Binnen weniger Wochen sorgen die Insolvenzen von Synbiotic, Lux 99 und Bedrocan in der Cannabis-Branche für Aufsehen. Bedrocan ereignet sich zwar in den Niederlanden, betrifft trotzdem die Versorgung deutscher Patienten. Auch wenn die Insolvenzen zeitlich eng beieinander liegen, haben sie unterschiedliche Hintergründe.
Synbiotic hatte im Juli verkündet, dass die beiden Tochterfirmen Solidmind und Lean Labs Pharma Insolvenzanträge stellen wollen. Nun ist die gesamte Unternehmensgruppe betroffen. Lars Müller hatte die CBD-Firma Solidmind 2015 gegründet. Im Sommer 2020 wurde sie Teil der Synbiotic-Gruppe. Am 30. November 2021 verkündete Synbiotic die Übernahme der drei von Daniel Kruse geführten Hanf-Firmen Hanf Farm GmbH, Hemp Factory GmbH, Hempro International GmbH und MH Medical Hemp GmbH. Im August 2023 übernahm Synbiotic dann die Mehrheit von Frank Ottos Unternehmen CannaCare Health mit der CBD-Marke Canobo.
Bis heute dümpelt der CBD-Markt in Deutschland allerdings vor sich hin. Seit der Einstufung von CBD als Novel-Food 2019 kann bis heute CBD in der EU nicht legal als Nahrungsergänzungsmittel oder Lebensmittel vermarktet werden. Der Interessenverband EIHA, damals angeführt von Daniel Kruse als Präsident, rief 2020 ein Novel-Food-Konsortium ins Leben, um gemeinsam Anträge für verschiedene CBD-haltige Basis-Produkte zu stellen. Es dauerte fast sechs Jahre, bis wieder Bewegung in die Vermarktung von CBD kam. Im Februar 2026 legte die EFSA eine Risikobewertung für CBD als Nahrungsergänzungsmittel vor.
Und die Hanf-Industrie leidet bis heute unter der „Rauschklausel“. Selbst die verarbeitende Industrie muss in Deutschland juristische Folgen fürchten, beim Umgang mit Hanf angesichts des enthaltenen THC, auch wenn der Gehalt sehr niedrig ist. Cem Özdemir hatte auf dem Parlamentarischen Abend des BvCW im Mai 2024 den Vorschlag dabei, den Anbau und die Weiterverarbeitung in Deutschland gesetzlich deutlich zu vereinfachen. Aber dann platzte die Ampel-Regierung Ende 2024, noch bevor das Nutzhanfliberalisierungsgesetz in Kraft trat. Bis heute liegt es in der Schublade. Jüngst unternahmen die Grünen als Oppositionspartei einen neuen parlamentarischen Vorstoß. 2024 übernahm Synbiotic vier weitere Gesellschaften im Bereich CBD, Hanf und medizinischem Cannabis, darunter auch der etablierte Großhändler Weeco Pharma. Bereits im Mai 2021 hatte Synbiotic den Großhändler Geca Pharma übernommen.
Seit der Herausnahme aus dem Betäubungsmittelgesetz wuchs der Markt für medizinische Cannabisblüten rasch an. 2026 werden Importe von medizinischem Cannabis in Höhe von 300 Tonnen in Deutschland erwartet. Mer Großteil der verordneten Mengen geht an selbstzahlende Patienten. Großhändler berichten in diesem Bereich von starkem Preisdruck. Im GKV-Bereich wurden mit medizinischen Cannabisblüten in unverarbeiteter oder verarbeiteter Form laut Gamsi rund 62 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2026 brutto umgesetzt. Der Bruttoumsatz mit Cannabis-Fertigarzneimitteln lag in diesem Zeitraum bei rund 35 Millionen Euro, der mit Extrakten bei etwa 41,5 Millionen Euro. Seit Juli 2026 übernehmen die Krankenkassen keine Kosten mehr für medizinische Cannabisblüten. Im Selbstzahlerbereich lag das Marktvolumen 2025 geschätzt bei etwa einer Milliarde Euro.
Bis Ende Juli 2026 hatten die Krankenkassen bis zu 19,02 Euro je Gramm medizinischer Cannabisblüten erstattet. Gegenüber Apotheke Adhoc erklärte der Apotheker Tobias Loder nach dem Einreichen des Insolvenzantrags, dass die „Umsetzung des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes Ende Juli 2026 und die damit verbundene Streichung von Cannabisblüten aus dem GKV-Leistungskatalog“ zur Zahlungsunfähigkeit geführt hätten.
In den Niederlanden endete Bedrocans langjähriger Distributions-Vertrag mit der staatlichen Arzneimittelbehörde, dem OMC, Anfang des Jahres. Das OMC erklärte gegenüber krautinvest.de, dass es rund 4.500 Kilogramm jährlich von der niederländischen Produktionsstätte des Unternehmens bezogen habe. Davon seien 3.800 Kilogramm für den Export vorgesehen gewesen. Die dänische Produktionsstätte hat laut Angaben von Bedrocan eine jährliche Produktionskapazität von 2.200 Kilogramm. Der direkte Export aus Dänemark bleibt vom Endes des Vertrags, anders als der Export via OMC aus den Niederlanden, unberührt. Wie eine Sprecherin krautinvest bestätigte, ist für beide Produktionsstätten Deutschland das wichtigste Export-Ziel. In den Anfangsjahren nach Inkrafttreten des Cannabis-als-Medizin-Gesetz im März 2017 hing die Versorgung deutscher Patient:innen zu großen Teilen von Bedrocan-Blüten ab. Auch aufgrund dieser langjährigen Vorgeschichte dürfte Bedrocan unter den Kassen-Patient:innen eine überproportional wichtige Rolle gespielt haben. Offizielle Daten dafür liegen nicht vor.

