„Wer an der Pflanze verdient, muss die Patienten verteidigen“: Aufruf zur Solidarität nach GKV-Kahlschlag

by Co-Editor

(Anzeige) Mit dem aktuellen GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz verlieren zehntausende Patientinnen und Patienten über Nacht ihren Anspruch auf die Erstattung von Medizinalcannabisblüten. Die Berliner Cannabis Hilfe e.V. verurteilt die Neuregelung als beispiellosen Skandal und nimmt nun die Cannabis-Wirtschaft in die Pflicht. Gemeinsam mit LEAP Deutschland e.V. wird auf der diesjährigen Hanfparade zum branchenübergreifenden Widerstand aufgerufen.

Das am 30. Juli 2026 in Kraft getretene Gesetz zur Stabilisierung der GKV-Beitragssätze markiert eine drastische Zäsur in der deutschen Medizinalcannabis-Versorgung. Für schätzungsweise 65.000 schwerstkranke Patientinnen und Patienten bricht ein zentraler Pfeiler ihrer Therapie weg: Cannabisblüten werden komplett aus der Kassenerstattung nach § 31 Abs. 6 SGB V gestrichen. Auch für Cannabisextrakte gibt es neue, kaum überwindbare Hürden – so wird künftig ein sechsmonatiger Therapieversuch mit zugelassenen Fertigarzneimitteln zwingend vorgeschrieben, bevor Extrakte von den Krankenkassen erstattet werden. Eine Übergangsregelung für bereits laufende und gut eingestellte Therapien fehlt völlig.

Für die Berliner Cannabis Hilfe e.V. ist dieses Vorgehen der Politik ein beispielloser politischer Skandal auf dem Rücken schwerstkranker Menschen. In einer Stellungnahme rügt der Verein den Beschluss als massiven Rollback in der evidenzbasierten Drogen- und Gesundheitspolitik, der tausende Menschen in der Versorgung im Regen stehen lässt.

Ein Weckruf an die Industrie: Solidarität ist keine Einbahnstraße

In einem eindringlichen Appell unter dem Titel „Wer an der Pflanze verdient, muss die Patienten verteidigen!“ richtet sich die Patientenorganisation nun direkt an die Cannabis-Wirtschaft. Die Kernbotschaft lautet: Während die junge Branche floriert, werden diejenigen, die den Markt erst ermöglicht haben, politisch im Stich gelassen.

Der Erfolg und die rasant wachsenden Umsätze der heutigen Cannabis-Branche – seien es Importeure, Großhändler, spezialisierte Apotheken oder Telemedizin-Plattformen – fußen maßgeblich auf den jahrzehntelangen Kämpfen mutiger Wegbereiter und chronisch Kranker. Diesen Akteuren reiche es nun nicht mehr, nur die Gewinne einzustreichen. Die Berliner Cannabis Hilfe fordert die Unternehmen auf, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen und den Widerstand gegen den Abbau von Patientenrechten aktiv und finanziell zu unterstützen. Ohne ein geschlossenes Engagement der Industrie blieben die Patientinnen und Patienten in diesem ungleichen Kampf auf sich allein gestellt.

Schulterschluss auf der Hanfparade: Patienten und Polizei vereint

Um dem drohenden gesundheitspolitischen Rückschritt etwas entgegenzusetzen, bündelt die Zivilgesellschaft nun ihre Kräfte. Als erste konkrete Aktion lädt die Berliner Cannabis Hilfe e.V. im Rahmen der diesjährigen Hanfparade am 8. August 2026 gemeinsam mit LEAP Deutschland e.V. (Law Enforcement Against Prohibition) zu einem offenen Vernetzungs- und Planungstreffen ein. Von 12:00 bis 22:00 Uhr sollen am Neptunbrunnen am Berliner Alexanderplatz Strategien gegen den politischen Rollback geschmiedet werden.

Die Botschaft des Treffens ist bemerkenswert: Gräben sollen überwunden werden. Wenn (ehemalige) Polizeibeamtinnen und -beamte und Patientinnen und Patienten gemeinsam im „selben Schützengraben“ für Rechtsstaatlichkeit und den Erhalt eines vernünftigen Cannabisgesetzes eintreten, entfaltet das eine starke Signalwirkung.

Die Cannabis-Branche ist nun eingeladen – und gefordert –, sich diesem Bündnis anzuschließen. „Solidarität endet nicht an Berufsgrenzen“, betont der Verein. Für Unternehmen der Medizinalcannabis-Branche ist jetzt der Moment gekommen, Flagge zu zeigen, kleine oder große finanzielle Beiträge zu leisten und die Errungenschaften der letzten Jahre gemeinsam mit ihren wichtigsten Stakeholdern – den Patientinnen und Patienten – zu verteidigen.

Disclaimer: krautinvest.de unterstützt den Aufruf in Form dieser kostenlosen Anzeigenschaltung.

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