Far-Red entzaubert: Was die Forschung wirklich über das am meisten überschätzte Spektrum im Cannabisanbau sagt

by Co-Editor

Von Franz Josef Sima, Cannabis Research & Plant Specialist bei Fluence

(Anzeige) Auf jeder Cannabis-Messe hört man an einem Dutzend Ständen dasselbe Versprechen: Füge Far-Red dazu, und der Ertrag steigt. Die Zahlen auf den Bannern klettern immer weiter, von 20 Prozent Mehrertrag auf 40 und zuletzt auf „bis zu 50 Prozent“, dazu eine eingesparte Woche pro Zyklus. Das ergibt eine gute Verkaufsstory, ist aber nicht, was die Forschung zeigt.

Bei Fluence vertreten wir seit Jahren die unpopulärere Position. Während der Markt den Growern erzählt hat, Far-Red sei geschenkter Mehrertrag, haben wir darauf hingewiesen, dass die meisten dieser Behauptungen nicht durch Daten gedeckt sind und dass der viel zitierte Emerson-Effekt Photonenbedingungen voraussetzt, die in einem kommerziellen Blüteraum praktisch nie vorkommen. Zusätzliches Far-Red ist in der Regel der teurere und unzuverlässigere Weg als schlicht mehr PAR-Licht. Wir haben diese Position nicht aus Widerspruchsgeist bezogen. Unsere Forschung hat einfach immer wieder in dieselbe Richtung gezeigt.

An dieser Position hat sich nichts geändert, sie ist nur deutlich präziser geworden. Dieselbe Arbeit, die uns gegenüber dem Hype skeptisch gemacht hat, zeigt uns heute auch, wo Far-Red tatsächlich seinen Platz hat. Und die Antwort ist wesentlich differenzierter als „mehr ist besser“.

Der Unterschied, den der Markt gerne überspringt

Unsere eigenen Versuche zeigen eine ziemlich klare Einteilung der Nutzung.

Wird Far-Red durchgehend über die gesamte Photoperiode ins Spektrum gemischt, so wie es die meisten Cannabis-Leuchten mit Far-Red-Anteil tun, sehen wir typischerweise überhaupt keine Veränderung, weder beim Blütenertrag noch in der Inhaltsstoffzusammensetzung. In Einzelfällen steigt die Blütenmasse, während die Cannabinoid- und Terpengehalte sinken. Genau das ist das Szenario, das Sorgen bereiten sollte: mehr bezahlen für ein Spektrum, das den Wert der Premiumblüte still und leise verringert.

Anders eingesetzt, als kurze, kontrollierte Gabe am Ende des Tages, bei der passenden Photoperiode und in einer Sorte, die darauf anspricht, kann sich das Ergebnis umkehren. Eine aktuelle Peer-Review-Studie an medizinischem Cannabis (Peterswald et al., Scientific Reports, 2025) hat gezeigt, dass zeitlich gesetztes Far-Red am Tagesende den Gesamtcannabinoidertrag in bestimmten Sorten deutlich erhöhen kann, allerdings mit einem sehr kleinen und wenig verlässlichen Fenster für ein positives Ergebnis. Dieselbe Studie hat gezeigt, dass scheinbar kleine Änderungen am Zeitpunkt der Far-Red-Gabe entweder gar keine oder eine nachteilige Wirkung auf das Cannabinoidprofil hatten. Und bei einer anderen Sorte war die wirksamste Behandlung eine völlig andere.

Diese beiden Befunde sind der Kern des Arguments, weil derselbe Spektralbereich gegensätzliche wirtschaftliche Ergebnisse produziert. Welches der beiden ein Grower am Ende bekommt, entscheidet nicht die Frage, ob Far-Red in der Leuchte steckt, sondern wie es eingesetzt wird: Dosis, Zeitpunkt, Photoperiode und die Genetik, auf die es trifft.

Quelle: Signify by Fluence

Die Fragen, die die Werbung offen lässt

Genau hier hört die Diskussion in der Branche meistens auf. Far-Red wird als Ausstattungsmerkmal verkauft, mit einer Ertragszahl daneben. Beides sagt einem Grower nicht, was das Ergebnis tatsächlich bestimmt: wie viel Far-Red, zu welchem Zeitpunkt des Tages, bei welcher Photoperiode und in welcher Sorte. Auf diese Bedingungen kommen unsere Versuche immer wieder zurück, und auf kaum einem Datenblatt stehen sie.

Diese große Lücke zwischen dem, was beworben wird, und dem, was im Blüteraum zählt, ist der Unterschied zwischen dem Verkauf einer Leuchte und dem Verständnis dafür, wie sie richtig eingesetzt wird.

Die Arbeit hinter dieser Haltung

Fluence ist nach wie vor eines der ganz wenigen Unternehmen im Gartenbaulicht, das Forschung auf Universitätsniveau speziell zu Cannabis finanziert und veröffentlicht, statt Marketingversuche zu pushen und sie als wissenschaftliche Forschung auszugeben. Das bedeutet, mehrere Sorten zu testen statt einer, die Bedingungen zu veröffentlichen, unter denen Far-Red versagt, und nicht nur jene, unter denen es überzeugt, Spektren als Photonenfluss anzugeben, Störgrößen zu kontrollieren und Ergebnisse auszuhalten, die eine bequeme Verkaufsgeschichte komplizierter machen.

Für uns ist das die einzige ehrliche Grundlage, um einen Grower zu beraten, der gerade erhebliches Kapital in Licht investiert. Und es heißt auch: Sollte sich irgendwann zeigen, dass sich Far-Red unter einem bestimmten Satz von Bedingungen rechnet, können Grower diese Aussage anders gewichten als eine auf einem Banner. Weil sie von denselben Leuten kommt, die ihnen jahrelang gesagt haben, dass sich das meiste Far-Red nicht rechnet.

Was das für Grower bedeutet

Das Fazit lautet weder „Far-Red kaufen“ noch „Far-Red meiden“. Far-Red verhält sich wie ein Präzisionswerkzeug, nicht wie ein beliebiges Add-on. Kontrolliert eingesetzt, also dosiert, zeitlich gesteuert und abgestimmt auf Photoperiode und auf Sorten, die nachweislich darauf ansprechen, kann es den Cannabinoidertrag verbessern. Unbedacht eingesetzt, kann es die Pflanzen strecken, die Potenz verdünnen und Grower genau die Qualität kosten, die den Aufpreis rechtfertigt.

Die Far-Red-Debatte im Cannabisanbau wird seit Jahren laut geführt. Es ist Zeit, dass sie präziser wird. Genau diese Arbeit werden wir fortsetzen.

Quelle: Signify by FluenceFranz Josef Sima ist Sales Application & Research und Plant Specialist bei Fluence by Signify und hilft Growern, Fluence Kunden in der gesamten EMEA Region ihre Lichtinstallation am Besten zu nützen. Maßgeschneiderte Lichtstrategien, Genetiken und Facility Design für schnelleren ROI in medizinischen Cannabis Facilities sind sein Schwerpunkt.

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