Jobs in der europäischen Cannabis-Industrie

by Gastautor

Der Cannabis-Sektor ist ein stetig wachsender Markt, dies gilt nicht zuletzt auch für den Arbeitsmarkt. Hierzulande unterscheidet sich die Industrie von der in den USA oder Kanada. Seit der Gesetzesreform 2017 zieht sie gerade auch hoch qualifiziertes Personal aus anderen Branchen an. Angesichts der Legalisierung drängt sich die Frage auf: Welche Arbeitsplätze entstehen noch im zukünftigen Cannabis-Markt? Immerhin geht der Ökonom Justus Haucap davon aus, dass durch einen legalen Genussmittel Markt 27.000 Arbeitsplätze in Deutschland dazu kommen. Trotz aller Unterschiede lohnt sich zur Beantwortung dieser Frage der Blick gen Übersee.

Nach einer aktuellen Studie gibt es in den USA (ca. 330 Mio. Einwohner) mindestens 420.000 Beschäftigte in der Cannabis-Industrie, trotz der fortbestehenden Illegalität auf Bundesebene. Da wegen des bundesstaatlichen Verbots der Pflanze Arbeitsplätze nicht auf Bundesebene erfasst werden, liegt die tatsächliche Zahl der Beschäftigten wohl sogar noch höher. Dennoch ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Industrie schneller wächst als jede andere Branche und ein explosives Wachstum verzeichnet – 33% alleine im letzten Jahr – trotz der besonderen Herausforderungen wegen Covid. 

In Kanada, einem Land mit insgesamt etwa 38 Millionen Einwohnern, in dem die Industrie auf bundesstaatlicher Ebene legalisiert wurde, gibt es bereits mehr als 90.000 Beschäftigte. 

In Deutschland (ca. 83 Millionen Einwohner:innen) ist die Cannabis-Industrie noch nicht so weit vorangeschritten, wie in den nordamerikanischen Märkten – das Potenzial zeichnet sich aber immer deutlicher ab. Eine Studie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf im Herbst des vergangenen Jahres kam zu dem Ergebnis, dass durch die Legalisierung mindestens 27.000 Stellen geschaffen werden können (und nicht zu vergessen in der Summe 4.7 Milliarden Euro Steuereinnahmen und Ersparnisse für den Staat). Diese Rechnung ist jedoch auch nach eigener Einschätzung des Autors eher konservativ und es sind auch nur bedingt indirekte Stellen mit einkalkuliert. 

Bereits heutzutage erhält man via LinkedIn oder Google Alert eine Fülle an verschiedenen Stellenangeboten in der Cannabis-Industrie, viele davon richten sich an hoch qualifizierte Fachpersonen, Tendenz steigend.  Die ausgeschriebenen Stellengesuche reichen von Ärzt:innen über Apotherker:innen hin zu Anwält:innen, Qualitätssicherungsspezialist:innen, Finanz-Gurus und natürlich Cannatech-Freaks. Im Folgenden werden einige Berufe vorgestellt, die es in der Industrie gibt. Sie sind über die gesamte Wertschöpfungskette der Pflanze verteilt. Man kann es sich vorstellen wie in einem Gastronomiebetrieb. Dort gibt es operative Mitarbeiter, mittleres Management, Fachexperten und administrative Mitarbeiter:innen. Daher können die Verdienstmöglichkeiten sehr unterschiedlich sein. Fachpersonal kann in der Industrie mehr verdienen, auch abhängig von der jeweiligen Stelle und des benötigten Wissens.

Kernbelegschaft für Cannabis

Es wird viele operative Jobs geben, die von der Industrie gebraucht werden. Das werden auch viele angelernte Mitarbeiter:innen im Niedriglohnsektor sein. Grundsätzlich gibt es hier besonders die Bereiche: Produktion, Herstellung, Distribution und Einzelhandel. Durch eine Spezialisierung in diesem Bereich und weil es nicht viele spezifisch qualifizierte Mitarbeiter:innen gibt, bieten sich hier jedoch auch gute Aufstiegschancen. Aktuell läuft in Deutschland die Diskussion über die Ausgestaltung gerade erst an. Die Industrie bereitet sich vor.  Welche Jobs sind möglich?

