Home EinblickCannaKolumne ​Cannabis-Verbotspolitik gescheitert? Von wegen.

​Cannabis-Verbotspolitik gescheitert? Von wegen.

by Gastautor

Ein Kommentar von Apothekerin Melanie Dolfen.

“Apotheker eignen sich weniger für eine kontrollierte Abgabe von Cannabis”, sagt Frau Dr. Müller-Vahl in einem aktuellen Interview in der Pharmazeutischen Zeitung (Link zum Artikel). Zu viele würden sich dem Thema Cannabis zu medizinischen Zwecken nicht widmen. 

Gerne möchte ich ihr widersprechen, kann ich aber nicht. Sie hat Recht. Ihre Aussage trifft ins Schwarze. 

Natürlich möchte ich die Fahnen für uns Apotheker hoch halten und unseren Berufszweig für eine kontrollierte Abgabe uneingeschränkt empfehlen.

Das geht leider nicht. Von ca. 18.700 Apotheken setzen sich zur Zeit lediglich eine geringe dreistellige Zahl an Apotheken mit dem Thema Medizinal-Cannabis auseinander.

Für mich persönlich schwer nachvollziehbar. Eine Frage, die ich mir in diesem Zusammenhang oft stelle, ist: 
“Kommen Sie Ihrem Versorgungsauftrag nach, wenn Sie eine alternativen Schmerztherapie konsequent ignorieren?”

Womit wir beim Thema der gescheiterten Verbotspolitik sind. 

Es heißt, sie ist offiziell gescheitert. Aber inoffiziell wirkt sie stärker denn je. Oder weshalb sonst, trauen sich tausende von Kollegen nicht an das Thema Cannabis ran?

Ist es das Stigma, was ihm anhaftet?
Die Kriminalisierung?
Oder ist es schlichtweg das Fehlen in der Leitlinie?

Wenn Politiker zu offiziellen Anlässen einen über den Durst trinken, ist dass sozial akzeptabel. Konsumiert aber nun ein Schmerzpatient als Alternative zu Tilidin oder Morphin etwas Medizinal-Cannabis, bekommt er den Stempel “Drogensüchtiger”. 

Ein Bürger, der Schmerzlinderung sucht, wird zu einer Persona non grata. Nicht auf der Straße, sondern in der Apotheke.

Das ist nichts, womit wir uns Apotheker für eine kontrollierte Abgabe qualifizieren.

Über Melanie Dolfen

Seit 2010 ist Melanie Dolfen Inhaberin der BEZIRKSapotheke in Berlin. Mit ihrer Hauptapotheke am Alexanderplatz widmet sie sich schwerpunktmäßig Medizinal-Cannabis. Schon 2013 hat die Bezirksapotheke mit einer speziellen Ausnahmegenehmigung die ersten Patient:innen unter großen bürokratischen und organisatorischen Schwierigkeiten versorgt. Seitdem die Therapie mit Medizinal-Cannabis 2017 anerkannt wurde und von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden kann, gehört die kompetente und umfassende Versorgung mit dieser alternativen Heilmethode für Melanie Dolfen und ihrem Team als fester Bestandteil zum Alltag. Sie ist Mitglied des Verbands der Cannabis versorgenden Apotheken (VCA e.V.) und eine der wenigen Schwerpunkt-Apothekerinnen in Deutschland. Die BEZIRKSapotheke versteht sich dabei nicht nur als Bezugspunkt für medizinisches Cannabis, sondern auch als “Gesundheits-Berater” für verschiedene Patienten:innen.

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