Suchdaten als Markt-Radar 2026: Was Deutsche wirklich über Cannabis wissen wollen

by Gastautor

Ein Gastbeitrag von Max Rutgaizer

Suchanfragen sind keine Meinungsumfrage. Aber sie zeigen, wo Menschen aktiv nach Orientierung suchen – und zwar genau dann, wenn Fragen akut werden. Dieses Prinzip wird in der Forschung seit Jahren genutzt (Nowcasting: „die Gegenwart messen“), weil Suchdaten kurzfristige Bedürfnis- und Informationslücken sichtbar machen1. Im Cannabis-Kontext ist das besonders relevant: Regulierung, neue Zugangswege und Unsicherheit übersetzen sich häufig direkt in Google-Suchanfragen.

Ein Blick auf die Statistiken zeigt die Bedeutsamkeit von Google auf: Laut StatCounter Global Stats betrug der weltweite Marktanteil von Google im Januar 2026 etwa 89,8 Prozent, gefolgt von Bing mit rund 4,4 Prozent, Yandex mit etwa 1,9 Prozent, Yahoo! mit 1,4 Prozent und DuckDuckGo mit unter 1 Prozent Marktanteil2.

Für diesen Beitrag haben wir die 2.500 meist gesuchten deutschen Keywords rund um das Stichwort „cannabis“ ausgewertet (Stand: Juli 2025)3. Für die Auswertung haben wir das professionelle SEO-Tool Ahrefs genutzt, das in der Praxis branchenweit eingesetzt wird, weil es umfangreiche Keyword- und Wettbewerbsdaten bereitstellt.

Was in Deutschland am häufigsten gesucht wird

Die Suchnachfrage ist stark konzentriert: Die Top 10 Anfragen nach Suchvolumen bündeln rund 25,7 Prozent des gesamten Suchvolumens; die Top 100 kommen zusammen auf rund 54,2 Prozent3.

Top 10 Keywords nach Suchvolumen zum Stichwort „cannabis“

Suchdaten als Markt-Radar 2026: Was Deutsche wirklich über Cannabis wissen wollen

Legalisierung, Zugang (Kaufabsicht) und Eigenanbau (Samen, Keimung, Pflanze) stehen gleichzeitig im Spitzenfeld.

Ähnliche Einblicke bieten sich bei der Betrachtung der Verteilung des gesamten Suchvolumens. Rund 22 Prozent der nach Suchvolumen gewichteten Nachfrage drehen sich um Zugang: medizinische Versorgung (Rezept, Apotheke, Arzt), allgemeine Kauf- und Bestell-Intents sowie Cannabis-Clubs. Ein ähnlich großer Anteil – ebenfalls rund 22 Prozent – entfällt auf Anbau, Ernte, Trocknung und Troubleshooting (Schimmel, Mangel, Schädlinge). Etwa 10 Prozent der Suchanfragen enthalten direkte Compliance-Signale (Legalisierung, Gesetz, Führerschein, Grenzwerte, MPU, Polizei). Rund 5 Prozent der Suchanfragen enthalten einen klaren Lokalbezug (Stadt/Region oder „in der Nähe“). Eine wichtige Erkenntnis aus den Daten ist auch, dass sich unzählige Suchanfragen im Long Tail befinden; das heißt Nutzer:innen stellen viele sehr gezielte Suchanfragen zum Thema Cannabis. Von den 2.500 ausgewerteten Keywords haben 2.437 Keywords mindestens 100 Suchanfragen pro Monat; alle dahinter folgenden Keywords liegen somit nur noch im zweistelligen Anfragenbereich oder niedriger.

Deutsche Cannabis-Branche mit niedriger Keyword Difficulty

Keyword Difficulty (KD) ist eine Kennzahl von Ahrefs, die auf einer Skala von 0 bis 100 abschätzt, wie schwer es ist, mit einer Seite in die Top 10 der organischen Google-Ergebnisse (für ein bestimmtes Land) zu kommen4. Wichtig ist dabei: Ahrefs berechnet die KD ausschließlich basierend auf Backlinks. Konkret wird die Anzahl der verlinkenden Domains (referring domains) betrachtet, die auf die aktuellen Top-10-Seiten für das jeweilige Keyword zeigen (gewichteter Durchschnitt, Ausreißer werden reduziert; Skalierung 0–100)4. KD ist damit im Kern ein Proxy für die „Link-Popularität“/Backlink-Hürde in den Top-Ergebnissen.

In unserem Datensatz mit 2.500 Keywords zum Thema Cannabis ist die KD für 1312 Keywords verfügbar, für 1188 Keywords nicht (bei niedrigem Suchvolumen fehlt die KD häufig).

Suchdaten als Markt-Radar 2026: Was Deutsche wirklich über Cannabis wissen wollen

KD-Verteilung der meistgesuchten Keywords zum Stichwort „cannabis“

Die niedrigen KD-Werte deuten darauf hin, dass die aktuell rankenden Top-Seiten im Schnitt nur wenige verlinkende Domains haben – die Link-Hürde ist also tendenziell geringer. Für Unternehmen kann das schnellere „SEO-Wins“ bedeuten: Themen mit niedriger KD eignen sich oft, um mit gutem Content früher Sichtbarkeit aufzubauen. Das Hindernis ist hier nicht primär eine massive Linkwand, sondern eher saubere Intent-Treffer, Aktualität und ein konsistenter Themenaufbau – wer Inhalte systematisch entlang der Nachfrage strukturiert und parallel relevante Erwähnungen/Links aufbaut, kann vergleichsweise früh organische Sichtbarkeit erreichen. Gleichzeitig bleibt KD nur eine Backlink-Statistik; Ahrefs empfiehlt ausdrücklich, die Top Ten Suchergebnisse manuell zu prüfen, um ein besseres Gefühl für die Ranking-Schwierigkeit zu erhalten4.

Quellen

  1. Choi, Hyunyoung; Varian, Hal: Predicting the Present with Google Trends – https://static.googleusercontent.com/media/www.google.com/en//googleblogs/pdfs/google_predicting_the_present.pdf
  2. StatCounter Global Stats: Search Engine Market Share – https://gs.statcounter.com/search-engine-market-share
  3. Interner Datensatz mit 2500 meistgesuchten Keywords zum Stichwort „cannabis“ (DE, Stand: Juli 2025) – mit Präsentationserlaubnis des professionellen SEO-Tools Ahrefs – https://ahrefs.com/ 
  4. Ahrefs: Keyword and search traffic metrics – https://ahrefs.com/academy/how-to-use-ahrefs/ahrefs-seo-metrics/keyword-and-search-traffic

Über den Autor

Max Rutgaizer betreibt CannabisErklärt; eine unabhängige, quellenbasierte Informationsplattform über Cannabis. Ziel ist es, einen verständlichen, aber faktenbasierten Zugang zum Thema Cannabis zu ermöglichen.

Disclaimer: Gastbeiträge müssen nicht die Meinung der Redaktion widerspiegeln.

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