Mitarbeiter:in im Anbau

Die Stellenangebote im legalen Anbau von Cannabis sind in Europa zwar noch relativ begrenzt, aber es gibt sie. In Ländern wie Portugal, Niederlande, Dänemark, Schweiz, Tschechien oder Griechenland sind die Möglichkeiten zum legalen Anbau von Pflanzen mit hohem THC-Gehalt bereits weit fortgeschritten und viele fleißige Hände werden in den Grows benötigt. Es findet dort viel manuelle Arbeit statt. Auch bei deutschen Firmen wie Demecan oder nordamerikanischen Produzenten Aphria in Neu-Münster oder Aurora sind eine Bandbreite von Mitarbeitern in den Anbauanlagen beschäftigt. Gute Master-Grower verdienen in Kanada ein sechsstelliges Gehalt. Mitarbeiter:innen im Anbau verdienen in der Regel mindestens 15 CAD (knapp 11 Euro) die Stunde. Zudem steigt auch überall die Nachfrage nach Wissen zum Nutzhanfanbau, -Ernte und -Verarbeitung. 

Arbeiten beim Großhändler/Händler

Der Großhändler ist ein weiteres kritisches Teil des Puzzles, um zertifizierte und legale Cannabisprodukte auf den Mark zu bringen und zu handeln. Es gibt zwei Arten von Händlern im aktuellen Markt – am schwierigsten und teuersten zu erreichen ist der in Deutschland vorherrschende pharmazeutische und EU-GMP-konforme pharmazeutische Großhändler. In anderen Ländern sowie im Handel mit CBD müssen die Händler keine besondere Zertifizierung vorweisen. Da es sich bei legalem Cannabis meist um THC-haltige Produkte handelt, wird es sicherlich strenge Vorgaben an die Absicherung und Qualität geben. Besonders verantwortungsvolle Stellen, die ein gewisses Level an Qualifikation voraussetzen, werden grundsätzlich gut bezahlt. Der Bundesdurchschnitt für das Gehalt der Sachkundigen Person (Qualified Person; QP) in Deutschland beträgt beispielsweise €114.050; nach §15 AMG wird für die Position neben einer Approbation als Apotheker oder abgeschlossenem Hochschulstudium der Pharmazie, der Chemie, der Biologie, der Humanmedizin oder der Veterinärmedizin zusätzlich eine mindestens zweijährige praktische Tätigkeit in der Arzneimittelprüfung vorausgesetzt. Überdies braucht jeder Großhändler ein gutes Qualitätsmanagement und Mitarbeiter für administrative Aufgaben. 

Extrakteur:in

Extrakte werden eine immer größere Rolle für den europäischen Cannabis Markt spielen. Aktuell gibt es wenige operative Extraktionsanlagen – eine Branche, die in Zukunft sicher wachsen wird. Labormitarbeiter und -Koordinatoren mit dafür klassischen Ausbildungen wie Biotechniker, Chemiker, Pharmazeuten, Ingenieure, MTAs, PTAs, etc. werden hier vermutlich neue Möglichkeiten entdecken. Nicht zu vergessen sind aber auch quereinsteigende “Canna Tech-Freaks” und Hobby-Extraktionsexperten der “alten Schule”, die in der Szene Namen tragen wie “Master Hashishin” und sich bestens in der Kunst der verschiedenen Extraktionsverfahren (Rosin, RSO, etc.), Winterisation, Cannabinoid-Isolation, der Weiterverarbeitung und Manufaktur für außergewöhnliche Genuss-Produkte auskennen.

Cannabis-Fachgeschäfte

Es gibt verschiedene Stellen, um als Teil der Kernbelegschaft im Einzelhandel / im Fachgeschäft tätig zu werden. Dazu gehören dann umgewandelte CBD-Spezialgeschäfte und traditionelle “Head Shops”, sofern es die örtlichen Vorgaben erlauben werden. In Ländern wie Spanien oder den Niederlanden gibt es sogenannte „Budtender“ oder “legale Cannabis-Verkaufsberater:innen”. In solchen Ländern ist man entweder in einem Café angestellt und übernimmt entsprechende zusätzliche Service-Aufgaben, oder man arbeitet in einem Club, wo die einzige Aufgabe darin besteht, Cannabis zu verkaufen. Es handelt sich hier aber nicht immer nur um niedrig bezahlte Jobs auf Einstiegsniveau. Um ein Fachgeschäft bzw. Franchise zu betreiben, benötigt man auch Store Manager, Sicherheitspersonal, administrative Mitarbeiter,  Lageristen, Logistiker, Buchhaltung, uvm. Es ist zu erwarten, dass je nach vorausgesetzter Sachkenntnis (z.B. durch spezielle Schulungen) die Mitarbeiter in deutschen Fachgeschäften bessere Verdienstmöglichkeiten haben werden. Wie die gesetzlichen Rahmenbedingungen für Fachgeschäfte in Deutschland strukturiert sein werden, steht bisher noch in den Sternen – daher müssen wir aktuell abwarten, wie das Angebot an geschultem Personal  und die Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt dann aussehen werden.

