Eine Vorrangsregelung für zugelassene Cannabis-Fertigarzneimittel sorgt für eine intensive Debatte. Anfang August dann der kleine Rückzieher: Bei Indikationen, für die kein Fertigarzneimittel zugelassen ist, können weiterhin Extrakte verordnet werden – ohne vorherige Test-Phase mit einem zugelassenen Arzneimittel. Auch Bestandspatienten (Extrakte) können diese weiter erhalten. Zudem deuten Ergebnisse einer UKE-Studie auf mehr cannabisbedingte Krankenhauseinweisungen seit der Teillegalisierung hin. Die Ursachen dafür sind unklar. Die BIÖG-Daten weisen nicht darauf hin, dass die Teillegalisierung unter Jugendlichen oder jungen Erwachsenen einen Mehrkonsum herbeigeführt hat.
#CannaMedizin
Rund um die Erstattung von Cannabis-Arzneimitteln durch die GKV geht es von Juli bis Anfang August hin und her. Erst berichtet unter anderem Apotheke Adhoc über einen Vorrang von Cannabis-Fertigarzneimitteln vor Apothekenrezepturen. (6.7.2026). Dies löst einen Sturm der Entrüstung in spezialisierten Apotheken und Unternehmen im Bereich Medizinalcannabis aus. Apotheke Adhoc greift Statements von Melanie Dolfen, Inhaberin der Bezirks-Apotheke auf: „Cannabis-Apothekerin: Kein Umweg über Fertigarzneimittel!“. Die Pharmazeutische Zeitung titelt: „Vorrangregelung bei Cannabis als ‚Fremdkörper im Spargesetz’“ – zu Wort kommt neben Melanie Dolfen auch der Deutsche Hanfverband (DHV) und der Bundesverband pharmazeutischer Cannabinoidunternehmen (BPC). Die DAZ greift Kritik von Christiane Neubaur (VCA) auf und wirft mit der Rechtsanwältin Judith Heimbürger einen differenzierten Blick auf die Gesetzgebung. Mit Blick auf einen Report von Bloomwell hätten sich die Zahlen im Selbstzahler-Bereich zudem von den erstatteten Beträgen entkoppelt.
Die Pharmazeutische Zeitung diskutiert sogar den Vorwurf der politischen Einflussnahme bei der Cannabis-Regelung im BStabG von Parteispenden durch Vertanical-Gründer und Geschäftsführer Clemens Fischer im Vorfeld der letzten Bundestagswahl. RND fragt, ob es sich um ein „Lex Fischer“ handele. Dennoch tritt das Gesetz am 30. Juli in Kraft (Apotheke Adhoc: BStabG: Ab morgen kein Cannabis auf Kassenrezept / t-online: GKV-Reform: Diese Regel gilt ab sofort / Tagesspiegel Background Ins kurze Gras). Apotheke Adhoc spricht bereits zum Inkrafttreten des Gesetzes mit Verweis auf den VCA von „offenen Fragen“. Zudem verweist Apotheke Adhoc darauf, dass die Kassen nach Lösungen insbesondere für Bestandspatienten suchen würden. Der Tagesspiegel Background fürchtet angesichts fehlender Übergangsregelung eine Klagewelle. Angesichts dieser Ungereimtheiten kommentiert Apotheke Adhoc, dass Warken bei Cannabis Chaos hinterlasse. Schlussendlich einigen sich der GKV und der KBV Anfang August laut Pharmazeutischer Zeitung auf eine weniger strenge Auslegung des Gesetzestextes: Der Vorrang für Fertigarzneimittel soll nur im Falle der zugelassenen Indikation gelten. Bereits eingestellte Patienten kann ein Arzt ein Extrakt zu Lasten der GKV weiter verordnen.
