Die Sanity Group wandert für insgesamt 250 Millionen Euro, ein Mix aus Cash und Aktien, unter das Dach des börsennotierten kanadischen Cannabis-Konzerns Organigram Global. Das ist nochmal deutlich mehr als die 27,2 Millionen Euro, die High Tide im August 2024 für 51 der Remexian-Anteile bezahlt hat. Damit nehmen die Kapitalmärkte für Cannabis in Deutschland wieder Fahrt auf. Und zwar trotz anhaltender regulatorischen Unsicherheiten. Diese sind inzwischen eingepreist. Neben den beiden Übernahmen setzte auch Enua zuletzt ein Zeichen mit einer 25 Millionen Euro Kreditlinie bei der Deutschen Bank.
Auch interessant: Berechnete High Tide für Remexian im Sommer des letzten Jahres den Kaufpreis anhand einer Unternehmensbewertung vom 3,6-Fache des hochgerechneten Ebitda, also des Jahresgewinn vor Steuern, so zahlte Organigram für Sanity laut Handelsblatt das „15-Fache des bereinigten operativen Gewinns (Ebitda)“. In dieser Größenordnung hat es bislang in Europa nur ganz wenige Deals für Cannabis-Unternehmen gegeben. 2021 lag die Bewertung von Emmac Life Science bei der Übernahme durch Curaleaf bei insgesamt 413 Millionen US-Dollar, wobei damals der Großteil des Kaufpreises in Aktien floss.
Nun war man eigentlich in der Branche nach eher härteren Jahren seit 2021 bereits 2024 davon ausgegangen, dass gerade in den deutschen Cannabis-Markt angesichts des raschen Wachstums seit erstem April 2024 wieder mehr Kapital fließen würde und es zu mehr Übernahmen kommt. Doch dann platzte die Ampel-Regierung Ende 2024, es kam Anfang 2025 zu Neuwahlen, man wartet auf den Koalitionsvertrag. Seit Sommer letzten Jahres verunsichert der Gesetzentwurf aus dem BMG zur Änderung des MedCanG mögliche Käufer und Investoren.
Dieser Gesetzentwurf ist Stand heute aber immer noch nicht verabschiedet. Die damit verbundene Unsicherheit keineswegs verschwunden. Wie der medizinische Markt in den kommenden Monaten und den nächsten Jahren reguliert ist, weiterhin unklar. Nur hat anscheinend ein Umdenken auf Käufer- und Investoren-Seite stattgefunden: Nach einer wahrscheinlichen Änderung des MedCanG in der ein oder anderen Form wird sowieso die nächste Debatte um Cannabis aufkommen. Wer in Europa in Cannabis investiert, der muss daher den permanenten Gegenwind in Kauf nehmen. Ansonsten wird die regulatorische Unsicherheit zur Dauer-Ausrede und während der legale europäische Cannabis-Markt wächst, verpasst man ein Momentum nach dem anderen.
Daher scheint die Überzeugung inzwischen zu überwiegen, dass die Cannabis relevanten Industriezweige heutzutage auch in Europa, respektive Deutschland, resilient genug sind, um politische vermeintlich ungünstige Regierungskonstellationen unbeschadet zu überstehen. Dass sich im Gegenteil die Transformation weg von illegalen Strukturen hin zu staatlich kontrollierten legalen Wertschöpfungsketten so oder so sogar weiter beschleunigt. Egal, wer gerade regiert. Und genau diese legale Wertschöpfungskette, die die nächsten Jahrzehnte prägen wird, steht in Europa noch recht am Anfang.
Disclaimer: Redaktioneller Inhalt. Keine Investmentempfehlung.

