#CannaBiz: Die News im August 2026 – #115

by Redaktion

Im August standen in der Öffentlichkeit die Konsequenzen des Beitragsstabilisierungsgesetz für Medizinalcananbis im Fokus sowie die Zulassung von Exilby. Erst einigten sich KBV und GKV-Spitzenverband darauf, dass Extrakte und Fertigarzneimittel im Falle der off-/no-Label-Verordnung gleichwertig zu behandeln seien, dann machte die KBV einen Rückzieher und räumt Fertigarzneimitteln auch in solchen Fällen Vorrang ein. Zudem kritisierte der Bundesdrogenbeauftragte das Cannabis-Gesetz. DIW-Präsident Marcel Fratzscher stellt auf Zeit-Online klar, dass er wiederum keinen Grund sehe, das Gesetz zurück zu nehmen. Auch mit Verweis auf Abwasserproben sieht er ganz andere Probleme in Deutschland.

GKV-Erstattung:

Am 30. Juli 2026 ist das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz in Kraft getreten. Damit werden medizinische Cannabisblüten nicht mehr von den GKV erstattet. Zum Zeitpunkt des Inkrafttretens gab es viele offene Fragen.

KBV und GKV-Spitzenverband hatten Anfang August zunächst gemeinsame Empfehlungen für Bestandspatienten beschlossen (Tagesspiegel Background, Pharmazeutische Zeitung). Keine zwei Wochen später revidierte die KBV diese Auffassung und plädierte seitdem für einen mindestens sechsmonatigen Vorrang von Fertigarzneimitteln auch im Falle der Off-Label-Verordnung (Deutsches Ärzteblatt oder auch Apotheke Adhoc: „Cannabis: Doch Vorrang für Fertigarzneimittel“). Für Rückenschmerzen sei laut DAZ (Stand 20.8.2026) bald das neue Cannabis-Arzneimittel Exilby verfügbar. Apotheke Adhoc berichtet über die Kosten für das neue Cannabis-Medikament. Clemens Fischer betont in einem Interview mit der Welt, dass Exilby für chronische Schmerzpatienten zugelassen sei, nicht für eine Akuttherapie.

Die Ärztezeitung diskutiert über Alternativen für Cannabis-Blüten. Mitte August erklärte der parlamentarische Staatssekretär Dr. Georg Kippels (CDU) , warum es keinen Bestandsschutz für Cannabis-Patienten gebe (Apotheke Adhoc). Laut Apotheke Adhoc fordert ein Apotheker eine Verfassungsbeschwerde. Gegenüber SWP berichtet ein Schmerzpatient über die Konsequenzen: „Die Änderung bedeutet für mich: zurück auf Start“. Auch die Rheinische Post berichtet über die Erfahrungen eines Cannabis-Patienten, Focus über einen Patienten, der Extrakte nimmt.

Ein Bündnis aus Herstellern, Apothekern und Organisationen lasse die Betroffenen im Rahmen einer Kampagne zu Wort kommen (Apotheke Adhoc: „Politik soll erfahren, was sie angerichtet hat“). Auch die Pharmazeutische Zeitung berichtet über die Initiative gegen die Streichung der Cannabiserstattung. Die Berufsgenossenschaft zahle aber weiterhin bei Cannabisblüten/Homöopathie, wenn ein Rezept der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung vorliege (Apotheke Adhoc).

Bei hochdosierten Cannabis-Extrakten prüfe die: GKV die Erstattung (Apotheke Adhoc), es herrsche Chaos (Apotheke Adhoc).

Basierend auf eigenen Recherchen fragt der Spiegel in Sachen Exilby: „Hat sich die CSU für diesen Parteispender aus der Cannabis-Branche starkgemacht?“. Auch arte berichtet kritisch über das Zustandekommen der Gesetzesanpassung. Zudem stellen die Grünen eine Anfrage zu Cannabis im Bundestag, vor allem zu den Hintergründen, die zum Vorrang für Fertigarzneimittel geführt haben (Apotheke Adhoc). Die DAZ hinterfragt ebenfalls kritisch, wie es zum Vorrang für Cannabis-Fertigarzneimittel gekommen sei und ist bereits gespannt auf die Antworten aus dem BMG zur Anfrage der Grünen-Fraktion.

