17-Millionen-Deal der Sanity Group – Auftakt in neue Cannabis-Epoche?

by Redaktion

Er ist und bleibt der Mr. Fundraising der deutschen Cannabis-Industrie: Finn Hänsel, Co-Founder und Geschäftsführer der Sanity Group, hat mit seinem Team eine weitere Finanzierungsrunde verkündet. Insgesamt investiert der Jupiter Fund der Organigram Holdings Inc., einem führenden lizenzierten Cannabisproduzenten mit Sitz in Toronto, bis zu 17 Millionen Euro. 14 Millionen Euro fließen demnach als Wandeldarlehen, weitere drei Millionen Euro seien als zweite Tranche des Wandeldarlehens abrufbar.

Als Gründe für das Wandeldarlehen statt einer klassischen Kapitalerhöhung nennt das Unternehmen, die Präferenz des Investors, zeitnah im europäischen Markt Fuß fassen zu wollen. Man habe dies schneller und flexibler auf der Bewertung der letzten Runde aufsetzen können.

Laut Sanity Group würden die beiden eigenen Marken des Unternehmens, Vayamed und Avaay, inzwischen rund zehn Prozent des gesamten deutschen Marktes ausmachen. Zudem verweist das Unternehmen auch auf die Partizipation im Schweizer Pilotprojekt “Grashaus Projects”. Dies könne auch für Deutschland als “Blaupause” dienen. Aktuell wird rege darüber spekuliert, ob die Bundesregierung die Pilotprojekte noch über eine Anpassung der Forschungsklausel, ohne ein neues eigenes Gesetz, in die Wege leitet. Das zusätzliche Kapital soll nun in die verbesserte Aufklärung und einen “vereinfachten Zugang zu einer medizinischen Cannabistherapie” fließen.

Als Beispiele nennt die Sanity Group Aufklärungskampagnen für Patient:innne, Ärztinnen und Ärzte oder Apotheken, wie die aktuell laufend Endlich-Initiative. Das Unternehmen wolle sich auch fortlaufend für eine höhere Erstattungsquote stark machen, Ärztinnen und Ärzte bei Fort- und Weiterbildung unterstützen, die Qualität der telemedizinischen Angebote verbessern und im Rahmen der PeP-Copeia-Initiative Daten erheben. Auf der PeP-Plattform werden Erfahrungen von Ärztinnen und Ärzten gebündelt, um die individuelle Therapie zu verbessern.

Parallel zum Investment werde Organigram auch die bereits verkündeten Liefervereinbarungen erweitern. Dazu müsse aber erst die Indoor-Produktionsanlage im kanadischen Moncton EU-GMP zertifiziert werden, was noch im laufenden Jahr geschehen soll. „Wir freuen uns sehr, diese Finanzierung mit unseren Partnern von Organigram abzuschließen, die sich konsequent als führend auf dem wettbewerbsorientierten und gleichzeitig stark regulierten kanadischen Cannabismarkt erwiesen haben“, erklärt Finn Hänsel in einer Mitteilung des Unternehmens. Zu den Investoren der Santiy Group zählen bereits: Redalpine, HV Capital, Cherry Ventures, Atlantic Foodlabs, Casa Verde Capital und Navy Capital, aber auch bekannten Persönlichkeiten wie Will.i.am (Black Eyed Peas), Scooter Braun, Moderator Klaas Heufer-Umlauf, Model Stefanie Giesinger, den Fußballprofis Mario Götze, André Schürrle und Dennis Aogo sowie der Schauspielerin Alyssa Milano. Finanziert wird der von Organigram gemanagte Jupiter Fund im übrigen von BATder Tabakkonzern hatte im September 2022 ebenfalls in die Sanity Group investiert.

„Wir glauben, dass Deutschland nach Kanada einer der vielversprechendsten Märkte unter einem föderal legalen Modell bleiben wird”, so Paolo De Luca, Chief Strategy Officer bei Organigram in der Unternehmensmitteilung. „Mit der Reklassifizierung von Cannabis für medizinische Zwecke und der jüngsten Teillegalisierung für den Freizeitgebrauch erwarten wir, dass Deutschland zukünftig ein vollständiges Cannabis-Framework für Erwachsene einführt.“ Beena Goldenberg, CEO von Organigram, hofft durch die Partnerschaft zudem auf eine verstärkte „europäische Umsatzgenerierung durch eine deutlich erweiterte kommerzielle Vereinbarung.”

Die Santiy Group erwartet, dass der deutsche Markt bis 2027 auf zwei Milliarden Euro anwächst. Dieses Wachstum zeige sich bislang zunächst in einem Anstieg der ärztlichen Verschreibungen für medizinisches Cannabis um 30 bis 50 Prozent seit der Streichung von Cannabis aus dem Betäubungsmittelgestetz.

Insgesamt flossen bereits vor dem Deal mit Organigram über 100 Millionen Euro in die Sanity Group, kein anderes deutsches Cannabis-Unternehmen erhielt so viele offiziell kommunizierte VC-Gelder. Zugleich deuten Branchen-Teilnehmer die Rude als erstes positives Signal. Nach einer Zeit der Dürre an den Kapitalmärkten könnte die Runde den Auftakt für neue Investitionen in europäische und deutsche Cannabis-Firmen darstellen.

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