Niederländisches Cannabis-Experiment am Scheideweg

by Redaktion

Ende des letzten Jahres starteten drei niederländische Gemeinden ins Weed-Experiment. Erstmalig überhaupt in der EU wird seitdem komplett legal produziertes, verarbeitetes und distribuiertes Cannabis in den Coffee-Shops der Gemeinden an Erwachsene verkauft. Benzinga berichtete Mitte Juni als darüber, dass nun fünf weitere Städte hinzugekommen sind. Doch die guten Nachrichten sind trügerisch. Das Experiment befindet sich in einer heiklen Phase, wie Paul Depla, Bürgermeister von Breda, in London während der Cannabis Europa gesteht.

Sieben Jahre hatte es gedauert, bevor das Experiment endlich anlief. Und das auch nur, weil neben Breda zwei weiteren Gemeinden der Geduldsfaden gerissen war und die ursprüngliche Idee – das Experiment sollte in allen zehn Gemeinden gleichzeitig anlaufen – über den Haufen warfen. Anders als in den Schweizer Pilotprojekten dürfen in den teilnehmenden niederländischen Coffee Shops alle Erwachsene kontrolliert und reguliert produziertes Cannabis legal erwerben, teilweise ist ein Wohnsitz in den Niederlanden erforderlich. Die persönlichen Daten werden nicht gespeichert.

Dass das Experiment nun in acht Städten angelaufen ist, sollte daher eigentlich Grund zur Freude sein. Auch Depla betont die positiven Effekte: Coffee Shops sollten nicht vom Vertrieb durch die Hintertür abhängen, kontrollierte Produkte seien besser für die Gesundheit, für die Konsumenten und auch ein Mittel, die Kriminalität zurück zu drängen. Allerdings trübt Depla die Vorfreude. Als Befürworter der legalen Wertschöpfungskette verweist er darauf, dass die neue niederländische Regierung dem Experiment gegenüber skeptisch eingestellt sei. Dies wiederum schrecke Investoren ab. Ohne Investoren aber keine legale Produktion. Coffee-Shop-Betreiber der teilnehmenden Gemeinden fürchten daher bereits, dass zukünftig die Ware ausbleiben könne. Denn während ihnen in einer Übergangsphase gestattet ist, parallel legal und illegal produziertes Cannabis zu verkaufen, soll in einigen Wochen aber nur noch der Verkauf der legalen Produkte erlaubt sein.

Ein erfolgreiches Pilotprojekt in den Niederlanden wäre umso wichtiger, da es für weitere EU-Länder als Blaupause dienen könnte und zudem wichtige Erkenntnisse über Auswirkungen auf gesellschaftliche Fragen, beispielsweise bezüglich Kriminalität und Gesundheit, liefern kann.

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