Home Einblick Becanex: Bereit für die Nachfrage der Lebensmittelindustrie nach CBD

Becanex: Bereit für die Nachfrage der Lebensmittelindustrie nach CBD

by Lisa Haag

Sebastian Kamphorst, Geschäftsführer der Lebensmittelunternehmen Laia’s Proteinhanf und Becanex, über CBD und die Anforderungen der Lebensmittelindustrie

Becanex – Kurzform für Berlin Cannabis Extraktion – hat Sebastian Kamphorst sein Unternehmen genannt. Bereits vor fünf Jahren erkannte er das Potenzial von Hanf als Lebensmittel und gründete 2016 gemeinsam mit seiner Frau Marcela seine erstes Unternehmen: Laias Proteinhanf. Seither ist viel passiert. CBD ist in aller Munde. Mittendrin weiterhin: Sebastian Kamphorst, der im August 2019 mit seinem zweiten Unternehmen Becanex eine Extraktionsanlage in Berlin-Adlershof in Betrieb genommen hat.

Gegründet hat Sebastian Becanex im Januar 2019 gemeinsam mit dem heutigen CTO Eral Osmanoglou als ein Joint Venture zwischen Laia’S Proteinhanf und einem Inkubator für Lebensmitteltechnologie an der Universität Wageningen in den Niederlanden. Eral hat die Technologie für das Extraktionsverfahren entwickelt und entwickelt diese mit der R&D-Abteilung kontinuierlich weiter. Das inzwischen 28-köpfige Team produziert aktuell in zwei Schichten. “In den kommenden zwei Jahren wollen wir unsere Produktionskapazität verzehnfachen”, verkündet Sebastian. Mit Becanex will er dafür nach eigenen Angaben eine neue Maschine anschaffen und rund vier Millionen Euro am Firmenstandort in Berlin-Adlershof investieren. 

Im Interview mit krautinvest.de verrät Sebastian, dass er sich nicht nur als Hanf-Unternehmer sieht. Für ihn gehören Hanf und CBD ganz klar in die Lebensmittelindustrie. Wir haben uns mit Sebastian zu seinen bisherigen Erfahrungen als Unternehmer in der CBD-Branche ausgetauscht – auch über das eigens entwickelte und besonders schonende Becanex-Extraktionsverfahren, und über aktuellen Handlungsbedarf. 

krautinvest.de: Becanex sieht sich als Hersteller von Lebensmitteln. Warum ist es Euch wichtig, Euch so zu positionieren?

Sebastian Kamphorst: Mit Laias haben wir 2012 das erste Mal Hanf für die Verarbeitung der Samen angebaut. Seitdem produzieren wir Hanflebensmittel. Hier liegen unsere Wurzeln, unser Herz und unsere Expertise. Wir finden es spannend Lebensmitteln Cannabinoide zuzufügen. CBD kann eine Zutat für Lebensmittel sein, ist aber aktuell in vielen Fällen so noch nicht in Lebensmitteln verkehrsfähig. Das Interesse der Verbraucher steigt und immer mehr Unternehmen aus der Lebensmittelbranche strecken ihre Fühler aus. Dementsprechend werden dann hier für Produzenten auch die Standards der Lebensmittelindustrie gelten. Hierauf bereiten wir uns auch jetzt schon vor.

Es wird im Markt immer wieder über spezielle Qualitätssiegel für die Hanfbranche diskutiert. Meiner Meinung nach ist dies jedoch überflüssig, da im Lebensmittelbereich schon alle entscheidenden Standards und Zertifizierungen existieren. Viele CBD-Händler weisen auf ihre Analysezertifikate hin, um die Qualität ihrer Produkte hervorzuheben. In der Lebensmittelbranche stellen diese Zertifikate jedoch eher eine Selbstverständlichkeit beziehungsweise eine Mindestanforderung dar. Der Nachweis, dass das jeweilige Produkt sicher ist, ist das absolute Minimum. Bei Becanex arbeiten wir streng nach FSSC 22.000 Norm, dem höchsten Standard in der Lebensmittelproduktion. So stellen wir vollständig sicher, dass unsere Extrakte qualitativ hochwertig sind. 

