Erstattung von Cannabis-Blüten: Es geht gar nicht ums Geld

by Moritz Förster

Es ist noch kein Jahr her, da begründet das Gesundheitsministerium eine beabsichtigte Anpassung des MedCanG mit einer wachsenden Diskrepanz zwischen in der Anzahl rasch wachsenden selbstzahlenden und einer dazu vergleichsweise stabilen Zahl an GKV-Patient:innen. Nun schlägt ebenfalls das BMG auf Anraten der Finanzkommission vor, dass GKV-Patient:innen keine Blüten mehr verordnet bekommen. Diese sollen sie doch bitte schon selber zahlen. Man mag sich fragen: Ja was denn nun?!

Die Rechnung der Finanzkommission, dass Extrakte günstiger sein sollen, geht in dieser Form nicht auf, wenn man die THC-Menge zugrunde legt. Wenn es wirklich darum gegangen wäre, Geld einzusparen, dann hätte die Finanzkommission sich eher die völlig aus der Zeit gefallen Preisverordnung anschauen sollen. Bis zu 19 Euro erstatten die Kassen den Apotheken je Gramm. Da ist angesichts von Durchschnittspreisen von rund fünf Euro im Selbstzahler-Segment einiges einzusparen.„It’s not rocket science“, würde man im Englischen sagen – also keine Raketen-Wissenschaft, um als Expertengremium oder BMG auf diese nahe liegende Idee zu kommen. Ebenso nahe liegend wäre es im übrigen, die Kosten für Blüten vs. Extrakte anhand der tatsächlich von den GKV verordneten Mengen in Relation zu setzen. Auch das ist nicht passiert.

So geht die Rechnung der Finanzkommission, die das BMG wohlwollend übernommen und die das Kabinett verabschiedet hat, nur dann auf, wenn die GKV-Patienten fortan als Selbstzahlende Medizinalcannabis beziehen (wie sich dann nur die Diskrepanz von Selbstzahlenden und GKV-Versicherten entwickeln mag…). Schlüssig ist diese Argumentation lediglich in einer Sache: Hauptsache gegen Medizinalcannabisblüten. Sie passen nicht in die Vorstellung dessen, was Medizin in Deutschland sein soll. Auch die Finanzkommission bemängelt die „fehlende eindeutige Evidenz“. Wenn es im Kern aber gar nicht ums Geld geht, dann sollte man angesichts von etwa einer Millionen Patient:innen in Deutschland, die größtenteils Blüten präferieren, doch nicht gleich den Vorschlaghammer raus holen, sondern Lösungen suchen: In Zeiten von Künstlicher Intelligenz gilt es gemeinsam zu diskutieren, wie auch jenseits kostspieliger klinischen Studien Evidenz für ein nicht-patentierbares Naturprodukt gesellschaftsfähig akzeptiert werden kann. Damit nähern wir uns dem Kern der Sache.

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