Home Einblick Eurox und Dr. Reckeweg: die Potenziale von Cannabis für die Zukunft nutzen

Eurox und Dr. Reckeweg: die Potenziale von Cannabis für die Zukunft nutzen

by Lisa Haag

Eurox Pharma und Dr. Reckeweg haben vor einiger Zeit eine exklusive Produktionspartnerschaft für Cannabis kommuniziert. Eurox, 2019 gegründet, verfügt laut eigener Website über eigene Produktionsstandorte respektive Anbaulizenzen in Dänemark und Portugal – zwei der möglichen legalen Produktionsländer in Europa. Auch hält Eurox die notwendigen Vertriebslizenzen sowie eine Herstellererlaubnis. Zuletzt verkündete Eurox eine Investitionsrunde durch FastForward Innovations von rund 3 Millionen Euro. Eurox sitzt in Bensheim, dem Heimatort des Traditionsunternehmens Dr. Reckeweg, das über 70 Jahre Bestand hat und sich inzwischen im vierten Generationswechsel befindet. Dr. Reckeweg ist seit vielen Jahren auf die Herstellung homöopathischer Arzneimittel spezialisiert, gab aber bereits Anfang 2020 bekannt, mit Cannabis ein neues Standbein aufzubauen.

Eurox und Dr. Reckeweg: die Potenziale von Cannabis für die Zukunft nutzen
Die beiden Co-Geschäftsführer Dr. Bernhard Babel und David Lecompte-Reckeweg

Eurox hat in Bensheim einen eigenen Produktionsbereich aufgebaut, um die strengen rechtlichen Vorgaben zum Umgang mit Cannabis zu erfüllen. Inzwischen sollen auch Extrakte “Made in Germany” verfügbar seien, die am Produktionsstandort in Bensheim nach der “Guten Herstellungspraxis” (Good Manufacturing Practice – GMP) hergestellt werden. Wir haben uns exklusiv mit den zwei Co-Geschäftsführern, David Lecompte-Reckeweg und Dr. Bernhard Babel, über die Partnerschaft unterhalten.  

krautinvest.de: Herr Lecompte-Reckeweg – welche Rolle spielt die langjährige Erfahrung von Dr. Reckeweg als Hersteller von pflanzlichen und homöopathischen Arzneimitteln in der Partnerschaft?

David Lecompte-Reckeweg: Die Dr. Reckeweg & Co. GmbH ist exklusiver Produzent für Eurox Pharma in Deutschland. Die Firma hat über ein halbes Jahrhundert Erfahrung in der Produktion von pflanzlichen Arzneimitteln auf höchstem pharmazeutischen Niveau und überträgt dieses Wissen nun in einen eigens dafür errichteten Bereich mit Fokus Cannabismedizin.

krautinvest.de: Inwiefern können Sie gemeinsam die gesamte Wertschöpfungskette abdecken? Welche Rolle spielt Eurox‘ Standort in Dänemark in der Partnerschaft?

Dr. Bernhard Babel: Eurox baut gerade den eigenen Anbau in Portugal aus, wir haben dort mit 200 Hektar Land sehr viel Potenzial für die Zukunft. Auch in Dänemark halten wir eine Anbaulizenz. Die Produktentwicklung erfolgt aber ausschließlich in Deutschland, unterstützt von einem hoch qualifizierten Team mit langjähriger Erfahrung in der Pharmaindustrie. Zum Vertrieb hat Eurox eine eigene Großhandelslizenz, der Verkauf und die Lieferung erfolgen durch Eurox und ausgewählte Partner in Deutschland und Europa.

krautinvest.de: Welche Potenziale sehen Eurox und Dr. Reckeweg in der zukünftigen gemeinsamen Kollaboration?

David Lecompte-Reckeweg: Das größte Potenzial liegt unserer Meinung nach bei verarbeiteten Cannabisprodukten wie etwa Extrakten, weil wir hier den größten Vorteil für die Patienten durch immer gleichbleibende Qualität und Stärke sehen. Damit diese Vorteile aber wirklich sichergestellt sind, benötigen wir Produktionstechnologie auf dem neuesten Stand der Technik. Niemand kann das besser als ein Unternehmen, das schon so lange Zeit mit Pflanzen arbeitet wie die Firma Dr. Reckeweg.

krautinvest.de: Wie gestaltet sich das geplante Produktportfolio? Sind eigene Produkte geplant? Wenn ja, welche? Ist langfristig die Zulassung von Fertigarzneimitteln geplant?