Perspektivisch wollen wir die großen Konzerne der Lebensmittelindustrie beliefern und mit ihnen gemeinsam neue Produkte entwickeln. Das ist derzeit aufgrund der ausstehenden Novel-Food-Lizenzierung noch nicht möglich. Unser R&D-Team ist jedoch jetzt schon in der Lage auf Augenhöhe mit den Projektentwicklern großer Unternehmen an neuen Innovationen zu arbeiten. Gleichzeitig forscht unser Team am Campus der weltweit führenden Universität für Lebensmitteltechnologie in Wageningen.

krautinvest.de: Ihr habt ein eigenes und spezielles Extraktionsverfahren. Kannst Du uns hierzu etwas sagen? Was macht Euer Verfahren so besonders?

Sebastian Kamphorst: Unser speziell entwickeltes und inzwischen patentiertes One-Step-Verfahren ist einzigartig, weil es uns ermöglicht CBD, sowie andere Cannabinoide und Terpene in nur einem Schritt aus der Pflanze zu extrahieren. Dabei verwenden wir keine toxischen Lösungsmittel, die anschließend wieder vom Endprodukt getrennt werden müssen. Post-Extraktionsschritte wie beim CO²- oder Alkohol-Extraktionsverfahren werden damit überflüssig. Wir sind überzeugt davon, dass dies ein Meilenstein in der Pflanzenextraktion darstellt. Das Extrakt ist durch die schonende Methode besonders mild und beinhaltet fast alle natürlich in der Hanfpflanze vorkommenden Cannabinoide.

Das extrahierte Cannabinoidspektrum und dessen Konzentration ist in unserem Extrakt deutlich größer als bei herkömmlichen Extrakten. Die Decarboxilierung erfolgt bei Becanex bei ausgeklügelter Temperatur und Zeit vor der Extraktion. Im Anschluss wird die “aktivierte” Biomasse extrahiert. Durch den schonenden Prozess erhält man gleichzeitig einen tollen Geschmack, weil wir keine sekundären Pflanzenstoffe wie Wachs und Chlorophyll mit extrahieren. So ist das Produkt nicht bitter, sondern nussig mild. Zudem ist unser Extraktionsverfahren mit geringeren Kosten als bei anderen vergleichbaren Verfahren verbunden.

krautinvest.de: Was waren Deine wichtigsten Erfahrungen als Unternehmer im Thema Hanf in den letzten Jahren? 

Sebastian Kamphorst: Der Erfolg eines Unternehmens steht und fällt mit dem Team, das man um sich hat, davon bin ich überzeugt. Ein Startup zu gründen, ist schon anstrengend genug. In der Cannabisbranche gibt es derzeit noch einige zusätzliche Hürden, denen man sich stellen muss. Bei all den Höhen und Tiefen braucht man Leute, die für die Idee brennen und Verantwortung in ihrem Bereich übernehmen, auch wenn es mal eng wird. Wir haben bei Becanex sehr fähige Leute, die ebenso bei großen Konzernen arbeiten könnten. Doch: sie haben sich für Becanex entschieden, weil sie Spaß an der Arbeit haben und mit uns unser Unternehmen voranbringen wollen. Wir haben ein sehr familiäres Betriebsklima. Wir legen großen Wert darauf, das zu erhalten und zu pflegen.

krautinvest.de: Ihr seid ja auch einer der wenigen Unternehmen, die in Deutschland extrahieren und habt in Berlin-Adlershof Eure Produktionsstätte aufgebaut. Welche Rolle spielt es für Euch, ein lokales Unternehmen aus Berlin/Brandenburg zu sein? 

Sebastian Kamphorst: Unser Standort hat für uns eine große Bedeutung, weil wir aus ihm heraus gewachsen sind und weiter wachsen. Wir haben angefangen für Berliner Unternehmen zu produzieren und liefern inzwischen an Partner in ganz Europa, sowie nach Australien und Südafrika. Die Stadt Berlin unterstützt unsere Forschung durch Fördergelder. Das ist für uns wertvoll, da wir so wesentlich schneller vorankommen können. 

Becanex: Bereit für die Nachfrage der Lebensmittelindustrie nach CBD
Das Unternehmen Becanex unterhält in Berlin-Adlershof seine eigene Produktionsstätte. Hier wird das Extrakt für Becanex selbst und für Unternehmen auf der ganzen Welt hergestellt. Das moderne Verfahren hat Sebastian Kamphorst (r.) eigens für Becanex und nach den Standards der Lebensmittelindustrie gemeinsam mit Geschäftspartner Eral Osmanoglou entwickelt.

