Was bringen die Pilotprojekte in der Schweiz?

by Moritz Förster

Im Auftrag des Bundesamt für Gesundheit hat in der Schweiz die Universität Lausanne die sieben laufenden Pilotprojekte basierend auf Daten bis Juni 2025 ausgewertet. Zentrale Ergebnisse der 130-Seiten langen Studie.

Mindestens drei Viertel und teilweise mehr der Studienteilnehmenden sind männlich. Das Durchschnittsalter der Teilnehmenden liegt in den Pilotprojekten bei Mitte 30 bis Ende 30. Verschiedene Altersgruppen sind recht heterogen vertreten. Ein Großteil der Teilnehmenden hat einen akademischen Abschluss oder einen höher qualifizierenden beruflichen Abschluss.

In den Pilotprojekten hat sich das Konsumverhalten nicht signifikant verändert. Einige Tendenzen:

  • Erste Auswertungen zeigen bei mehreren Projekten (La Cannabinothèque, CANN-L) keine signifikante Veränderung der problematischen Konsumwerte (CUDIT-R) nach sechs Monaten. Das Konsumverhalten hat sich insgesamt nicht deutlich verändert.
  • Ein grösserer Anteil der Teilnehmenden des CANN-L-Projekts gab an, die konsumierten Mengen reduziert (44,6 %) statt erhöht (39,3 %) zu haben, was darauf hindeutet, dass der Zugang nicht zwangsläufig zu einem Anstieg des Gesamtkonsums führt.
  • Cannabisblüten mit hohem THC-Gehalt machen in der Regel den Grossteil der Verkäufe aus (z.B. in La Cannabinothèque 56,1 Prozent zwischen 15 und 20 Prozent).
  • Der Preis spielt eine Rolle, Cannabis legal zu beziehen, noch wichtiger sind aber auch abhängig vom Einkommen Faktoren wie Qualität, Sicherheit und Legalität

Gesundheitsschutz:

Sowohl die Abgabe in der Apotheke als auch in Fachgeschäften wird positiv bewertet. Es lässt sich im Projekt SCRIPT kein Trend erkennen, ob Konsumierende Cannabis-Shops oder Apotheken bevorzugen. Die geografische Nähe zum Wohn- oder Arbeitsort scheint der Hauptfaktor bei der Wahl der Verkaufsstelle zu sein.

Teilnehmende interessieren sich vermehrt für risikoärmere Konsumformen wie das Verdampfen oder die Reduktion/den Verzicht von Tabak (La Cannabinothèque, CANN-L, Grashaus). Bei Grashaus verdoppelte sich der Verkauf von Vape-Liquids, was möglicherweise auf fachliche Beratung zurückzuführen ist. In Zürich scheint ein geringer THC-Gehalt zu erschweren, dass Vapes häufiger gekauft werden.

Die Teilnehmenden geben an, einen Großteil des selbst konsumierten Cannabis in den Verkaufsstellen zu erwerben, deutlich weniger auf dem illegalen Markt. Dieser bleibt aber für viele eine zusätzliche Bezugsquelle. In „La Cannabinothèque“ stammt beispielsweise rund 85 Prozent des konsumierten Cannabis aus der Verkaufsstelle, aber die Teilnehmenden beziehen häufig zusätzlich Produkte vom illegalen Markt. Bei CANN-L sank der Anteil der Personen, die „fast immer“ auf dem illegalen Markt kauften, nach sechs Monaten von knapp 63 % auf nur noch 7 %. Bei Weedcare gaben 47 Prozent an weiterhin zumindest teilweise auf den illegalen Markt zurück zu greifen. Gründe dafür sind Preis, Produktpalette oder die Bindung zum traditionellen Lieferanten.

Produkte mit weniger als 10 % THC machen bei CANN-L über 20 % der Verkäufe aus, was auch ein Zeichen für das Interesse an weniger potenten Optionen ist.

Insgesamt zeigte sich bei Weedcare eine Reduktion des problematischen Konsums.

Mischkonsum nahm bei den Weedcare-Teilnehmenden ab (also der gleichzeitige Konsum von Cannabis und Alkohol oder illegalen Substanzen)

Positive Entwicklungen zeigten sich in Projekten wie Weedcare und Grashaus Projects: Bei den Teilnehmenden von Weedcare verringerten sich Angstsymptome sowie die depressiven Symptome. Auch bei Grashaus Projects nahmen diese Werte ab, obwohl der Gesamt-Konsum stabil blieb. Gründe dafür können laut der Autoren der verminderte Beschaffungsdruck, das Herauskommen aus der Illegalität und die höhere Produktesicherheit sein.

Die grosse Mehrheit der Studienteilnehmenden gab an, (fast) nie in Anwesenheit von Kindern zu konsumieren (Weedcare).

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