Bedrocan ist in den Niederlanden insolvent

by Moritz Förster

Bedrocan bestätigt krautinvest.de, dass ein Gericht die Gesellschaften Bedrocan Nederland und Bedrocan International für insolvent erklärt und einen Insolvenzverwalter bestellt hat. Ende September hatte Business of Cannabis bereits über Bedrocans Kampf gegen die Insolvenz berichtet.

Wie eine Sprecherin mitteilt, habe Bedrocan zunächst einen Zahlungsaufschub beantragt. Die Zahlungseingänge würden nicht ausreichen, um die laufenden Betriebskosten zu decken. Bedrocan verweist hinsichtlich der Liquiditätsprobleme auf den beendeten Vertrag mit dem OMC, der staatlichen niederländischen Cannabisagentur, zugleich wichtigster Kunde des Unternehmens. Der Verwalter habe sich in den vergangenen Wochen laut Bedrocan bemüht, mit dem OMC neue Zahlungsvereinbarungen auszuhandeln, sei aber dabei gescheitert.

Business of Cannabis schilderte bereits die Hintergründe der aktuellen Liquiditätsproblemen: Der Auftrag des OMC sei Anfang des Jahres ausgelaufen. Bedrocan hatte aber gehofft, das OMC zumindest bis 2027 weiter beliefern zu können. Das Ende der Zusammenarbeit sei zwar bereits im Juni 2024 angekündigt worden, dennoch kam es nun relativ abrupt. Der eigentliche Plan sah vor, parallel das Opiumgesetz zu ändern und dem OMC seine staatliche Monopolstellung zu entziehen. Bedrocan hätte dann selbst mit Apotheken und Großhändlern verhandeln und diese beliefern können.

Dadurch ist die kontinuierliche und vertraglich fixierte Produktion und Weiterverarbeitung medizinischer Cannabisblüten für den Export im Auftrag des OMC weggebrochen, Bedrocans Hauptgeschäft. In den vergangenen 22 Jahren brachte Bedrocan die in den Niederlanden produzierten Blüten nicht selbst in den Verkehr, agierte vielmehr stets im Auftrag des OMC, das für diesen Zweck ausschließlich mit Bedrocan zusammen arbeitete.

Bereits am 10. September 2026 empfahl Bedrocan, ausländischen Apotheken und Großhändlern Bestellungen nicht mehr an das OMC zu richten. Bedrocan kommunizierte damals noch, dass das OMC seine Exporttätigkeiten schrittweise einstellen werde. Niederländische Apotheken würde das OMC dagegen weiter beliefern. Bedrocan betont zudem, dass die Produktionsstätte in Dänemark weiterhin jedes Land beliefern könne, in dem medizinisches Cannabis erlaubt sei. Wer in Deutschland Bedrocan-Produkte beziehen wolle, müsse sich an den Vertriebspartner Cannaflos wenden.

In den Niederlanden selbst fehlt gegenwärtig eine neue gesetzliche Regelung für den Export medizinischer Cannabisblüten. Das Gesundheitsministerium will einen Entwurf in der zweiten Jahreshälfte 2027 vorlegen. Dieser könne am 1. Juli 2028 in Kraft treten. Ein Zeitplan, so Bedrocan, der bereits mehrfach verschoben worden sei. Bedrocan kritisiert, dass das OMC nun den Vertrag mit Bedrocan beendet, ohne dass eine solche neue Exportregelung jenseits des staatlichen Monopols für in den Niederlanden produzierte medizinische Cannabisblüten existiert. Die Bedrocan-Sprecherin erklärt, dass Deutschland aktuell ausschließlich vom dänischen Standort aus beliefert wird.

