Synbiotic hat Ende Juli die Eröffnung von Insolvenzverfahren für die Solidmind Group und Lean Labs Pharma verkündet, zwei Tochterfirmen des Konzerns. In der Folge brach die Aktie rund 30 Prozent ein. Beide Unternehmen stehen exemplarisch für die anhaltenden regulatorischen Unsicherheiten im deutschen CBD- und Nutzhanfmarkt. Nun bezieht Synbiotic-CEO Daniel Kruse gegenüber krautinvest Stellung zum Insolvenzverfahren.
Lars Müller hat Solidmind 2015 gegründet, das CBD-Unternehmen Hempamed 2018. Beide Unternehmen zählten in Deutschland zu den absoluten Pionieren im CBD-Bereich. Doch der Hype um CBD verpuffte, als mehr und mehr klar wurde, dass CBD unter die Novel-Food-Regeln der EU fällt. Bis heute sind zahlreiche Novel-Food-Zulassungsverfahren nicht abgeschlossen. Und die EFSA empfiehlt aktuell deutlich strengeren Regeln für CBD als Nahrungsergänzungsmittel als anderswo. CBD-Kosmetika ließen sich zwar legal vermarkten, erfüllten die Kundenerwartungen aber nicht.
Nach der angekündigten Legalisierung von Cannabis als Genussmittel im Koalitionsvertrag der Ampelregierung und der vorgesehenen Abgabe in Fachgeschäfte im Dezember 2021 bereitete sich Synbiotic intensiv auf einen legalen Genussmittel-Markt in Deutschland vor. Letztendlich wurde das bereits ausgearbeitete Eckpunktepapier aufgrund von Einwänden der EU-Kommission hinsichtlich der Vereinbarkeit mit EU-Recht von der Ampel-Regierung widerrufen. Bis heute gibt es keine Fachgeschäfte, sondern Anbauvereinigungen und Eigenanbau im legalen Genussmittel-Bereich – für Synbiotic wenig attraktive Geschäftsfelder. Das CanG entkriminalisierte am 1. April 2024 den Eigenanbau und Konsum, legalisierte aber nicht den kommerziellen Verkauf. Ein mit der Enchilada-Group anvisiertes Franchise von Synbiotic erwies sich damit als hinfällig.
Lars Müller hatte Hempamed und Solidmind 2020 im Rahmen eines SPACs an die Börse gebracht, also eine bereits bestehende Hülle einer notierten Aktiengeselleschaft genutzt. Im Dezember 2021 übernahm Hempro International, unter der Führung von Daniel Kruse, das Firmenkonsortium. Mit Cannacare übernahm Synbiotic eine weitere CBD-Firma. Im Oktober 2022 zieht sich Müller von der Konzernspitze zurück. Kruse übernimmt die Federführung. Als damaliger Präsident der EIHA und Geschäftsführer von Hempro International hatte sich Daniel Kruse bis dahin vor allem im Bereich Nutzhanf einen Namen gemacht. Im Mai 2024 kam es dann zum vermeintlich großen Paukenschlag: Cem Özdemir, damals Landwirtschaftsminister, stellte auf dem parlamentarischen Abend des BvCW das Nutzhanfliberalisierungsgesetz vor, zumindest den Entwurf. Für Nutzhanf würde im Falle des Inkrafttretens endlich nicht mehr die Rauschklausel greifen. Doch die Ampel platzt, bevor das Gesetz verabschiedet ist. Ein weiterer regulatorischer Nackenschlag.
Mit dem nun eingeleiteten Insolvenzverfahren dürfte Synbiotic einen weiteren Schritt weg von seinen Ursprüngen im CBD- und Nutzhanfgeschäft hin zum medizinischen Cannabis vollziehen. Synbiotic CEO Daniel Kruse über die Hintergründe: „Ausschlaggebend war insbesondere die seit März 2026 deutlich zurückhaltendere Konsumnachfrage auch im Geschäft mit CBD- und Hanfprodukten. Dies führte zu teilweise erheblichen Umsatzrückgängen und in der Folge zu einer zunehmend angespannten Liquiditätslage der beiden Gesellschaften. Hinzu kommen die fortbestehenden politischen Unwägbarkeiten und rechtlichen Unsicherheiten in diesem Marktsegment, die eine verlässliche wirtschaftliche Planung sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene erheblich erschweren.“ Kruse betont insbesondere die wirtschaftliche Perspektive und das Fehlen einer belastbaren Finanzierungsgrundlage. Er verweist in diesem Zusammenhang auf finanzielle Verpflichtungen aus vergangenen Jahren.
Wie sich das eingeleitete Insolvenzverfahren bilanziell und wirtschaftlich auswirkt, werde derzeit ermittelt. Zum jetzigen Zeitpunkt sei eine abschließende quantitative Bewertung noch nicht möglich, so Kruse. Er kündigt an, „die finanziellen und operativen Ressourcen verstärkt auf diejenigen Aktivitäten zu konzentrieren, die über eine tragfähige wirtschaftliche Perspektive verfügen und zur zukünftigen Entwicklung des Konzerns beitragen können.“
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