Cannabis für den Genussmittelmarkt: Qualität und Effizienz durch LED-Beleuchtung

by Redaktion

(Anzeige) Der Ökonom Justus Haucap hat jüngst vorgerechnet, wie viel Cannabis künftig in deutschen Fachgeschäften über die Ladentheke gehen könnte: 400 Tonnen. Deutschland wäre im Fall der Legalisierung schlagartig der größte legale Markt weltweit. Wer aber soll all das Cannabis produzieren? Und vor allem wie? Die Antwort auf die erste Frage ist spekulativ, die Antwort auf die zweite Frage vergleichsweise einfach: möglichst effizient und qualitativ hochwertig zugleich. Die Grundlage für die Cannabis-Produktion in einem legalen deutschen Gennussmittelmarkt ist daher moderne LED-Beleuchtung.

Vielleicht so viel vorab: Cem Özdemir hatte keine gute Idee, als er Bauern empfahl, sich auf einen möglichen Cannabis-Anbau auf den Feldern vorzubereiten – zumindest nicht, wenn er die Produktion von Cannabis-Blüten für den legalen Markt in spe meinte. Denn Cannabisblüten im legalen Genussmittelmarkt werden – ähnlich wie im medizinischen Markt – standardisiert sein. Sprich: Die Konsumentin oder der Konsument möchte genau wissen, was er erwirbt. Entsprechend gering dürfen die enthaltenen Cannabinoide wie THC und CBD zwischen den einzelnen Blüten einer Sorte variieren. Timo Bongartz, General Manager EMEA von Fluence, erläutert die Herausforderungen, vor denen Cannabis-Produzenten für den legalen deutschen Genussmittelmarkt stehen – und welche Rolle moderne LED-Technologie dabei spielt.

Auch im Genussmittelmarkt wollen Konsument:innen wissen, wie viel THC und CBD in den Blüten steckt.

„Abweichungen möglichst gering halten“

krautinvest.de: Auf jedem Lebensmittel im Supermarkt wird angegeben, was drin ist. Nicht anders dürfte die Erwartungshaltungen von Konsumentinnen und Konsumenten sein, wenn sie Cannabis künftig ganz legal im Fachgeschäft erwerben?

Timo Bongartz: Es ist wichtig Grenzwerte sowie Toleranzen festzuschreiben. Es bleibt eine Pflanze und somit sind Abweichungen im Rahmen vertretbar und auch nicht vermeidbar. Wichtig ist diese Abweichung möglichst gering zu halten und Produktstabilität und somit Konsumenten-Sicherheit zu erreichen. Ich finde das israelische medizinisches Cannabis-System dahingehend recht interessant. Dort wird mit THC- und CBD-Schwellenwerten gearbeitet. Zum Beispiel “T20, C10” heißt 20% THC und 10% CBD. Dazu sind Toleranzen erlaubt. Das gibt Konsumenten ein einfaches Verständnis verschiedene Brands und Strains zu kategorisieren. 

Aufgrund des nicht kontrollierbaren Wetters unter freiem Himmel – und damit permanenten Schwankungen – beispielsweise von Bewässerung, Licht, Luftfeuchtigkeit – verbleibt die Produktion im Gewächshaus oder in der Indoor-Anlage als realistische Alternative, um den diesen Toleranzen und  Qualitätsanforderungen gerecht zu werden. Für Bongartz ist daher klar: „Falls der Gesetzgeber den Anbau in Deutschland ermöglicht, ist sicherlich LED-Technologie die richtige Wahl um Energiekosten zu reduzieren, vertikalen Anbau in Regalsystem zu ermöglichen und somit den Kubikmeter ideal zu nutzen und Produktkonsistenz zu erreichen.“

krautinvest.de: Mal angenommen, der Bundesregierung gelingt es, dass Unternehmen in Deutschland und anderen Mitgliedsländern der EU Cannabis für den legalen deutschen Markt produzieren dürfen… Andere Regionen verfügen im Vergleich zu vielen europäischen Ländern über Standortvorteile. Wie wichtig ist der Einsatz von moderner Technologie, um auch durch Effizienzsteigerungen im globalen Wettbewerb produzieren zu können?

Timo Bongartz: Meiner Meinung nach ist das eine Geschäftsmodell-Frage. Damit meine ich, hilft mir die eingesetzte Technologie einen Kundennutzen zu realisieren. Sei es, dass ich meine Betriebskosten reduziere und somit mein Produkt günstiger anbieten kann oder ich kann “Made in Germany” als Verkaufsargument nutzen, etc. Technologie der Technologie-Willen macht keinen Sinn, sie muss einen Nutzen stiften. Recht allgemein sieht man aber: Je höher die Personalkosten in einem Land sind, desto höher ist meistens der Technologiegrad.