Apotheken haben laut Apotheke Adhoc keine Prüfpflicht, ob die Ärzte bei der Verordnung die neuen Regeln eingehalten haben.

#CannaPolitik

Der Bundesdrogenbeauftragte Hendrik Streeck geht in einem ausführlichen Interview mit der Süddeutschen Zeitung auch auf das Cannabis-Gesetz ein. Das Ärzteblatt und die DAZ greifen dieses auf. Er fordere Korrekturen am Cannabisgesetz oder sogar dessen Rücknahme. In der Rheinischen Post erneuert Streeck seine Forderungen, ebenso in der Tagesschau. Auch ABDA-Präsident Thomas Preis kritisiert in der Rheinischen Post: „Das meiste Cannabis erreicht Bürger über Privatrezepte“. In der fordert er, dass Cannabisgesetz zurücknehmen.

Der Spiegel führt ein ausführliches Interview mit einem Drogenfahnder. Ihm zufolge sei unter anderm der Konsum ist salonfähig, der Handel sichtbarer geworden. Die Welt greift dieses Interview auf. Das Cannabisgesetz könne so nicht funktionieren.

Die Zeit interviewt den Projektkoordinator von Ekocan, Jakob Manthey. Dass legales Gras gut, illegales schlecht sei, stimme seines Erachtens so nicht. Er verweist auch darauf, dass zu viel Alkohol bedrohlicher sei als zu viel Cannabis. Zudem verweist er darauf, dass bis zu 100.000 Menschen pro Jahr einer Strafverfolgung entgingen.

In der Zeit wirft DIW-Präsident Marcel Fratzscher einen Blick auf die Fakten. Cannabis sei in Deutschland längst nicht das größte Drogenproblem. Er sieht keinen Grund dafür, das Gesetz wieder zurückzunehmen – unter anderem würden die Behörden entlastet.

#CannaMedizin

Laut Deutschem Ärzteblatt können die Inhalation von Cannabis Vorhof-Extrasystolen kurzfristig reduzieren.

Eine klinische Studie der Charité kommt zu dem Ergebnis, dass Cannabis traumatisierten Menschen gegen Albträume helfen könne (Pharmazeutische Zeitung, Spektrum, Welt, Tagesspiegel Background).

#CannaWirtschaft

Börse Global greift den Insolvenzantrag der Synbiotic-Töchter: Solidmind und Lean Labs auf. Apotheke Adhoc berichtet von Umsatzeinbruch und Unsicherheiten.

#CannaSonstiges

Die FAZ sorgt sich, dass bekifft gefahren werde. Laut WDR sei Cannabis im öffentlichen Raum zur Normalität geworden. Auf LTO wird diskutiert, ab wann Kon­su­menten die MPU drohe. Die Süddeutsche Zeitung diskutiert, ob Patienten, die Cannabis konsumieren, noch Auto fahren dürfen. Der Tagesspiegel berichtet über Japans strikte Drogenpolitik.

Laut Tagesschau seien auf der Hanfparade in Berlin deutlich weniger Teilnehmer gewesen als angemeldet. 200 Teilnehmer seien durch die Innenstadt gezogen (Berliner Morgenpost). Die Zeit berichtet von einer Forderung nach Legalisierung.

#CannaClubs:

Der Cannabis Social Club Royale Haze aus Bad Wimpfen wolle noch mehr Leute vom Schwarzmarkt holen (RNZ). In Rostock würden die Mitglieder laut Nordkurier nach der ersten Bio-Ernte im Cannabis-Club Piff Paff Schlange stehen. Nun solle soll sogar eine Solaranlage aufs Dach gesetzt werden. Auch in Potsdam habe erste Anbauvereinigung Gras an ihre Mitglieder ausgegeben (Tagesspiegel).

Laut KN Online könnte auch der Cannabis-Social-Club in Henstedt-Ulzburg endlich ernten. Laut Westfalenpost baue Mendens erster Cannabis Social Club an.

BNN berichtet über Misstrauen in einem legalen Club in Achern und Doppelmoral bei Cannabis.

Laut Welt gebe es 100 Cannabis-Anbauvereine in Niedersachsen – Spitzenreiter laut NDR.

Laut Hamburger Abendblatt gebe es nun zwei Cannabis-Clubs direkt nebeneinander. In Altona würden sie „aus dem Boden schießen“.

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