Jobs in der Fertigung und Produktion

Nach der Ernte gibt es noch viel zu tun: Denken wir an die Weiterverarbeitung der Pflanzen zu Buds, Edibles/Consumables, der Verpackung, und vielem mehr.  Diese Jobs sind bisher in Deutschland selten; unter den Begriff fallen z.B.  „Trimmer“, allgemeine Produktionsmitarbeiter, Labortester und sonstige, die in der Verarbeitung von Cannabis involviert sind.  In den USA beispielsweise sind das tendenziell Jobs im Niedriglohnsektor oder Stellen, die entsprechend der jeweiligen Branche vergütet werden, an der sich die neue Cannabis Branche orientiert (z.B. Lebensmittelproduktion). Die Bezahlung ist sehr unterschiedlich, kann aber vom Mindestlohn bis zu einem mittleren Gehalt reichen. Im industriellen Maßstab werden viele Arbeitsschritte maschinell oder teil-maschinell erledigt; allerdings gilt auch bei Cannabis, dass besondere Liebhaber-Produkte, -Rezepte und außergewöhnliche Qualität aus kleinen Betrieben und regionalen Manufakturen kommen werden.

Marketing Spezialisten & Creators

Dies ist einer der interessantesten Bereiche der Branche. Das Marketing für einzelne Produkte steckt noch in den Kinderschuhen und kreist neben dem gut bezahlten Pharma-Marketing, welches vor allem Naturwissenschaftlern, Pharmazeuten und Medizinern mit Zusatzqualifikation Stellen bietet, im Moment hauptsächlich um CBD, sonstige Produkte aus Nutzhanf, bzw. Equipment und Paraphernalien. Dies wird sich mit der Legalisierung des Genussmittelmarktes natürlich schlagartig ändern. Zwar ist bereits angekündigt worden, dass – ähnlich wie bei Tabak – die Möglichkeiten für reine Werbemaßnahmen per Gesetz stark eingeschränkt sein werden. Unberührt davon bleibt aber vermutlich Wissensvermittlung bzw. Aufklärungsarbeit, was indirekt aber auch für die Vermarktung nutzbar gemacht werden kann. Digitales Marketing ist ein weiteres Schlagwort der Branche. Kanäle wie soziale Medien und – darauf aufbauend – neue Technologien wie Metaverse (Augmented Reality) werden für Marketingstrategien eine immer größere Rolle spielen. Die Geschäftsbedingungen der jeweilig genutzten Plattformen limitieren, was legal möglich bzw. kommunizierbar ist. Trotzdem entstehen hie und da quasi rechtsfreie Räume: Instagram ist schon als florierender Drogenumschlagplatz berüchtigt und könnte in Zukunft zur größten legalen Handelsplattform avancieren. 

Die Verdienstmöglichkeiten können sehr unterschiedlich sein, von einer Vergütung pro Wort von Materialien in Textform oder als Display-Ads, bis hin zu Tausenden von Euro für eine hochkarätige Marketingkampagne. Gesponsorte Medien sind in der Branche recht verbreitet, so dass die Grenze zwischen Journalismus und PR Maßnahmen in der Praxis oft verwischt. In Europa gibt es (noch) nicht so viele auf Cannabis spezialisierte Zeitschriften wie in den USA, aber der Sektor wächst. Auch Podcasts werden immer beliebter. 

Anwälte

Es gibt inzwischen eine Vielzahl von Anwält:innen in der Branche, die in den verschiedensten Schwerpunkten tätig sind – von Finanzierungs-Abschlüssen bis hin zur Unterstützung der Unternehmen bei der Bewältigung aller Regularien, die das Leben für nahezu jeden in der Branche sowohl interessant als auch kompliziert machen. Streitfälle oder Beratungsbedarf gibt es hier z.B. zu Markenrecht, IT-Recht, Arzneimittelrecht, Strafrecht oder zum Thema Jugend- und Datenschutz, um nur einige zu nennen.  Kanzleien wie SKW Schwarz , Dentons oder KFN+ haben sich mit ihrer auf die Cannabis-Industrie fokussierten Arbeit in der Szene gut etabliert. Weniger verbreitet sind leider Anwält:innen, die bereit sind, Patient:innen in Präzedenzfällen zu vertreten – und doch gibt es auch sie. Die Vergütung entspricht den normalen anwaltlichen Honoraren.