Seines Erachtens können zukünftige Produzenten eines legalen Marktes für den Freizeitgebrauch sich “das ein oder andere” von der Produktion von medizinischem Cannabis abschauen. „Die Pflanze ist dieselbe, daher sind die Lichtparameter auch entsprechend dieselben“, erklärt Bongartz. Beim medizinischen Cannabis-Anbau sei der Gesetzgeber strenger „wie Equipment verwendet werden soll“. Gerade die EU nimmt es mit ihren Kriterien für EU-GAP und EU-GMP im globalen Vergleich besonders genau.

Durch LED-Beleuchtung können alle wichtigen Parameter kontrolliert werden.

„Wachstumsparameter steuern, dass sie gleich bleiben“

krautinvest.de: Was genau können sich Produzenten für den deutschen Genussmittelmarkt in spe denn aus der Industrie für medizinisches Cannabis abschauen?

Timo Bongartz: Am Ende kommt es darauf an, die Wachstumsparameter, wie Licht, Temperatur, Luftfeuchtigkeit, CO2 und weitere Parameter über die verschiedenen Batches im Jahr so steuern zu können, dass sie gleich bleiben. Dafür müssen die Grower entsprechende Standard Operating Procedures (SOPs) verfassen und anwenden welche die Einhaltung der Vorgaben und Growing-Principles sicherstellen. Das kann man sicherlich von den medizinischen Regularien wie EU-GAP und EU-GMP auch für den Anbau für den Freizeitkonsum übernehmen. Hier finde ich das Dreieck für konsistente Produkte und Patientensicherheit ein schönes Schaubild. In der einen Ecke müssen die Räume und das Equipment und in den anderen zwei Ecken Materialien und Prozesse sowie Mitarbeiter und Organisation in Einklang gebracht werden. Am Beispiel Licht: Das Licht muss die Spezifikation hinsichtlich Intensität und Spektrum im Growroom erfüllen können, der Headgrower muss die Lichtparameter pro Wachstumsphase definieren und sein Team instruieren, wie sie das Licht wann und wie nutzen.

Eine ganz andere Frage für Fluence ist hingegen, welche Länder überhaupt den Export gen Deutschland erlauben (und aus welchen Deutschland wiederum den Import gestattet) und wie Deutschland die heimische Produktion reguliert. Genau in diesen Ländern würden schließlich auch die Unternehmen produzieren, die Fluence moderne LED-Technologie und das langjährige Know-How des Teams dringend benötigen. Zur Erinnerung: Aktuell dürfen hierzulande drei Unternehmen maximal 2,6 Tonnen medizinisches Cannabis jährlich produzieren. Wie das Team rund um den neuen Drogenbeauftragten der Bundesregierung Burkhard Blienert die heimische Produktion und Importe im Genussmittelmarkt regeln wird?

„Nachfrage schnellstmöglich bedienen, um den Schwarzmarkt zu verdrängen“

krautinvest.de: Werden wir auch in Europa den Aufbau neuer Produktionsstätten sehen, um Versorgungssicherheit zu gewährleisten?

Timo Bongartz: Das ist eine sehr spannende Frage für uns als Technologieunternehmen. Wo sitzt unser zukünftiger Kunde? In Deutschland, Europa oder außerhalb der EU? Nach derzeitigem Stand ist es schwierig zu beantworten, da es einige rechtliche Implikationen hat. Gemäß der Single Convention der UN darf Cannabis als Genussmittel nicht angebaut und exportiert/importiert werden. Das würde bedeuten, dass Deutschland und mögliche Exportländer gegen internationales Recht verstoßen wenn sie exportieren/importieren oder nur der Anbau in Deutschland möglich wäre. Beides ist derzeit schwierig vorstellbar. Wahrscheinlich muss Deutschland an einer Änderung der internationalen Gesetzgebung mitwirken. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir die hohe Nachfrage nur mit Angeboten aus Deutschland bedienen könnten. Es ist aber wichtig, die hohe Nachfrage nach einer möglichen Legalisierung schnellstmöglich bedienen zu können, um das Ziel einer Verdrängung des Schwarzmarktes sowie sichere Produkte für den Konsumenten zu erfüllen. Falls die Zeit zwischen Legalisierung und ausreichend verfügbares Angebot zu lange dauert, droht eine Entkriminalisierung der Droge ohne die gewünschten Ziele zu erreichen.

In den USA hat Fluence schon hunderten Produzenten bei der Installation moderner LED-Beleuchtung geholfen.

Übrigens: Fluence arbeitet in Nordamerika mit Produzenten von medizinischem Cannabis und mit hunderten Produzenten von Cannabis für den Genussmittelmarkt zusammen. Dazu zählen sowohl die großen Produzenten also die Multi-State-Operators (MSOs) in den USA beziehungsweise License Producers (LPs) in Kanada als auch Craft Cultivators in verschiedenen Staaten. Auf dem eigenen Instagram-Kanal sowie auf der Fluence Webseite finden sich einige Beispiele. Weitere Infos unter: Commercial Cannabis – Fluence By OSRAM

Bildquellen

  • 1902 H (182): Fluence by OSRAM
  • TGOD_edit (1): Fluence by OSRAM
  • Cannerald_1: Montel Inc.

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