Copeia: Daten und Digitalisierung für einen Cannabis-Therapiezugang

by Lisa Haag

Copeia hat gemeinsam mit Patient:innenorganisationen, Mediziner:innen, Apotheken sowie Herstellern und Großhändlern von Medizinalcannabis eine Patient:innenbefragung initiiert. Ziel sei, ergänzend zur offiziellen Begleiterhebung des BfArM ergänzende Daten für den Therapieverlauf mit Cannabisblüten und Extrakten zu erheben, insbesondere Daten über den Verlauf der Therapie sowie zur Behandlung der Symptome. Solche Daten stellen ein weiteres Puzzlestück in der Strategie Copeias da. Das Team arbeitet daran, durch die Entwicklung von digitalen Gesundheitsanwendungen die Therapie mit cannabinoidhaltigen Arzneimitteln zu verbessern.

Im Mai 2019 gründeten Tobias Loder, Assaf Landschaft und Garvin Hirt das Unternehmen. Ein Team mit ganz unterschiedlichen Kompetenzen: Tobias Loder sammelte zuvor als Apotheker Erfahrung mit medizinischem Cannabis und der Beratung von Patientinnen, Assaf Landschaft entwickelte als Data Scientist Healthcare Applikationen und AI-basierte Big-Data Workflowlösungen und Garvin Hirt kümmert sich als Kommunikationsdesigner darum, dass digitale Anwendungen nutzerzentriert entwickelt werden.

Entstanden ist die Plattform Copeia. Patient:innen und Ärzt:innen erhalten dort Antworten auf Fragen bei der Therapie mit medizinischem Cannabis – etwa liefert Copeia Informationen zu den Wirkstoffen in ausgewählten Cannabisprodukten. Mitgründer Garvin Herth verweist dabei auf „Labor Analysezertifikate, Wirkstoffgehalte einzelner Cannabischargen sowie Angaben zum Cultivar und der Dominanz“. Nicht nur über die Website, auch „über einen QR-Code auf dem Medikament des Patienten“ könnten diese Informationen aufgerufen werden. Grundlage dafür sein eine Kooperation mit Apotheken und Produzenten. Zudem unterstütze Copeia automatisiert beim Ausfüllen des Antrages zur Kostenübernahme durch die Krankenkassen.

„Ein zentrales Problem für einen verantwortungsvollen medizinischen Umgang mit Cannabis ist das Fehlen evidenzbasierter hyper-personalisierter, also pro Indikation und pro Patient, klinische Protokolle und Leitlinien für die Verordnung. Bei Copeia entwickeln wir digitale Gesundheitsanwendungen, um die Entwicklung solcher Protokolle zu beschleunigen, und unmittelbare Probleme bei der Verordnung einer Therapie zu unterstützen“, erläutert Garvin Hirt.

krautinvest.de: Was ist das größte Problem, das ihr mit Copeia löst?

Garvin Hirt: Copeias Anwendung schließt eine Lücke im Gesundheitssystem und spart Patienten und medizinischem Personal wertvolle Zeit bei der Verordnung und Kostenerstattung von medizinischem Cannabis durch die Krankenkassen in Deutschland. Der Aufwand, der beim Ausfüllen von Formularen notwendig ist, um Cannabis therapeutisch einzusetzen, hat grundsätzliche Auswirkungen auf die Versorgung von Patienten mit einer notwendigen Cannabistherapie in Deutschland. Ca. 1/3 der Anträge werden abgelehnt, dies bedeutet wiederum weiteren zeitlichen Aufwand für den Arzt und große Frustration für den Patienten.

krautinvest.de: Wie erleichtert Copeia heutzutage Ärzt:innen und Patient:innen die cannabinoidbasierte Therapie?

Garvin Hirt: Mit dem interaktiven Fragebogen unterstützen wir bei der Verordnung einer Therapie, dem Ausfüllen als auch der Begründung des Antrages im Rahmen des Genehmigungsvorbehaltes der Krankenkassen zur Kostenerstattung der Cannabistherapie. Durch eine dynamische Vorauswahl unterstützen wir über 30 Indikationen, die bereits durch eine Cannabistherapie behandelt werden und präsentieren relevante Informationen, geben detaillierte Erläuterungen und Hilfestellungen für eine patientenindividuelle Therapie. Der Arzt erhält so kontextsensitiv unterstützende Informationen, eine Übersicht aller Cannabinoid-Arzneimittel, eine Dosierungshilfe zur Berechnung einer einzelnen Anwendungsdosis und der gesamten Verordnungsmenge entsprechend der Cannabinoidkonzentration einzelner Produkte.