Ärzt:innen

Ärzt:innen, die offen dafür sind, Cannabis zu verschreiben, sind schwer zu finden – aber es gibt sie. Es handelt sich dabei nicht um „Cannabis-Jobs“ per se, aber sie sind eindeutig ein Teil der Branche, da die Patient:innen von ihnen abhängig sind: Nicht nur wegen den Verschreibungen, sondern auch für eine gewisse rechtliche Absicherung – zumindest in der aktuellen Situation. Die deutsche Industrie sucht händeringend nach ihnen. Dazu gehören Allgemeinmediziner ebenso wie Schmerzspezialisten, Onkologen und Neurologen. Zunehmend findet man sie auch in spezialisierten Fachkliniken, die allerdings meistens aus eigener Tasche bezahlt werden müssen. Fraglich ist, wie es nach der Legalisierung um medizinisches Cannabis bzw. um die verordnenden Ärzt:innen in Deutschland stehen wird. Auf der einen Seite könnte die Legalisierung dabei helfen, gesellschaftliche Vorbehalte abzubauen, so dass sich mehr Ärzte der neuen Therapieoption öffnen. Auf der anderen Seite könnte es dazu kommen, dass Patient:innen seltener die ärztliche Beratung suchen, sondern zur Selbstmedikation übergehen. Neben den fraglos verbundenen Risiken für die Wirksamkeit und Sicherheit der Therapie bringt der Verzicht auf den offiziellen Patientenstatus zusätzliche Nachteile, wie z.B. in der Führerscheinfrage (unter Medikamenteneinfluss darf man ein Fahrzeug führen, sofern die Fahrtüchtigkeit nicht beeinträchtigt ist) oder auf Reisen. Sehr wahrscheinlich wird es in Zukunft mehr klinische Forschung zu medizinischem Cannabis geben, unter anderem, um das Schadenspotenzial zu untersuchen oder um Fertigarzneimittel zu entwickeln – dies öffnet weitere mögliche Berufswege für Ärzte. 

Apotheker:innen

Apotheker:innen stehen in der Cannabis-Diskussion in ganz Europa an vorderster Front, auch wenn es sich dabei nicht um spezielle „Cannabis-Berufe“ handelt. In Deutschland und der Schweiz geben Apotheken medizinische Cannabisprodukte ab; hier verwischt gelegentlich die Grenze zwischen medizinischem und Freizeitkonsum. Apotheker:innen sind aktuell sehr gefragt, aber ihre Rolle für den legalisierten Markt ist noch unklar. Die Abgrenzung zwischen einem Fachgeschäft für das Genussmittel Cannabis und einer Apotheke für das Heilmittel Cannabis sorgt bereits jetzt für hitzige Diskussionen. In jedem Fall ist zu bedenken, dass das Apothekenpersonal in den letzten Jahren sich sehr viel Sachverstand und Kompetenz rund um Cannabis erarbeiten konnte und in logischer Folge dieser Wissensschatz auf den legalen Markt transferiert werden könnte.

Spezialist:innen für Qualitätskontrolle und Warenmanagement

Die geltenden Anforderungen an Qualität, die bisher für die Medizin- und CBD-Industrie gelten, erfordern qualifizierte Fachleute, die alle Anlagen und Prozesse abbilden und steuern können. Hierzu gehören die Grundsätze der “Guten Praxis” und allgemeine Qualitätsrichtlinien wie DIN:EN ISO 9001:ff, an die sich die Unternehmen halten müssen. Jeder Betrieb hat dann ein Qualitätsmanagement-System mit Prozessvorgaben, Stellenbeschreibungen und vielen mehr. Da es sich bei Cannabis meist um ein Betäubungsmittel handelt, sind diese Vorgaben besonders streng. Bei pharmazeutischen Unternehmen gibt es daher auch immer eine:n Betäubungsmittel-Verantwortliche:n. 

Export und Import sind das Herzstück der Branche in ganz Europa. Eine stabile Versorgung mit zertifizierten Cannabisprodukten aufzubauen, ist (noch) immer nicht einfach und erfordert Mitarbeiter:innen, die über weitreichende Netzwerke und Hintergrundwissen zu den Feinheiten des Exports und Imports, speziell von Arzneimitteln, verfügen. Inzwischen geht es nicht mehr nur um die Einfuhr von Cannabisprodukten innerhalb der EU, sondern auch um Importe in die EU aus Ländern und Regionen weltweit – einschließlich Süd- und Mittelamerika, Afrika, Australien und Israel.

