Ausblick Cannabis 2023: Vom G-BA-Beschluss bis zum gemeinsamen Markt

by Moritz Förster

Jenseits der Legalisierung von Cannabis als Genussmitteln in Deutschland – was bewegt die Cannabis-Industrie 2023? Was sind die Hoffnungen, Erwartungen und die Pläne der Unternehmen?

Wandel in Europa

Rechtsanwalt Kai-Friedrich Niermann hofft 2023 auf eine „europäische Initiative zur Schaffung eines gemeinsamen Marktes für Genusscannabis“. Zur Erinnerung: Das gemeinsame Statement von Deutschland, Malta und Luxemburg war bereits ein Schritt in diese Richtung. Philipp Ferrer von Hempcrew erwartet unterdessen eine Nuthanfreform

Bessere oder schlechtere Patientenversorgung?

Finn Age Hänsel, CEO der Sanity Group, hofft, dass die Erstattung der Blüten von den Krankenkassen möglich bleibt und auf eine „Erleichterung der Verschreibung von Medizinalcannabis an Patienten“. Hänsel: „Gerade im Hinblick auf eine mögliche Herauslösung von Cannabis aus dem BtmG ergeben sich hier Chancen, wie zum Beispiel das eRezept oder digitale Beratung“. Benedikt Sons, Co-Founder und CEO von Cansativa, erwartet, dass 2023 bis zu 15 Tonnen Cannabisblüten „durch Apotheken an Patienten abgegeben werden.“ Das wäre ein deutliches Plus im Vergleich zum Jahr 2022. Laut Deutschem Bundestag wurden von Januar bis September 2022 rund 8,4 Tonnen Cannabisblüten zu medizinischen Zwecken an Apotheken geliefert.

Neue Produkte

Niklas Kouparanis erwartet unterdessen, dass sich medizinische Cannabis-Produkte 2023 „stärker an den tatsächlichen Bedürfnissen der Patient:innen orientieren“. Auch glaubt der Co-Founder der Bloomwell Group, dass sich Patient:innen online zuverlässiger versorgen können. Abzuwarten bleiben unterdessen die Auswirkungen des G-BA-Beschlusses. Dieser wird wohl noch in den kommenden Wochen final vorliegen. Philpp Goebel, Managing Partner von Demecan, warnt vor diesem Hintergrund vor einer negativen Beeinflussung des Marktes durch eine -G-BA-Entscheidung: „Dies wäre ein großer Rückschritt für alle Cannabispatienten in Deutschland.“ Mut macht unterdessen Boris Moshkovits von Alephsana: „Entgegen den Befürchtungen, dass der Beschluss der G-BA die Verschreibungspraxis lahmlegt, ist es noch möglich, dass es eine Kehrwende gibt und der Genehmigungsvorbehalt bei Medizinalcannabis fällt, zumindest für alles jenseits der getrockneten Blüte.“ Sollte dies der Fall sein, hofft Moshkovits auf mehr Investitionen in Forschung und Entwicklung neuer Therapieformen. Bei Extrakten und Wirkstoffkombinationen könnten seines Erachtens viele spannende Projekte entstehen.

Besserer Zugang zu Kapital

Sons glaubt, dass „die vielfältigen starken Firmen unserer Industrie noch größeren Zugang zu weiterem Kapital erhalten werden“.

Die Pläne der Cannabis-Firmen

Die Sanity Group will neue Produkte launchen und sich mit einem klaren Konzept auf die Legalisierung vorbereiten. Die Bloomwell Group will mit ihren Tochterunternehmen Patient:innen den Zugang zur cannabinoidbasierten Therapie und die Rezepteinlösung weiter vereinfachen. Zudem wolle man der Cannabis-Kultur bereits ein zuhause geben. Cansativa will den aktuellen Absatz im mehrstelligen Tonnenbereich erneut steigern und den achtstelligen Umsatz ausbauen. Nachdem das Unternehmen 2022 investiert habe, so Sons, plane es, „2023 profitabel und Cash-flow positiv zu agieren.“ Demecans Goebel kündigt an, dass Demecan 2023 Extrakte aus den eigenen Blüten anbieten wolle und weitere Blüten auf den Markt kommen.

Alephsana ist unterdessen nach eigenen Angaben bereits profitabel und launcht die ersten exklusiven Blüten aus Portugal und Südafrika, unter anderem eine Mycrine-dominante Blüte. Meilensteine für das Unternehmen seien laut Moshkovits die eigene Patienten-Community-App im Frühjahr und erste strategische Partnerschaften hinsichtlich neuer Darreichungsformen. Das Unternehmen will 2023 die ersten Chewables in Deutschland an Apotheken vertreiben. Zudem soll die erste große externe Finanzierungsrunde stattfinden.

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