhaft durch Importware gedeckt werden muss.

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