Umfrage: Cannabisindustrie präferiert EU GMP für Genussmittelmarkt

by Moritz Förster

Auf einer Linkedin-Umfrage von krautinvest.de befürworten 43 Prozent der 93 Teilnehmenden strenge EU GMP Qualitätskriterien für den Genussmittelmarkt. Elf Prozent halten GMP für ausreichend, 24 Prozent nur GACP und 23 Prozent vertreten die Auffassung, dass die Produkte geprüft werden sollten, statt Produktions- und Verarbeitungsstätten zu zertifizieren.

Entlang der Umfrage entfachte eine Diskussion, ob der Sinnhaftigkeit der strengen pharmazeutischen Qualitätsstandards für den Genussmittelmarkt. So plädiert der Rechtsanwalt Lito Michael Schulte für „eine Überprüfung auf mikrobielle Kontaminanten, Mykotoxine, Schwermetalle, Pflanzenschutzmitteln und Lösungsmittelrückstände“. Seine Erklärung für das Umfrageergebnis: Aufgrund ihrer Historie seien größere Player Leser von krautinvest.de und diese würden „aufgrund ihrer aktuellen Positionierung – mit medizinischen Standards – auf möglichst hohe Eintrittshürden für Konkurrenten hoffen“.

Unterstützung erhält Schulte auch vom Lebensmittelchemiker und Toxilogen Dirk Lachenmeier, der „Standards wie für andere Genussmittel wie Alkohol oder Tabak“ ins Spiel bringt und dem „Pharmastandards unnötig aufwendig und teuer“ erscheinen. Schulte befürchtet im Falle von EU GMP zudem einen dadurch resultierenden Mangel an Wettbewerb, der nicht im Sinne des Verbrauchers sein könne.

Bereits im medizinischen Markt hatte es nach dem Start im März 2017 lange gedauert, bevor die erforderlichen EU GMP Auditierungen vieler Produktionsstätten abgeschlossen waren. Produzenten müssen daher über ausreichende finanzielle Ressourcen verfügen, um einerseits ihre Stätten entsprechend der Anforderungen errichten und andererseits auch die Wartezeit überbrücken zu können. Die nur GMP zertifizierten kanadischen Produzenten durften seinerzeit nicht exportieren. Andererseits hat sich die Ausgangslage geändert: Es gibt es inzwischen weltweit EU GMP zertifizierte Produktionsstätten, darunter auch drei in Deutschland von Demecan, Tilray (Aphria) und Aurora. Demecans Gründer haben bereits mehrfach betont, die Produktion kurzfristig hochfahren zu können. Mit hoher Wahrscheinlichkeit würden die strengen EU GMP Standards allerdings für vergleichsweise höhere Produktionskosten sorgen. 

Unklar ist zudem, ob und wie Deutschland Importe zulassen wird. Sollte Deutschland Importe zulassen und nur auf eine Prüfung der Produkte, statt auf eine Zertifizierung der Anbaustätte setzen, dürfte die Nachfrage selbst bei einem Bedarf von 700 Tonnen jährlich von Tag eins an gedeckt werden. Fraglich bleibt dann nur, ob auch langfristig die Produktqualität legaler Cannabisblüten sichergestellt werden kann.

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1 comment

Robert September 4, 2022 - 11:36 pm

Derzeitige medizinische Cannabisindustrie präferiert aus offensichtlichen Gründen EU GMP für Genussmittelmarkt, um sich ohne Rücksicht auf eine erfolgreiche Marktentwicklung einen Wettbewerbsvorteil auf Kosten der Verbaucher zu verschaffen.

FTFY

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