Sortenauswahl und Qualität: Schlüsselrolle in der Cannabis-Produktion

by Redaktion

(Anzeige) Cannabis ist nicht gleich Cannabis. Immer deutlicher zeigt sich: Es trennt sich die Spreu vom Weizen. Im medizinischen Markt setzen sich die Unternehmen durch, die die Wünsche der Patient:innen erfüllen. Und auch im Genussmittelmarkt, das zeichnet sich bereits jetzt anhand der Erfahrungen in anderen Ländern und auf dem Schwarzmarkt ab, werden sich – zumindest sobald der legale Markt die Nachfrage bedienen kann – qualitativ hochwertig produzierte Sorten durchsetzen. Denn der Cannabis-Konsument ist wählerisch.

“Die Antworten auf die Fragen ‘Wer ist mein Kunde?’, ‘Was möchte mein Kunde haben?’ und ‘Wie kommuniziere und vertreibe ich meine Produkte an meine Zielgruppe?’ diktieren das Geschäftsmodell”, erläutert Timo Bongartz, General Manager EMEA von Fluence: “ Im Cannabis-Markt spielt daher die Sortenauswahl eine Schlüsselrolle.” Doch damit nicht genug. “Da die Kundenbedürfnisse sich verändern, bedarf es einem fortlaufenden und vorausschauenden Markt-Screening um neue Kundenbedürfnisse zu antizipieren sowie die Agilität und Flexibilität in den Mutter-Räumen bzw. in der Micropropagation auf sich ändernde Kundenbedürfnisse zu reagieren”, so Bongartz.

Anders gesagt: Haben Produzenten die vermeintlich optimale Sorte entwickelt und auf den Markt gebracht, beginnt das Spiel wieder von vorne.Und das hat es in sich: “Die Produktion stabiler Sorten dauert gewöhnlich mehrere Jahre”, erklärt Franz Josef Sima, Cannabis Horticulture Service Specialist bei Fluence. Zugleich mahnt der erfahrene Cannabis-Spezialist – Sima widmet sich seit fast 20 Jahren professionell der Kultivierung der Cannabis-Pflanze – trotz des intensiven Wettbewerbs geduldig zu bleiben. “Da sich der Markt sehr schnell bewegt, merkt man dass einige, schon verfügbare Kultivare, nicht den Marktanforderungen entsprechen.” Die Reproduktion von marktgerechten Sorten ist, so Sima “eine Aufgabe der Tissue Culture Labore und Nurseries, die eng in Zusammenarbeit mit Samenproduzenten/ Züchtern stehen sollten”. Ausschlaggebend sollte schlussendlich “Qualität sein, gepaart mit effektivem Arbeiten“- die Patienten brauchen schließlich die beste Medizin. Und auch im Freizeitmarkt werden Konsumenten danach verlangen –  und andernfalls auf Produkte von Wettbewerbern ausweichen.

Im Interview mit krautinvest.de erläutern die beiden Cannabis-Experten von Fluence, wie Produzenten Qualität gewährleisten können – und welche 

krautinvest.de: Franz, welche typischen Qualitätsunterschiede habt ihr bei der Cannabis-Produktion in verschiedenen Regionen weltweit erlebt?

Franz Sima von Fluence.

Franz Sima: Andersrum: Es gibt zur Zeit einen großen Trend, der den Sturm auf den Markt beschreibt, jeder möchte Blüten am deutschen Markt verkaufen. Was manche Produzenten aber verkennen, ist die Tatsache, dass die meisten Patienten Cannabis-kundig sind. Sie wissen genau, was sie wollen, und sind oft bessere Qualität vom Schwarzmarkt gewöhnt. Cannabis ist ein sehr sensibles Produkt, jeder Kompromiss in der Herstellung spiegelt sich im Endprodukt wieder. Durch den „Sturm“ auf den Markt, erkennen wir viele Kompromisse an Qualität, von zu früh geernteten Blüten bis hin zu schnell getrockneten Blüten. Ein einheitlicher Qualitätsstandard wäre erstrebenswert, leider ist die Industrie noch nicht soweit.

