Erstattung von Cannabisblüten: Die bestehenden Daten besser nutzen

by Moritz Förster

Dass die GKV bald keine medizinischen Cannabisblüten erstatten, rückt in den Bereich des Möglichen. Der Vorschlag der Finanzkommission hat es in das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz geschafft. Dabei ist ein Milligram THC in Blüten eher günstiger, nicht teurer als ein Milligram THC in Extrakten. Der Vorschlag zeigt auch, wie hanebüchen teilweise bestehende Daten zur Optimierung der Regulierung genutzt werden.

Wer in die Fußnoten des Berichts der Finanzkommission und der referenzierten Quelle schaut, erlebt eine kleine Überraschung. Dass Blüten teurer sind als Extrakte ist Quatsch. Im AOK-Bericht wird per Sternchen vermerkt, dass der in den Blüten enthaltene THC-Gehalt bei eben jener Kalkulation, die die Finanzkommission zur Beweisführung heranzieht, nicht berücksichtigt wird. Stattdessen werden pauschal monatliche, verschiedene Gramm-Mengen herangezogen. Bei Dronabinol und Extrakten fließen dagegen exakte Mengen THC je Tag in die AOK-Berechnung ein.

Nun mag man auf die Bioverfügbarkeit verweisen, dass diese bei Blüten anders ist als bei Extrakten (viele sagen allerdings besser, da inhaliert), man sollte aber vor allem etwas ganz anderes kritisieren: Wieso setzt die AOK eine Monatsmenge von 15 bis 100 Gramm je Patient an? Wer, wenn nicht die AOK, sollte wissen, wie viel Blüten ihre Patienten monatlich tatsächlich erhalten im Durchschnitt (und wie viel THC enthalten ist)?

Eigentlich bleiben nur zwei Lösungen: Entweder ist es Schludrigkeit oder aber ein gezielter Versuchung der Diskreditierung von Blüten. Auch dass die Finanzkommission ausgerechnet eine Quelle mit solch dilettantischer Berechnung heranzieht, wirft Fragen auf. Haben die Expert:innen tatsächlich einfach nicht genau hingeguckt? Oder wollten sie einfach eine Berechnung finden, die den politischen Zielen zuträglich war?

Wobei dann die Frage im Raum steht, wieso ein politisches Ziel lauten sollte, Blüten aus der Erstattung zu bekommen. Diese Berechnung geht eigentlich nur auf, wenn man hofft, dass Patient:innen dann alle als Selbstzahler weiter Blüten beziehen, bevor sie auf Kosten der Kassen auf Extrakte umsatteln müssen.

Ob solche Spekulationen einem funktionierenden und kosteneffektiven System dienlich sind? Besser wäre es allemal, die echten Daten zu nutzen, statt irgendwo Sternchen zu setzen.

Hinweis: Inspiriert durch eine Diskussion mit Alfredo Pascual.

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