Solche Fachleute sind sehr gefragt, insbesondere in Deutschland und der medizinischen Branche. Sie werden zunehmend aus der konventionellen Pharmaindustrie rekrutiert. Diese Stellen werden angemessen bezahlt; Gehälter über 50.000 Euro im Jahr sind die Regel.

Meinungsbildung & Lobbyarbeit

Der Bedarf an Cannabis-Wissensvermittler:innen ist groß – und zwar auf allen Ebenen. Es besteht unter anderem ein großer Bedarf an Weiterbildungen für alle Akteure. Darüber hinaus ist die Branche für die meisten Personen Neuland. Aufklärungsarbeit kann in Form von Print- und digitalen Kampagnen bis hin zu Kursen und Konferenzen geleistet werden. Sie kann sich auch auf Lobbyarbeit erstrecken, obwohl dies ein etwas anderes Tätigkeitsfeld ist. Politische Reformen zu Cannabis sind derzeit in mehreren Ländern im Gange. Der Wandel vollzieht sich jedoch nicht von selbst. Es gibt Lobbyist:innen, die in fast allen europäischen Hauptstädten und in Brüssel aktiv sind, um die Diskussion voranzutreiben. Ebenso gibt es inzwischen diverse Verbände z.B. die EIHA oder den BvCW, bei denen man sich bewerben kann. Oft werden diese Berufe auch als „Government Relations“ bezeichnet. Die Verdienstmöglichkeiten sind sehr unterschiedlich und hängen auch von der Größe der Organisation ab, für die man tätig ist.

Finanzdienstleister

Dies ist ein weites Feld, was viele Berufe umfasst – von Fondsmanager:innen und Berater:innen bis hin zu Buchhalter:innen und Steuerberater:innen. In Europa, insbesondere in Deutschland, ist die Branche klarer strukturiert als in den USA, da die Reformen hier auf Bundesebene durchgeführt werden. Der Finanz- und Buchhaltungsbereich der Industrie fängt jedoch gerade erst an, sich zu etablieren. Und es gibt viele Cannabis Unternehmen, die sich jetzt um eine Finanzierung bemühen – von der Seed-Runde bis hin zu Investitionsrunden über mehrere Millionen Euro. Die Bezahlung ist gut, aber es kann auch eine riskante Tätigkeit sein, bei der Geschäfte regelmäßig scheitern.

Nebenjobs

Nicht allen gelingt es, ihre Karriere so aufzubauen, dass sie sich ausschließlich auf Cannabis fokussieren können – das ist etwas, das sich in Zukunft sicherlich ändern wird.

Management

Stellen auf Führungsebene sind begrenzt, aber es gibt sie. Einige Quereinsteiger haben sich klassisch über Jahre hinweg Fachwissen angeeignet und sich so in eine Führungsposition im Unternehmen hochgearbeitet, andere gründen ihre eigenen kleinen und mittelständischen Unternehmen. Am Häufigsten finden sich im gehobenen Management von großen Cannabis-Firmen aber Personen mit einem Studienabschluss in BWL oder Jura. Man muss nicht hinzufügen, dass diese Stellen meist lukrativ vergütet sind – allerdings muss man auch ein hohes Maß an Willenskraft, Stressresistenz und Risikobereitschaft mitbringen.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Cannabis-Industrie eine Fülle von Arbeitsplätzen schafft. Mit der fortschreitenden Legalisierung der Branche werden diese Berufe standardisierter werden, aber im Allgemeinen gilt, dass sie umso besser bezahlt werden, je höher die Ausbildung und die relevanten formalen Qualifikationen sind. 

Frauen und ethnische Minderheiten sind global in den Führungsebenen der Branche noch unterrepräsentiert; etwa 70% sind kaukasischer Abstammung und männlich, nur etwa 7% dunkelhäutig. Stehen die Mittel zur Finanzierung einer Geschäftsidee und Karrierechancen also wirklich jedem gleichermaßen zur Verfügung? Dieser Artikel möchte Leserinnen und Leser abschließend daran erinnern, im Rahmen ihrer Möglichkeiten gezielt für mehr Diversität in der Cannabis-Branche zu sorgen.

Über die Autorin:

Marguerite Arnold ist eine erfahrene Cananbis-Journalistin, Autorin, Beraterin und Unternehmerin.

Tipp der Redaktion: In unseren CannaJobs haben wir relevante Karriere-Seiten deutscher Cannabis-Unternehmen aufgelistet.

Bildquellen

  • Marguerite Arnold: Marguerite Arnold
  • brooke-cagle–uHVRvDr7pg-unsplash: Unsplash

ähnliche Artikel

Leave a Comment