“Ein kontrollierter Indoor-Anbau ist unsere Empfehlung”

krautinvest.de: Nun herrschen in unterschiedlichen Ländern unterschiedliche Qualitätsanforderungen an die Cannabis-Produktion. Auch in den USA gibt es aufgrund der ausbleibenden Legalisierung auf Bundesebene in den verschiedenen Staaten keine einheitliche Regelung. Welche Qualitätskriterien würdet ihr für den Genussmittelmarkt empfehlen?

Franz Sima: Medizinisches Cannabis schreit seit jeher nach Anerkennung – pharmazeutische Anforderungen wie GACP und EU GMP sollten bei rein medizinischem Cannabis-Anbau ausgeführt werden – selbst für die Extraktion gelten. Nicht standardisierte Anbaumethoden wie beispielsweise in Polytunnel funktionieren, konfrontieren die Betreiber aber mit vielen Faktoren, welche die Qualität beeinflussen und den Einsatz von Pestiziden bedingen können- daher ist ein kontrollierter Indoor-Anbau in geschlossenen Gewächshäusern oder Räumen unsere Empfehlung.

krautinvest.de: Timo, welche Qualitätskriterien sollten deiner Meinung nach im Cannabis-Genussmittelmarkt gelten?

Timo Bongartz: Wie in einem anderen Krautinvest-Interview erläutert. ist es notwendig, Grenzwerte sowie Toleranzen festzuschreiben. Es bleibt eine Pflanze und somit sind Abweichungen im Rahmen vertretbar und auch nicht vermeidbar. Wichtig ist, diese Abweichung möglichst gering zu halten und Produktstabilität und somit Konsumenten-Sicherheit zu erreichen. Ich finde das israelische medizinisches Cannabis-System dahingehend recht interessant. Dort wird mit THC- und CBD-Schwellenwerten gearbeitet. Zum Beispiel “T20, C10” heißt 20% THC und 10% CBD. Dazu sind Toleranzen erlaubt. Das gibt Konsumenten ein einfaches Verständnis, um verschiedene Brands und Strains zu kategorisieren. 

“Cannabis-Patienten und Cannabis-Konsumenten sollten den Genuss zelebrieren”

krautinvest.de: Aber brauchen wir wie im medizinischen Markt auch für den zukünftigen deutschen Genussmittelmarkt strenge EU GMP und GACP Kriterien?

Franz Sima: Brauchen nicht. Wir wissen, dass Cannabis in der Erde unter der Sonne unglaublich gut performen kann. Outdoor, organisch angebautes Cannabis kann augenscheinlich gleich oder mehr ästhetisch wirken wie kontrolliert angebautes Indoor Cannabis- ob es aber die mikrobiologischen Anforderungen einer sicheren Medizin entspricht? Ob man die von der Umwelt beeinflusste Blüte unter dem Mikroskop mit dem leichten Schimmel, ob des Tauwetters, auch rauchen möchte? Falls Cannabis ein Genussmittel werden soll, darf es dann nicht auch von höchster Qualität sein und wird der Konsument dies nicht auch fordern?

Könnte die Cannabis Industrie hierbei eine wegweisende Rolle in der Welt der Stimulanzien sein, oder von billig Anbaumethoden und schlechter Qualität sich selbst disqualifizieren? Es ist schwierig, eine richtige Prognose abzugeben. Cannabis-Patienten und Cannabis-Konsumenten sollten von hoher Qualität profitieren und den Genuss dementsprechend zelebrieren.

krautinvest.de: Timo, teilst du die Auffassung, dass EU GMP und GACP auch für die Produktion im Genussmittelmarkt erforderlich sein sollten?

Timo Bongartz: Am Ende kommt es darauf an, die Wachstumsparameter, wie Licht, Temperatur, Luftfeuchtigkeit, CO2 und weitere Parameter über die verschiedenen Batches im Jahr so steuern zu können, dass sie gleich bleiben, um den Konsumenten-Anforderungen gerecht zu werden. Dafür müssen die Grower entsprechende Standard Operating Procedures (SOPs) verfassen und anwenden, welche die Einhaltung der Vorgaben und Growing-Principles sicherstellen. Das kann man sicherlich von den medizinischen Regularien wie EU-GAP und EU-GMP auch für den Anbau für den Freizeitkonsum adaptieren.