Darüber hinaus wurden Becanex vom Bundeswirtschaftsministerium als „innovativ“ betitelt. Wir wurden zudem ausgewählt „Berlin Partner“ zu werden. Das bedeutet, dass die teils private, teils öffentliche Marketingagentur der Stadt Berlin Becanex in ihr Partnerprogramm aufgenommen hat. Neben uns tragen nur wenige weitere Startups diesen Titel. Wir können damit das Logo tragen, haben auf internationalen Messen einen Vertrauensvorschuss und können das lokale Netzwerk von „Berlin Partner“ nutzen. Berlin ist auch der Standort, an dem man sich aufgrund der räumlichen Nähe, einfacher mit anderen Unternehmen und der Politik vernetzen kann. Das wird dieses Jahr – im Jahr der Superwahl nicht nur für Deutschland, sondern auch für die Landtagswahl in Berlin – besonders wichtig sein. Im Endeffekt wird die Gesetzgebung ja dann doch regional unterschiedlich gehandhabt und wir als lokales Berliner Unternehmen möchten hier als positives Beispiel und mit Signalwirkung für die gesamte Branche vorangehen.

krautinvest.de: Wo denkst Du sind die wichtigsten Baustellen, an denen die CBD-Branche noch arbeiten muss?

Sebastian Kamphorst: Baustellen gibt es immer, ich finde jedoch, dass wir als Branche auch mal innehalten und stolz sein sollten auf das, was wir bisher geschaffen haben. Wir Unternehmer und Unternehmerinnen haben eine neue Branche geschaffen und dazu beigetragen, dass die Cannabispflanze in der Gesellschaft rehabilitiert und wieder etabliert wird. Jetzt werden immer mehr Regulierungen implementiert, auch das ist in meinen Augen ein normaler Prozess. 2020 mussten Produzenten fürchten, dass CBD von der EU-Kommission als Betäubungsmittel eingestuft wird. Das ist zum Glück vom Tisch, dennoch sind nach wie vor viele regulatorische Fragen offen. Darüber hinaus gilt es in der Branche einheitliche Standards zu etablieren, um die Produkte sicherer zu machen und die Qualität zu steigern. Die Industrie muss sich professionell aufstellen und geschlossen der Politik gegenübertreten. Ich begrüße daher die Bestrebungen der EIHA mit einem Food-Konsortium die Novel-Food-Beantragung anzugehen und so den Aufwand und die Kosten für einzelne Unternehmen zu senken.

Wir als Unternehmer der Branche müssen unsere Hausaufgaben machen. Nur so kann Vertrauen seitens der Endverbraucher und der Politik aufgebaut werden und nur so können wir auf den Regulationsprozess Einfluss nehmen. Das ist wichtig, denn bei den meisten Entscheidungsträgern ist das Wissen über CBD und den damit verbundenen Regelungen gering. Hier gilt es zu informieren und auch weiterhin Vorurteile abzubauen. Wir müssen zeigen, dass wir als Unternehmen vertrauenswürdig sind und dass unsere Produkte sicher sind, dann werden wir Unterstützung von der Politik erhalten. Das gilt auch für andere Branchen und deren Produkte, und der gleiche Standard sollte auch für CBD-Produkte gelten.

Über Sebastian Kamphorst:
Sebastian Kamphorst ist Mitgründer und Geschäftsführer des High-Tech Food Startups Becanex. Der gelernte Diplom Ökonom ist seit 2003 selbständig tätig und verfügt über jahrelange Erfahrung in der Unternehmensführung und strategischer Planung. Der Seriengründer entwickelte verschiedene Projekte mit Fokus auf den internationalen Wissenstransfer und Investitionen im Food-Agro-Bereich. Daraus entstanden, neben Becanex auch das Schwesternunternehmen Laias Proteinhanf. Der B-Corp zertifizierte Anbieter von Bio-Hanflebensmitteln wie Hanföl, -samen und -proteinpulver wurde 2016 von Sebastian gegründet und wird bis heute vom ihm geleitet. 

Bildquellen

  • Becanex_Sebastian_Eral-2: Becanex/Eral Osmanoglou und Sebastian Kamphorst
  • Becanex_Sebastian_Kamphorst: Becanex/Sebastian Kamphorst

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