Dr. Bernhard Babel: Derzeit liegt unser Fokus auf verschiedenen Cannabisextrakten. Wir arbeiten aber auch an Dronabinol und weiteren Darreichungsformen, um den Patienten das gesamte Spektrum an medizinischem Cannabis anbieten zu können.

krautinvest.de: Richtet sich Ihr Sortiment streng an die Vorgaben der BtM-Verordnung oder sind auch verkäufliche OTC-Produkte für Apotheken im Portfolio vorgesehen?

Dr. Bernhard Babel:  Wir spezialisieren uns ganz klar auf Produkte im medizinischen Einsatz, die von der BtM-Verordnung erfasst sind. Es ist allerdings durchaus vorstellbar, dass wir in Zukunft auch OTC-Präparate anbieten – die notwendigen Kompetenzen zur Herstellung haben wir, doch bei Wirkstoffen wie CBD steht derzeit die rechtliche Lage ja noch zur Diskussion.

krautinvest.de: Wo liegen für Sie die aktuell größten Herausforderungen und Chancen im Markt rund um pharmazeutische Cannabinoidprodukte?

David Lecompte-Reckeweg: Cannabis ist eines der ältesten Heilmittel, die wir haben, aufgrund des Verbots und der mangelnden Patentierbarkeit der Produkte gab es lange Zeit aber einen Rückstand im Bereich der Evidenz. Dieser Rückstand hat sich dank der Lockerungen der letzten Jahrzehnte sowie eines wiederbelebten Interesses der Wissenschaft stark verbessert. Nun ist unsere größte Herausforderung das Abbauen des Stigmas: Cannabis ist für uns Medizin, die ständige Assoziation mit seiner Verwendung als Rauschmittel schafft hier Verunsicherung – obwohl andere als Arzneimittel zugelassene und regelmäßig verschriebene Präparate wie Opioide oder Benzodiazepine ein viel größeres Missbrauchspotential haben.

krautinvest.de: Welche Rolle spielen dabei Angebote für Aus- und Weiterbildung für Ärzt:innen und klinische Forschung?

Dr. Bernhard Babel:  Wir wollen die Ärzteschaft seriös an die Arznei Cannabis heranführen. Zu diesem Zweck betreiben wir eine Partnerschaft mit einer Cannabisklinik in London (die Integro Clinics), wo Patienten nach höchsten Standards mit Cannabis behandelt werden – dort tragen wir Evidenz in der Behandlung zusammen, die wir behandelnden Ärzten zur Verfügung stellen wollen. Außerdem haben wir eine Partnerschaft mit der Goethe-Universität in Frankfurt am Main, wo wir die Grundlagenforschung des Instituts für Pharmazeutische Biologie unterstützen. Weitere Kooperationen mit deutschen und europäischen Universitäten sind schon in Planung. So möchten wir unseren Beitrag dazu leisten, dass Cannabis in der Medizin die gebührende Anerkennung findet und in Zukunft verschrieben werden kann, wie jedes andere rezeptpflichtige Arzneimittel.

Über die Interviewpartner:
Dr. Bernhard Babel (Co-CEO Eurox Pharma) – Dr. Bernhard Babel verfügt über mehr als 15 Jahre Erfahrung in weltweiter Geschäftsentwicklung. Vor der Gründung der Eurox Group war er CEO von Risk Dynamics und Partner bei McKinsey.
David Reckeweg-Lecompte (Co-CEO Eurox Pharma) – Als CEO der Dr. Reckeweg & Co. GmbH verfügt David Reckeweg-Lecompte über umfangreiche Erfahrung in pflanzlichen Arzneimitteln und in der globalen Geschäftsentwicklung. Seit 2009 ist David Präsident der European Coalition on Homeopathic & Anthroposophic Medicinal Products (ECHAMP).

Bildquellen

  • Background_Reckeweg_Eurox: Eurox Pharma _ Dr. Berhard Babel David Lecompte-Reckeweg
  • Facility Bensheim Dr. Reckeweg: Dr. Reckeweg/Eurox

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