“Alles steht und fällt mit dem richtigen Licht.”

krautinvest.de: Nun steht Fluence vor allem für ganzheitlich gedachte Lichtlösungen. Welche Rolle spielt die Beleuchtung, damit Produzenten qualitativen Forderungen von Patient:innen oder zukünftig auch Konsument:innen gerecht werden können?

Timo Bongartz: Das Licht wirkt sich unmittelbar auf die Morphologie, den Cannabinoid- und Terpen-Gehalt, auf Ernteerträge, die Konsistenz der Wirkstoffe und die Qualität der Pflanzen aus. Zusammen mit der Klimasteuerung (HVAC-D) und der Genetik der Pflanze ist das Licht der wichtigste Faktor. Alles steht und fällt mit dem richtigen Licht.

Timo Bongartz von Fluence.


Die Beleuchtung zählt zu den Grundanforderungen der Pflanze, genau wie Lösungen für Dünger oder das Anbaumedium. Wie in anderen Bereichen, gibt es auch bei der Beleuchtung besser abgestimmte Lichtspektren und weniger gute für Cannabis – mit Fluence wählen Unternehmen einen verlässlichen Langzeitpartner, der ihnen auf dem langen Weg zum Erfolg zuverlässig bei Seite steht.


krautinvest.de: Viele Produzenten präferieren inzwischen das Gewächshaus im Vergleich zur Indoor-Produktion – die Produktionskosten sinken beachtlich. Was sind die Voraussetzungen dafür, dass auch im Gewächshaus hochwertiges Cannabis für den medizinischen Markt oder zukünftig für einen legalen Genussmittelmarkt produziert werden kann?

Franz Sima: Schwierige Frage. Gewisse Qualitätsstandards werden wohl immer eingehalten werden müssen. Es gibt definitiv sehr gutes Medizinalcannabis aus Gewächshäusern – hierbei ist die Raffinität des Growers gefragt. Schädlingsprävention und sauberes Arbeiten sind hierbei Voraussetzungen. Am Ende werden sich solche Produkte durch den Preis von kontrolliert angebauten Indoor-Blüten unterscheiden.

krautinvest.de: Timo, stimmst du dem zu?

Timo: Ja genau, wie eingangs gesagt, ist das eine Geschäftsmodell-Frage, wie kann ich meinen Zielkunden von meinen Produkten begeistern. Daraus ergibt sich gegebenenfalls auch die Entscheidung, ob Indoor, Gewächshaus oder auf dem offenen Feld.

krautinvest.de: Wie lässt sich auch im Gewächshaus durch eine intelligente Beleuchtung ein Maximum an standardisierter Qualität erzielen?

Franz Sima: Standardisierung. Natürliches Sonnenlicht verändert sich über das Jahr hinweg – diese Veränderung an Intensität, Lichtdauer und ebenso das Spektrum müssen kompensiert werden, um eine einheitliche Qualität zu erzielen. 


Fluence verfügt nicht nur über die Technologie, sondern auch über die Expertise. Zum einen betreibt Fluence die zugrunde liegende photobiologische Forschung. Zum anderen besteht ein eigenen Grower-Team – die sogenannten „Horticulture Service Specialists“ -, das Kunden betreut. Die Fluence-Experten wissen also nicht nur, wie man LED-Lösungen entwickelt, herstellt und vertreibt, sondern auch wie man LED erfolgreich im Pflanzenanbau nutzt, um qualitative hochwertige, ertragreiche und konsistente Ernten zu erreichen.


krautinvest.de: In welchen Ländern haltet ihr die Produktion im Gewächshaus oder gar unter freiem Himmel für die bessere Variante im Vergleich zur Indoor-Produktion?

Timo Bongartz: Es gibt viele interessante Länder wie Portugal, Israel oder Südafrika. Pauschal gesagt, fernab jeglicher Straßen, weit weg von Industrie, mit guter Luft und Wasser sowie geringer Vegetation rundum. In den Ländern gibt es entlegene Gegenden, in denen medizinisches Cannabis erfolgreich in Gewächshäusern angebaut wird.

Bildquellen

  • Franz Sima von Fluence: Fluence
  • Timo Bongartz von Fluence: Fluence
  • Green Fields Greenhouse: Green Fields Gewächshaus, Israel

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