VERTANICAL hat in Deutschland die Marktzulassung für Exilby zur Behandlung chronischer Kreuzschmerzen erhalten. Mit Sativex, Epidyolex und Canemes sind bereits drei cannabinoidbasierte Arzneimittel zugelassen. Was verrät die Zahl der bisherigen GKV-Verordnungen über das Potzenzial cannabinoidbasierter Arzneimittel?
Laut Gamsi-Bericht der Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) wurden die drei Arzneimittel Sativex, Epidyolex und Canemes 2025 in Deutschland 81.742 Mal verordnet, der Bruttoumsatz lag bei rund 44,1 Millionen Euro.
| In Deutschland Zugelassene Cannabinoid-Arzneimittel | Bruttoumsatz in Euro (2025) | Verordnungen (2025) |
| Canemes, Epidyolex, Sativex | 44.109.320 | 81.742 |
Im Gegensatz zu Cannabisblüten sind diese Arzneimittel für spezifische Indikationen zugelassen. Sativex für Multiple Sklerose (MS), Epidyloex für Epilepsie und Canames, das synthetisch hergestellt wird, für Chemotherapie bedingte Übelkeit und Erbrechen. Exilby hat eine Zulassung zur Behandlung chronischer Kreuzschmerzen erhalten.
Bei der Verbreitung dieser Beschwerden zeigen sich erhebliche Unterschiede in Deutschland. Rund 250.000 Menschen sollen in Folge einer Chemotherapie an Übelkeit oder Erbrechen leiden (ISPOR), 640.000 an Epilepsie (Deutsche Hirnstiftung) und 250.000 an MS (Charité). Vertanical betont in einer eigenen Pressemitteilung, dass zehn Millionen Menschen in Deutschland von chronischen Kreuzschmerzen betroffen sind.
Anzahl betroffener Menschen in Deutschland:

In Summe kommen damit rund 1,14 Millionen Betroffene für eine Behandlung mit Canemes, Epdiyolex oder Sativex in Deutschland in Frage. Auf eine Verordnung der drei zugelassenen Arzneimittel kamen 2025 damit knapp 14 Patienten, die theoretisch aufgrund ihrer Beschwerden eine Verordnung hätten erhalten können. Zugleich scheint dies ein Anzeichen dafür zu sein, dass viele Patient:innen de facto mit anderen zugelassenen Arzneimitteln behandelt werden. Dies entspricht anders gerechnet einem Bruttoumsatz von 38,69 Euro je Patienten, der zumindest potenziell aufgrund der Beschwerden mit einem der drei bereits zugelassenen und verfügbaren cannabinoidbasierten Fertigarzneimittel behandelt werden könnte. Legt man die zehn Millionen Menschen zugrunde, die laut Vertanical in Deutschland an chronischen Rückenschmerzen leiden, könnte Vertanical mit Exilby in Deutschland analog zu den bisherigen Durchschnittswerten anderer zugelassener Cannabinoid-Arzneimittel damit einen jährlichen Bruttoumsatz von 387 Millionen Euro erwirtschaften.
Aktuell befindet sich Vertanical noch in der Preisfindung für Exilby. Frühestens soll das Medikament ab September erhältlich sein. Und die tatsächlichen Verordnungszahlen hängen von vielen anderen Faktoren ab. Unter anderem: Effektivität und Nebenwirkungen anderer verschreibungspflichtiger Medikamente, die für die gleichen Beschwerden zugelassen sind; Akzeptanz in der Ärzteschaft; oder die Wirtschaftlichkeit in Relation zu anderen Alternativen.