Allerdings erklärte das OMC gegenüber krautinvest.de, dass es derzeit noch ins Ausland exportiere und davon ausgehe, die Exporte Anfang 2027 einzustellen. Zudem könne es mit den aktuellen Beständen an medizinischem Cannabis niederländische Patientinnen und Patienten wohl bis Mitte 2027 versorgen. Bedrocan erlärte, dass die Verteilung eventuell verbleibender Cannabisbestände nicht vom Unternehmen, sondern vom Insolvenverwalter bestimmt werde. Dieser sei dafür zuständig, alle verfügbaren Optionen zu prüfen und zu entscheiden, wie der Restbestand im Interesse der Insolvenzmasse verkauft oder verteilt werden könne. Ein Verkauf an das OMC könne also weiterhin möglich sein. Der Verwalter habe eine Lieferung der Restbestände an das OMC nicht ausgeschlossen. Es gibt also noch einige Fragezeichen zur Zusammenarbeit zur Zusammenarbeit zwischen Bedrocan und dem OMC in den nächsten Wochen. Klar scheint nur, dass die Vereinbarungen des langjährigen Vertrags in der bisherigen Form nicht mehr gelten.

Sobald eine neue Export-Regelung in Kraft sei, wolle Bedrocan auch aus den Niederlanden den Export wieder aufnehmen. Die Sprecherin zeigt sich besonders besorgt um Patient:innen, die auf das ausschließlich in den Niederlanden produzierte Bedrolite angewiesen seien, eine CBD-dominante Sorte für laut Bedrocan sehr schutzbedürftige Patient:innen. Eine Verlagerung der Produktion dieser Sorte nach Dänemark würde mindestens sechs Monate dauern. Die Kapazität in den Niederlanden reiche aus, man dürfe ohne neues Gesetz aber nicht selbst exportieren. Zudem habe der dänische Standort eine Kapazität von 2.200 Kilogramm pro Jahr. Dies reiche nicht aus, um die europäische Nachfrage nach Bedrocan-Produkten zu decken. Dafür brauche man den niederländischen Standort.

Die Produktion in den Niederlanden sei in den vergangenen Wochen normal weiter gelaufen. Jenseits des problematischen Vertrags mit dem OMC verweist Bedrocan auf weitere Verpflichtungen gegenüber Herstellern in den Niederlanden und im Ausland, die das von Bedrocan produzierte Cannabis als Wirkstoff (API) für die Herstellung von Arzneimitteln verwenden. So hatte das in Berlin ansässige Unternehmen Becanex am 22. September des Jahres verkündet, dass Apotheken in Deutschland nun das PIEX Bedrocan 78 % THC-Extrakt bestellen könnten. Geliefert werde ab 28. September, heißt es.

Auch in Deutschland ansässige Großhändler bezogen Bedrocan-Blüten nicht direkt vom Unternehmen, sondern über das OMC. Gerade in den Anfangsjahren nach Inkrafttreten des Cannabis-als-Medizin-Gesetz im März 2017 spielte Bedrocan eine wesentliche Rolle für die Versorgung deutscher Patient:innen. 2017 und 2018 wurde mehr als die Hälfte der in Deutschland importierten medizinischen Cannabisblüten aus den Niederlanden eingeführt. 2020 waren die Niederlande mit rund 3,7 Tonnen nach Kanada noch das zweitwichtigste Bezugsland von medizinischem Cannabis in Deutschland. In den folgenden Jahren nahm die Relevanz für den deutschen Markt aber ab. Während die Importvolumina sich auf mehr als 200 Tonnen 2025 vervielfachten, waren die Mengen aus den Niederlanden seit den Anfangsjahren von medizinischem Cannabis in Deutschland leicht rückläufig und lagen im vergangenen Jahr bei 2,4 Tonnen. Der Anteil niederländischer Blüten an den Importvolumina verringerte sich binnen acht Jahren also von etwa 50 auf rund ein Prozent. Ein Grund dürfte der feste Verkaufspreis des OMC sein. Während die Preise für medizinisches Cannabis in den letzten Jahren rasant gesunken sind, verkaufte das OMC weiter konstant für netto fünf Euro an seine Kunden, ein Preis, der für Großhändler bereits über dem durchschnittlichen Abgabepreis vieler Apotheken an selbstzahlende Patient:innen liegt. Auch weil das OMC nicht unternehmerisch agiert, konnte Bedrocan anders als kanadische Produzenten in den letzten Jahren daher nicht am extrem gestiegenen Bedarf in Deutschland profitieren. Im Gegenzug musste sich Bedrocan als einziger OMC-Kunde nicht dem immer intensiveren globalen Wettbewerb stellen.

