Die Schweizer BtMG-Änderung – Ein Segen für Patient:innen?

by Astrid Hahner

Vom 10.-11. September 2022 findet in Zürich (CH) die zweite Ausgabe der CB Expo – Cannabis Business Expo and conference, statt.

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Mit Franziska Quadri, Präsidentin des Vereins Medcan, spricht auch eine Repräsentantin der Schweizer Cannabis-Patient:innen. Gut möglich, dass sie einiges zu berichten hat. Denn am 1. August 2022 wurde in der Schweiz das Verbot von Cannabis zu medizinischen Zwecken im Betäubungsmittelgesetz aufgehoben. Cannabisarzneimittel können nun von Ärztinnen und Ärzten ohne Bewilligung des BAG verschrieben werden. Industrie, Verordner:innen sowie Behörden beteuern stets, das Wohl der Patient:innen im Fokus zu haben. Wir haben im Vorfeld der CB Expo bei Franziska Quadri nachgefragt, wie das aus Sicht der Patient:innen umgesetzt wird.

krautinvest.de: Wie war die Situation für Patienten in der Schweiz bisher?

Franziska Quadri: Viele Schmerzpatient:innen haben ihre Schmerzen mit illegal erworbenem Cannabis selbst behandelt, weil es ein komplizierter Prozess war, eine Ausnahmegenehmigung zu beantragen, Verordner schwer zu finden waren und Medikamente auf Cannabisbasis teuer sind. 

krautinvest.de: Was hat sich für die Patient:innen durch die neue Regelung in der Schweiz jetzt geändert? Gibt es eine Erstattung durch die Krankenkasse?

„Cannabis ist ein teures Medikament, das sich nur Reiche leisten können“

Franziska Quadri: 2015 nahm die Bundesversammlung die Motion Kessler «Cannabis für Schwerkranke» an. Fast sieben Jahre später ist es soweit. Ärztliches Fachpersonal kann nun Cannabis auf Rezept verschreiben. Eine Bewilligung vom Staat ist nicht mehr nötig. Leider sind die Ärzt:innen weiterhin skeptisch und die Kosten werden selten von den Krankenkassen übernommen. Cannabis ist ein teures Medikament, das sich nur Reiche leisten können. Das ist der Status Quo.

krautinvest.de: Ist der Zugang für Patient:innen jetzt gesichert? Siehst Du noch weitere Dinge, die verbessert werden können?

Franziska Quadri: Das neue Gesetz bestätigt zwar den medizinischen Nutzen, das Interesse der Ärzt:innen ist aber beschränkt. Sie kennen sich mit der Heilpflanze nicht aus. Die meistgestellte Frage an unseren Verein ist: «Wo finde ich einen Arzt, der Cannabis verschreibt?» Die Betroffenen hoffen nun, dass die Änderung des Gesetzes etwas an deren Einstellung ändert. Ohne ärztliche Unterstützung bleibt der Zugang unmöglich.

Das BAG hatte angekündigt, dass die Verschreibung «unkompliziert» wird. Fakt ist: Oft muss die Patientin bzw. der Patient «austherapiert» sein, das heißt alle pharmazeutischen Medikamente getestet haben, bevor Cannabis überhaupt ausprobiert werden darf. Die wenigen Cannabisextrakte, die es dann in Schweizer Apotheken gibt, sind im Vergleich zum Ausland übermäßig teuer, eher schwach dosiert und für viele Betroffene unerschwinglich.

Auch ist nicht klar, ob – wie in Deutschland – Cannabisblüten verschrieben werden können. Genau diese Einnahmeform wird aber von vielen Cannabispatient:innen schon seit langer Zeit erfolgreich eingesetzt.

krautinvest.de: Welche kritischen Faktoren sind Deiner Meinung nach wichtig, um das Schweizer Medcan Programm erfolgreich starten zu lassen?

Franziska Quadri: Die «Cannabismedizin» steckt in der Schweiz noch in den Kinderschuhen. Wichtig ist den Betroffenen, dass verschiedene Cannabissorten mit unterschiedlichen Inhaltsstoffen und Wirkungsweisen auf den Markt kommen, die Preise bezahlbar und die Einnahmeformen nicht eingeschränkt werden.

krautinvest.de: Welche Rolle spielt für Euch der Austausch mit Patient:innen aus anderen Ländern?

Franziska Quadri:  Medcan hat während des politischen Prozesses in der Schweiz die Interessen der Cannabispatient:innen vertreten. Diese wichtige Arbeit wird sehr geschätzt. Doch wir sind auch international gut vernetzt, unter anderem durch persönliche Kontakte zu anderen Aktivist:innen und Patientenverbänden im Ausland, zum anderen sind wir auch Mietglied des IACM Patients Council , welcher sich vierwöchig trifft und austauscht. Es ist immens wichtig, die Arbeit,  die nationale Patientenverbände leisten, auf den großen internationalen Maßstab auszuweiten. Nur wenn wir unsere Kräfte bündeln, können wir international etwas in Bewegung bringen.

Das professionelle Auftreten der Patientenverbände kann vergessen lassen, dass die unermüdlichen Kämpfer:innen selber krank sind und ihre ganze Energie und Zeit in die Aktivistenarbeit stecken. Unsere Ressourcen sind leider beschränkt. Es wäre noch viel mehr Aufklärungsarbeit nötig. Das neue Betäubungsmittelgesetz ist jetzt der Anfang zur Veränderung und wird hoffentlich bald vielen Menschen den legalen Zugang zur medizinischen Anwendung ermöglichen.

Es ist aber auch der Zeitpunkt, um wachsam zu bleiben. Nun möchte man mit Cannabispatient:innen viel Geld verdienen. Umso wichtiger ist es, dass genau diese nicht vergessen und deren Einwände gehört werden. Diese Aufgabe wird Medcan auch in Zukunft übernehmen. Unsere Arbeit ist erst getan, wenn jede Patientin und jeder Patient, der Cannabis medizinisch einsetzen will, dieses in der richtigen Form bekommt und auch bezahlen kann.

 

Über Franziska Quadri: 

Franziska Quadri

Franziska Quadri ist Präsidentin des Schweizer Vereins Medcan. Medcan ist ein Verein von und für Menschen, die Cannabis medizinisch anwenden. Seit einem Gleitschirmunfall im Jahr 2009 ist Franziska vom Hals abwärts gelähmt und leidet unter chronischen Schmerzen und starker Spastik, die sie mit Cannabis behandelt.  Bei der CB Expo 2022 in Zürich wird sie zum Thema „The Medical Cannabis Reform in Switzerland: Challenges and Opportunities“ präsentieren.

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Bildquellen

  • Franziska Quadri: Franziska Quadri
  • 2022_CB-Expo_Interview_Franziska-Quadri_1200x627: CB Expo 2022

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