Home Einblick Newcomer Tiny Technologies: höhere Bioverfügbarkeit für Cannabinoide

Newcomer Tiny Technologies: höhere Bioverfügbarkeit für Cannabinoide

by Moritz Förster

Ein Gramm CBD ist nicht gleich ein Gramm CBD. Schließlich muss der Körper den Wirkstoff aufnehmen und verarbeiten. Und genau das hängt nicht nur an der aufgenommen Menge. Tiny Technologies entwickelt Trägersysteme für die Inhaltsstoffe der Hanfpflanze, hat bereits ein Patent angemeldet und will in Kürze die eigene Produktionsanlage eröffnen. CEO Tobias Meller verspricht, dass seine Transportsysteme dem Körper helfen, Cannabinoide und andere aktive Inhaltsstoffe effektiver aufzunehmen. Im Interview mit krautinvest.de kündigt er an: “Wir werden mit unseren Technologien einen neuen wissenschaftlichen Standard für Cannabisprodukte setzen.” Tiny Technologies ist das erste Unternehmen unserer Newcomer-Rubrik.

krautinvest.de: Wie seid ihr auf die Idee gekommen, ein neues Cannabis-Unternehmen zu gründen?

Tobias Meller: Laut Studienlage werden nur etwa sechs bis 19 Prozent des oral aufgenommenen Cannabidiols dem systemischen Kreislauf des Menschen zur Verfügung gestellt. Ähnlich sieht es bei sekundären Cannabinoiden und weiteren pflanzlichen, aktiven Inhaltsstoffen aus, beispielsweise bei Terpenen oder Flavonoide. Hinzu kommt, dass die Aufnahme sehr langsam von statten geht, generell braucht es ein bis zwei Stunden, bevor die Zielsubstanzen im Blutplasma nachweisbar sind. Durch die persönliche Erfahrung und natürlich auch der vorliegenden Fachliteratur wegen waren wir vom Nutzen der Hanfpflanze und ihren Inhaltstoffen überzeugt. Uns waren deshalb aber auch die Probleme bestehender Produkte bekannt. Wir haben zu den Anfangszeiten unseres Unternehmens festgelegt, dass es einen besseren Weg geben muss, als nur immer höher-prozentige CBD-Öle anzubieten. Das klare Ziel war, Cannabisprodukte mit erhöhter Bioverfügbarkeit zu erzeugen. Weiter war uns wichtig, nicht den Fokus auf einzelne Inhaltsstoffe zu legen, sondern durch synergistische Kombinationen aktiver Substanzen bestimmte Effekte ganz gezielt zu verstärken, Stichwort Entourage-Effekt. Mit dieser Idee konnten wir die Universität Hamburg, explizit das Institut für Technische Chemie und die Pharmazie, von einer Kooperation überzeugen. Dort haben wir flüssige, rein natürliche Transportsysteme entwickelt, die dem Körper helfen, Cannabinoide und andere aktive Inhaltsstoffe effektiver aufzunehmen.

krautinvest.de: Wann habt ihr gegründet und was habt ihr seitdem erreicht?

Tobias Meller: Gegründet haben wir offiziell am Ende des Jahres 2020, die Forschungskooperation mit der Universität begann allerdings schon vor drei Jahren und dauert auch weiter an. Wir haben diverse Trägersysteme entwickelt und auf die Bedürfnisse der aktiven Inhaltsstoffe der Hanfpflanze optimiert. Wir können hoch-bioverfügbare Produkte für diverse Applikationen anbieten, oral, sublingual, dermal und trans-dermal. All dies getreu unseres Anspruches rein natürliche Inhaltsstoffe zu verwenden. Mitte dieses Jahres erfolgte die erste Patentanmeldung, im September beginnt die erste von uns betreute Doktorarbeit. Durch intensive Forschungs- und Entwicklungsarbeit können wir spezifische Produkte auf Cannabinoidbasis für Schlaf, gute Laune, Sport und Brain Performance anbieten. Derzeit errichten wir eine Produktionsanlage, um ab Oktober 2021unsere Technologien im Tonnenmaßstab herzustellen.

krautinvest.de: Was könnt ihr besser als alle anderen Wettbewerber?

Tobias Meller: Vor allem anderen sind wir ein forschendes Unternehmen. Wir folgen einer strikt wissenschaftlichen Basis bei der Entwicklung unserer Produkte und gehen die “extra-Meile”, wenn es um die Leistungsfähigkeit unserer Systeme geht. Bei dem Thema Bioverfügbarkeit geht es nicht nur um das Trägersystem. Einige Liposomale-Systeme sind auf dem Cannabis-Markt ja bereits bekannt, aber es mangelt derzeit noch an einem holistischen Ansatz. Wir haben bei der Entwicklung unserer Trägersysteme jeden einzelnen Inhaltsstoff betrachtet und die Zusammensetzung und Prozessierung in mehrjähriger Arbeit optimiert. Bei der Auswahl unserer Wirkstoffe arbeiten wir anhand der aktuellen wissenschaftlichen Literatur, um die sinnvollsten Kombinationen für spezifische Effekte zu finden. Besonders wichtig ist uns, fundierte Nachweise für unsere Claims vorlegen zu können. Hier kommt uns unsere Nähe zu akademischen Instituten zu Gute. Bei der Entwicklung ist ein wichtiger Faktor auch immer der Geschmack. Wir legen Wert darauf, dass unsere Produkte schon beim ersten Kontakt mit der Zunge ein gutes Gefühl auslösen.

krautinvest.de: Wie habt ihr eure Gründung finanziert? Durch eigene Mittel oder durch Investoren?

Tobias Meller: Anfangs durch Angel-Investoren aus dem Startup-Umfeld. Zum Aufbau unserer Produktionsanlage haben wir eine Kapitalerhöhung mit einem Industriepartner durchgeführt.

krautinvest.de: Was ist euer großes Ziel im nächsten halben Jahr?

Tobias Meller: Den Aufbau unserer Produktionsanlage abzuschließen und zu beginnen, im großen Maßstab unsere Produkte zu vertreiben.

krautinvest.de: Was sind Deine unternehmerischen Ziele in Sachen Cannabis in den nächsten drei Jahren?

Tobias Meller: Wir werden mit unseren Technologien einen neuen wissenschaftlichen Standard für Cannabisprodukte setzen. Zeitgleich werden wir Aufklärung über Themen wie Bioverfügbarkeit und synergistische Wirkstoffkombinationen betreiben. Unseren B2B-Partnern wie Brands, Extrakteure, Lohnhersteller und viele weitere ermöglichen wir durch Individualformulierungen, neue verbesserte Produkte auf den Markt zu bringen.

krautinvest.de: Mit wem müsst ihr unbedingt Kontakt aufnehmen in den nächsten Wochen?

Tobias Meller: Auf der einen Seite mit aufstrebenden und führenden Brands und Lohnherstellern in den Bereichen Cannabis-Nahrungsergänzungsmittel und -Kosmetik. Auf der anderen Seite mit potenziellen Lizenznehmern im Pharma Bereich und im Recreational Cannabis Bereich, etwas in den USA und Kanada.

Welches Buch legst Du allen Cannabis-Unternehmern als Pflichtlektüre ans Herz?

Über Tobias Meller

Dr. Tobias Meller ist CEO derTiny Technologies GmbH. Er sammelte Erfahrung in der Industries als Entwicklungsingenieur bei der BASF in Ludwigshafen. 2019 promovierte der Chemiker in technischer Chemie an der Universität Hamburg.

Bildquellen

  • ICBC 2021 Day 2 – 1430 – Technology – Tobias Meller klein: ICBC

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