Aufgrund der vergleichsweise hohen Preise für Bedrocan-Blüten wurde die Nachfrage danach in Deutschland vergleichsweise stark von der seit 30. Juli gestrichenen Erstattung für medizinische Cannabisblüte beeinträchtigt. Da die Kassen bis dahin bis zu 19,02 Euro je Gramm medizinische Cannabisblüten erstatteten, war die Versorgung der Cannabis-Blüten nicht dem gleichen Preisdruck ausgesetzt wie dem extrem preissensiblen Selbstzahlerbereich. Eine Bedrocan-Sprecherin berichtet bereits von einem Nachfragerückgang. Deutsche Händler würden auf Bedrocan-Blüten „sitzen bleiben“. Die Sprecherin verweist auf „Ausverkaufspreise“ von etwa 1,5 bis zwei Euro je Gramm. Solche Preisniveaus seien laut Bedrocan für Produzenten von Cannabis in pharmazeutischer Qualität nicht tragbar. Auch das OMC bestätigte krautinvest einen signifikanten Rückgang der Bestellungen seit Inkrafttreten des Gesetzes und der Streichung der Kostenerstattung für Blüten.

Das OMC nahm eigenen Angaben zufolge jährlich rund 4.500 Kilogramm Bedrocn-Blüten ab. Davon seien 3.800 Kilogramm für ausländische Märkte bestimmt. 2025 waren Deutschland und Italien für das in den Niederlanden hergestelltes Cannabis nach Angaben von Bedrocan die mit größtem Abstand größten Märkte, gefolgt vom niederländischen Inlandsmarkt. Bereits 2023 hatte Bedrocan eine Produktionsstätte in Dänemark eröffnet. Damals nannte das Unternehmen als Grund für diesen Schritt, dass in den Niederlanden produzierte Bedrocan-Produkte wie in den vergangenen Jahren weiterhin ausschließlich über die staatliche Agentur OMC verfügbar seien. Jaap Erkelens, damals CEO von Bedrocan International, erklärte zu diesem Anlass, dass eine europaweite Verfügbarkeit von Bedrocan-Produkten bald weniger von politischen Vereinbarungen abhängig sein werde.

Bedrocan zeigt sich sehr pessimistisch, dass zukünftig noch vom Unternehmen hergestellte medizinische Cannabisblüten im Ausland verfügbar sind. Nach dem geltenden Opiumgesetz dürfe das Unternehmen weder in den Niederlanden noch im Ausland direkt Apotheken oder Großhändler beliefern. Die Regierung sei nicht bereit, eine befristete politische Übergangsregelung einzuführen, die einen solchen Export ermöglichen würde.

Bedrocan betonte gegenüber krautinvest, dass das Unternehmen nicht im Rahmen des Wietexperiments produzieren werde. Es bleibe ein vollwertiges Pharmaunternehmen. Allerdings könne es freie Kapazitäten Dritten zur Verfügung stellen. Schließlich verfüge man in den Niederlanden über zwei Anlagen, die derzeit nicht voll ausgelastet seien. Auch werde man den Fokus nicht zu sehr auf Extrakte verlagern. Extrakte seien eine Ergänzung, kein Ersatz für Blüten. Die Sprecherin verweist darauf, dass manche Patienten stärker vom Verdampfen der Blüten profitieren würden.

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