Maximilian „Max“ Plenert, sitzt als Vertreter des Cannabis Selbsthilfe Netzwerk (CSN) in der morgigen Anhörung zu Medizinal-Cannabis. Die Stellungnahme des CSN ist bereits online einsehbar. Aus Patienten-Sicht kritisiert er die aktuellen Änderungen im Gesetzentwurf – fordert aber auch ein stärkeres Bewusstsein für Qualität in der Versorgung der Patient:innen.
krautinvest.de: Max, du wirst für das Cannabis Selbsthilfe Netzwerk an der anstehenden Anhörung teilnehmen. Was erwartest du dir?
Maximilian Plenert: Ich gehe nicht hinein, um ein bestehendes Narrativ zu bestätigen, sondern um Realität einzubringen. Das CSN vertritt Patienten, die sehr unterschiedlich sind – gesundheitlich, sozial, regional. Genau diese Unterschiedlichkeit wird im Gesetzentwurf zu wenig berücksichtigt. Mein Anspruch ist, deutlich zu machen: Ein funktionierendes Medizinsystem muss Vielfalt aushalten und organisieren können. Wenn man Zugänge vereinheitlicht, verliert man genau die Patienten, die aktuell versorgt werden.
krautinvest.de: Was ist aus deiner Sicht das Problem mit dem aktuellen Gesetzesentwurf?
Maximilian Plenert: Er denkt Kontrolle vor Versorgung. Statt zu fragen, wie Patienten stabil und qualitativ hochwertig versorgt werden, wird versucht, über Zugangsbeschränkungen Ordnung herzustellen. Das ist kurzsichtig. Telemedizin, Versandstrukturen und spezialisierte Anbieter sind entstanden, weil das bestehende System Lücken hatte. Wer diese Instrumente kappt, ohne Alternativen aufzubauen, erzeugt Versorgungsausfälle – keine Qualität.
krautinvest.de: Du hast betont, dass Patienten unterschiedliche Zugänge brauchen. Wieso?
Maximilian Plenert: Weil Patienten keine homogene Gruppe sind. Ein Teil ist mobil, ein anderer nicht. Manche brauchen engmaschige ärztliche Begleitung, andere vor allem Versorgungssicherheit. Einige sind auf ganz bestimmte Wirkprofile angewiesen. Ein System, das nur einen „richtigen“ Weg zulässt, funktioniert zwangsläufig nur für einen Teil. Das CSN sieht täglich, dass genau diese Vielfalt über Therapieerfolg entscheidet.
krautinvest.de: Ein besonderes Anliegen ist dir Qualität – das kann aber für alles mögliche stehen. Worum geht es dir?
Maximilian Plenert: Qualität bedeutet nicht maximale Auswahl, sondern verlässliche Versorgung. Viele Patienten leiden darunter, dass bewährte Sorten oder Produkte plötzlich verschwinden. Die Therapie wird dadurch instabil. Ich werde klar ansprechen: Wer im medizinischen Markt agiert, sollte zur Versorgungssicherheit verpflichtet werden. Dazu gehören stabile Verfügbarkeiten, transparente Wirkprofile und die Möglichkeit, mit Rezepturen zu arbeiten – statt ständig neue, kurzlebige Produkte einzuführen.
krautinvest.de: Was erwartest du von der Anhörung – realistisch betrachtet?
Maximilian Plenert: Ich erwarte keine schnellen Lösungen, aber ich erwarte, dass Patientenperspektiven nicht weiter abstrahiert werden. Wenn es gelingt, Telemedizin als Qualitätsinstrument zu begreifen, Vielfalt als Voraussetzung von Versorgung anzuerkennen und Verantwortung stärker bei den Systemakteuren zu verorten, wäre viel gewonnen.
Das CSN wird dort nicht für Partikularinteressen sprechen, sondern für ein System, das langfristig funktioniert – für Patienten und für die Versorgung insgesamt.