#CannaWissen
Laut Pharmazeutischer Zeitung sind die Trends beim Cannabiskonsum unverändert. Die PZ beruft sich auf Umfrageergebnisse des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), veröffentlicht im »Journal of Health Monitoring«. Der Stern berichtet unterdessen „RKI: Cannabiskonsum bei jungen Männern steigt weiter an“. Das RKI hat sich in seiner Publikation ebenfalls auf die Zahlen des BIÖG berufen. Im O-Ton des RKI heißt es: Der Anstieg stelle keine neue Entwicklung dar, sondern setze einen Trend fort, der in dieser Gruppe seit 2008 zu beobachten sei. Apotheken Umschau schreibt entsprechend: Cannabis-Konsum bei Jugendlichen nach Teillegalisierung weitgehend stabil. Die DAZ berichtet über die BIÖG-Daten unter der Fragestellung: „Konsumieren junge Menschen mehr Cannabis, seit es legal ist?“ Laut DAZ ist in den Daten kein Anzeichen für „Mehrkonsum“ ersichtlich.
In einer Studie kommen Forscher des UKE laut Apotheken Umschau zum Ergebnis, dass die Cannabis-Legalisierung zu mehr Klinikeinweisungen führe. Auch der NDR berichtet von mehr „Krankenhausfällen“. Die Einweisungen seien laut Ärzteblatt moderat gestiegen. Auch der Tagesspiegel Background, NDR, Medscape, DocCheck oder die FAZ greifen die Studie auf. krautinvest hat sich differenziert mit den Ergebnissen auseinander gesetzt.
#CannaPolitik
In einem Interview mit der FAZ erklärt der hessische Innenminister Roman Poseck: „Die Legalisierung von Cannabis ist und bleibt ein Fehler“. Die FAZ kommentiert: Das Cannabis-Gesetz gehört abgeschafft
#CannaWirtschaft
Laut WiWo sei die Nachlassstundung für Cannerald verlängert worden. Enua-Geschäftsfürhrer Albert Schwarzmeier disktuiert mit WuV über Werbung und Marketing für Medizinalcannabis: „Wer nicht laut sein darf, muss substanziell sein“. Auf DUP diskutiert er die Entwicklung im Bereich Medizinischem Cannabis zwischen Therapie, Regulierung und Wachstum.
Chip berichtet über den Insolvenzantrag der Synbiotic-Tochterfirmen Solidmind und Lean Labs: „Teils erhebliche Umsatzrückgänge: Zwei Cannabis-Firmen melden Insolvenz an“.
Apotheke Adhoc berichtet mit Verweis auf eine Auswertung der Bloomwell Group, dass Cannabis-Apotheken oft weit entfernt seien. In einem Interview mit VRM diskutiert Mitgründer und Geschäftsführer Julian Wichmann unter anderem, welche Gefahren Cannabis berge sowie einen Missbrauchs-Vorwurf im Falle von Medizinalcannabis.
#CannaClubs
Die taz kritisiert das Werbeverbot für Clubs. Laut Ärzteblatt sei die Wirkung von medizinischem Cannabis bei psychiatrischen Erkrankungen wenig belegt. rnd berichtet über einen Braunschweiger Cannabis-Club, der die Prävention ernst nehme. Extra Plus berichtet, dass der Cannabis Social Club e.V. eine hochmoderne Produktionsanlage baue. Die Welt berichtet, dass Thüringer Anabauvereinigung insgesamt seit Inkrafttreten des Gesetzes 250 Kilogramm geerntet haben. Ein Göttinger Cannabis Social Club gibt erstmals selbst angebautes Marihuana aus (Göttinger Tageblatt). Laut mdr würden Cannabis-Clubs im Streit mit den Behörden, auch vor Gericht. Ein Gericht stufe Vorgaben für Cannabis-Anbau als rechtswidrig ein (ebenfalls MDR).
#CannaMedizin
DocCheck titel: „Weniger Opioide dank Cannabis? – Praxisdaten zeigen Potenzial“.
Streeck fordere Nachschärfung des Cannabis-Gesetzes und Verbot süßer Vape-Aromen (Pfalz Express). Marokkos Cannabis-Hoffnung: „Kann die Legalisierung des Schwarzmarktes gelingen?“, fragt ARD. Bild besucht den „Multi-Millionen-Euro-Bunker“ von Cansativa. Verkehrsrundschau berichtet: „Verkehrsunfälle mit Cannabis kommen in Statistik“. Laut ntv schnuppert Niedersachsens Ministerin Miriam Staudte von den Grünen an Cannabis-Sorten. Apotheke Adhoc berichtet, dass der Zoll 632 Kilo Medizinalcannabis vernichten lasse. BNN berichtet über das das Karlsruher Canna-Festival.