Copeia’s interaktiver Fragebogen unterstützt die Cannabistherapie indikationsspezifisch und individuell. 

Dem Beschwerdebild folgend findet der Arzt eine Vorauswahl wissenschaftlicher Literatur. Über unser integriertes Recherchetool besteht zusätzlich die Funktion einer indikationsspezifischen Suche nach den aktuellsten wissenschaftlichen Publikationen.

krautinvest.de: Dies wird euch sicherlich nicht im Alleingang gelingen…

Durch ein stetig wachsendes Netzwerk von Kooperationspartnern erreichen wir Ärzte und Patienten, um diese bei der Cannabistherapie zu unterstützen. Hierbei kooperieren wir mit Patientengruppen, Apotheken, Produzenten und Verbänden. Im Juli haben wir unser Peer-Patienten-Programm zusammen mit der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin (ACM) und deren Patientenvereinigung, dem Selbsthilfenetzwerk Cannabis als Medizin (SCM) gestartet. Durch regelmäßige Webinare schulen wir Peer-Patienten in der Anwendung der Copeia Web-App, um andere Patienten bei der Antragsstellung einer Cannabistherapie aktiv zu unterstützen.

Einen weiteren starken Kooperationspartner an unserer Seite haben wir in Intermedix. Mit den Kommunikationslösungen von Intermedix kann Copeia ärztliches Personal während der Verordnung mit wertvollen Informationen unterstützen. Der Mediziner wird kontextsensitiv auf unsere Anwendung aufmerksam gemacht und kann so mit nur einem Klick direkt aus der jeweiligen Patientenakte in das Tool springen. Als Experte für Kommunikation im Bereich Arzt- und Apothekensoftware rückt intermedix unterstützende Informationen in den Fokus von mehr als 65.000 niedergelassenen deutschen Medizinern.

krautinvest.de: Welche Chancen und Potenziale seht ihr durch die Digitalisierung der Prozesse? Welche Rolle spielt dabei künstliche Intelligenz?

Garvin Hirt: Information, Wissen und Komplexität rund um die Cannabistherapie wächst fortlaufend in Volumen und Level of Detail. Hiermit stellen sich neue Herausforderungen, diese Informationen für alle Beteiligten aufzubereiten. Hierbei setzten wir in unserem Copeia Medical-Informatics System modernste KI Technologie und Big Data Natural Language Processing und ein, um zahlreiche Datenquellen in einem indikationsspezifischen Kontext zu analysieren. Dem Beschwerdebild und Behandlungszielen des Patienten entsprechend verbinden wir detaillierte Angaben der einzelnen Cannabismedikamente und der individuellen Wirkstoffkonzentrationen, werten Feedback und Erfahrungen von Patienten, Ärzten und Experten aus und analysieren wissenschaftliche Publikationen und Studien. Auch um kontinuierlich relevante Informationen für die Unterstützung der Behandlung zu liefern.

krautinvest.de: Welche Schritte seht ihr in naher Zukunft und langfristig gesehen?

Garvin Hirt: Wir sind erst am Anfang unserer Reise und planen für jedes Problem und jede Herausforderung, die sich Cannabis Patienten stellen, systematisch Lösungen zu entwickeln. Um gemeinsam mit unserem multidisziplinären Team und durch unser Copeia Medical-Informatics System Patienten-orientierte Software Lösungen anzubieten. Dabei vereinen wir Kompetenzen aus der internationalen Cannabinoidforschung mit Wissen aus der Praxis durch Kooperation mit Patienten und Ärzten, Apotheken und Produzenten. Der intensive Austausch mit Patientengruppen und einzelnen Patienten ist dabei von zentraler Bedeutung für uns.

krautinvest.de: Herzlichen Dank für das Interview.

Über Garvin Hirt:
Garvin Hirt ist Co-Founder und CEO der Copeia GmbH. Copeia ist eine Softwarefirma mit Sitz in Köln und Berlin, die AI-basierte Produkte und Workflow-Lösungen zur Unterstützung der medizinischen Cannabisversorgung entwickelt. Garvin blickt zurück auf zwanzig Jahre Erfahrung in der internationalen Markenkommunikation und Kreativindustrie mit dem Fokus auf die Entwicklung von Digital-Anwendungen im Gesundheitsmarkt, Tech & Innovation, Kultur, Geopolitische Beratung und Finanzindustrie.  

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