Cannabis-Anbau durch Landwirte ist Unsinn – Kritik von Nutzhanf-Experten

by Moritz Förster

Das Nutzhanf-Netzwerk reagiert mit deutlicher Kritik auf die jüngsten Aussagen von Landwirtschaftsminister Cem Özdemir. Bauern stünden hierzulande in den Startlöchern für den Cannabis-Anbau auf dem Felde, hatte der Grünen-Politiker verlauten lassen. „Man sollte uns Landwirten in Sachen Legalisierung von Cannabis zu Rauschzwecken keine falschen Hoffnungen machen“, erklärt nun Joachim Klack, der Vorsitzende des Nutzhanf-Netzwerks, per Pressemitteilung.

Auch Bauernpräsident Joachim Rukwied hatte unisono zu Özdemir verlauten lassen: „Wenn die Bauern den Samen haben, können sie loslegen.“ Der Nutzhanf-Verein widerspricht dieser Auffassung deutlich und dämpft die Erwartungen. „Um den deutschen Absatzmarkt mit Cannabis zu Rauschzwecken zu beliefern, würden maximal 1.100 Hektar landwirtschaftlicher Anbaufläche völlig ausreichen. Und diese werden voraussichtlich nicht auf dem Acker, sondern unter Gewächshäusern zu finden sein“, rechnet Klack vor. Klack geht dabei basierend auf der Haucap-Studie von einem jährlichen Gesamtbedarf an Rausch-Cannabis für Deutschland von maximal 530 Tonnen aus. Demgegenüber setzt er den Flächenertrag mit 500 kg/Hektar an. „Der Anbau von Cannabis zu Rauschzwecken ist also nur eine Nische, aber keine Flächenkultur“, kommentiert Klack.

In einem Gastbeitrag kam Rechtsanwalt Kai-Friedrich Niermann unlängst zu einem Rechenbeispiel auf leicht abweichende Zahlen. Seine wesentliche Kritik richtet sich an den Aufwand und die Kosten für die erforderlichen Produktionsstätten. Damit verbunden seien „Investitionen von mindestens 15-20 Mill. € verbunden und einer Planungs- und Realisierungsphase von mindestens 3-4 Jahren.“

krautinvest.de hatte kurz nach Özdemirs öffentlichkeitswirksamen Aussagen bereits darauf hingewiesen, dass ein großes Fragezeichen dahinter steht, wie Landwirte unter freiem Himmel Blüten mit konstantem Cannabionoid-Gehalt produzieren sollen. Schließlich wollen Konsument:innen in Fachgeschäft wissen, was genau sie erhalten. Auch das Nutzhanf-Netzwerk verweist nun auf „Anforderungen an gleichbleibende Qualitäten, die sich wahrscheinlich nur durch witterungsunabhängigen Unterdachanbau z.B. in Gewächshäusern erreichen lassen“.

Zudem gehen die Hanfexperten in ihrer Mitteilung davon aus, dass für den Anbau von Cannabis zu Rauschzwecken ähnlich hohe Anforderungen wie beim Anbau von Medizinalcannabis zu erwarten seien und verweist auf „strenge Sicherheitsvorkehrungen für die Anbaustätten“ sowie die „ausschließliche Abgabe des Erntematerials an die staatliche Cannabisagentur“. Wohlgemerkt steht hinter beiden Punkten aktuell noch ein Fragezeichen.

Wenig überraschend propagiert das Nutzhanf-Netzwerk für den Anbau von Nutzhanf statt für Rauschzwecke. Die Anbauflächen mit Nutzhanf nehme von Jahr zu Jahr zu. So seien in Deutschland im Jahr 2021 laut amtlicher Statistik 6.444 Hektar angebaut worden.

Bildquellen

  • Hanfpflanzen auf einem Feld: Nutzhanf Netzwerk

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