Die Anhörung im Gesundheitsausschuss dominierte im Januar die Schlagzeilen. Der Tenor im Anschluss: Der aktuelle Gesetzentwurf zur Änderung des MedCanG wird nochmal angepasst, bevor er in die finalen Lesungen in den Bundestag geht. Insbesondere lto publiziert eine ausführliche Analyse zum aktuellen Stimmungsbild in den Fraktion der Union und SPD. Die News im Januar.
#CannaGesetz
Platzen die Blütenträume? Cannabisfirma fürchtet Einschränkung ihres Geschäftsmodells. Dem Tagesspiegel steht Sascha Mielcarek (Canify) Rede und Antwort zur aktuell vorgesehenen Änderung des MedCanG – und warnt vor pauschalen Einschränkungen. Dies sei „anachronistisch“. Auch BPC und BvCW warnten bereits vor der Anhörung im Gesundheitsausschuss vor „pauschalen Verboten“ (Apotheke Adhoc). Anders sah es die ABDA, die sogar „Ausweichmanöver“ befürchtet Pharmazeutische Zeitung. Angesichts dieser Meinungsverschiedenheit titelt die Süddeutsche Zeitung mit Blick auf die Stellungnahmen, die vor der Anhörung eingegangen sind: „Wie neue Pläne für Medizin-Cannabis polarisieren“. Auch die SWP / MOZ analysiert den Tenor der Stellungnahmen.
Nach der Anhörung im Gesundheitsausschuss zeichnet sich ab, dass der vorliegende Gesetzentwurf so nicht durchgehen wird. Der Spiegel titelt mit Verweis auf die SPD-Abgeordnete Carmen Wegge: Die Ministerin stößt auf Widerstand. Auch der Deutschlandfunk, der Tagesspiegel und Die Zeit greifen die Vorbehalte der SPD gegen schärfere Regeln für medizinisches Cannabis auf. RND analysiert die Gründe dafür. Die Apotheken Umschau spricht sogar von einem „Streit um strengere Regeln für Rezeptvergabe“.
Unterdessen verweist Apotheke Adhoc auf die unterschiedlichen Auffassungen bei der Änderung des MedCanG von Abda im Vergleich zu den Cannabis-Apotheken. Die Pharmazeutische Zeitung berichtet im Anschluss an die Anhörung unter anderem über die Werbung als „Hauptproblem“. Die DAZ greift die Kritik auf, dass bei den aktuellen Änderungen Schwerkranke nicht in die örtliche Apotheke gelangen würden. Zudem berichtet sie über die Kritik der Bundesärztekammer an der missbräuchlichen Anwendungen von Cannabis (DAZ).
Canify wiederholt unterdessen nach der Anhörung seine Kritik am aktuellen Gesetzenetwurf in der Augsburger Allgemeine.
In einem lesenswerten Kommentar in der Süddeutsche Zeitung kritisiert Christina Berndt die aktuell geplanten Änderungen am MedCanG. Diese seien gesundheitspolitisch falsch: „Die CDU sollte mal aus ihrem Cannabis-Kampfmodus rauskommen.
lto fasst das aktuelle Stimmungsbild zur Änderung des MedCanG übersichtlich zusammen. Selbst die Union wolle Warkens Gesetz inzwischen „nachjustieren“. Auch der Hanfverband sieht die Union bei Cannabis uneins (Pharmazeutische Zeitung). Entsprechend titelt Apotheke Adhoc: „Union wackelt“ Demecan (MDR) kritisiert den Streit um schärfere Regeln. Die DAZ geht nach der Anhörung ebenfalls nicht davon aus, dass der aktuelle Gesetzentwurf in Kraft tritt und fragt sich, welche Rolle Apotheken zukünftig spielen.
Die Süddeutsche Zeitung fragt: „Endet die Legalisierung durch die Hintertür?“. Der Deutschlandfunk: „Therapie oder Konsum: künftig kein medizinisches Cannabis per Post mehr?“. Und der WDR: „Cannabis per Lieferdienst?!“
Derweil kritisiert Andreas Philippi hinsichtlich medizinischem Cannabis (NOZ): „Wir finanzieren auch Freizeitkonsum“
#CannaPolitik
Der MDR wertet ein Jahr Cannabis-Legalisierung aus: „Was funktioniert – und was nicht?“ In Schleswig Holstein regt sich grundsätzliche Kritik am CanG (Kieler Nachrichten).
Allerdings scheint diesen Forderungen die faktische Grundlage zu fehlen. Die Forscher des UKE sehen keine signifikanten negativen Auswirkungen der Teillegalisierung auf Konsum oder auch auf den Straßenverkehr (Morgenpost, NDR, Hamburger Abendblatt).
#CannaMedizin
Die Abda fordert Cannabisblüten und -extrakte gleich zu behandeln (DAZ). Unter anderem die DG-Sucht hat eine neue Leitlinie für cannabisbezogene Störungen entwickelt (Deutsches Ärzteblatt ). Eine groß angelegte Meta-Studie findet keinen überzeugenden Nutzen für Cannabis gegen neuropathische Schmerzen (Berliner Zeitung, Ärztezeitung, Scinexx, MDR). Laut einer randomisierten „double-blind“-Studie hilft Cannabis bei Migräneattacken (DAZ).
#CannaClubs
Social Clubs seien frustriert über das Werbeverbot (MDR). Eine Spezialeinheit prüfe Verstöße der Cannabis-Clubs (Apotheke Adhoc, ntv).
Trotz einer Lizenz schmeiße erster Cannabis-Anbauverein in Hamburg hin (Hamburger Abendblatt). Der Bad Nauheimer Cannabis Club Utopia habe 9,5 Kilo geerntet – trotz Pannen (Gießener Allgemeine). In Hamm starte der erste „Social Club“ die Cannabis-Ausgabe in der Stadt (WA). Der Cannabis Club Weser-Leine ziehe Bilanz nach dem ersten Jahr (Kreiszeitung). OTZ: In Jena bekomme ein Club eine Rechnung über 1500 Euro für die Anabaulizenz (OTZ). Akteure aus dem Kreis Unna eröffnen die Cannabis-Ausgabe Abgabe an Mitglieder (Hellweger Anzeiger).
Watson blickt auf die Cannabis Social Clubs nach derder Teillegalisierung.
#CannaWirtschaft
Going Public analysiert die Ambitionen von Cannabis-Unternehmen hinsichtlich eines IPOs und blickt auf bereits notiert Unternehmen.
Canify verdoppele den Umsatz – und brauche wegen Cannabis-Boom mehr Geld (Günzburger Zeitung). Anna-Sophia Kouparanis (Bloomwell) berichtet auf Deutsche Startups über ihr Comeback nach Elternzeit.
Medios greift in Medizinalcannabis an, indem es sich die exklusiven Bedrocan-Vertriebsrechte für Deutschland und andere Länder sichert (Going Public).
Demecan erweitere die Cannabis-Produktion in Deutschland (Die Zeit, Süddeutsche Zeitung). Enua erhalte eine 25-Miollionen-Euro-Kredit von der Deutschen Bank (FAZ).
Die AKNR erwirke eine einstweilige Verfügung gegen eine Plattform, die mit Cannabis per Lieferando werbe (Apotheke Adhoc, Pharmazeutische Zeitung).
#CannaSonstiges
Laut heise habe es bei Dr. Ansay eine Sicherheitslücke gegeben, die 1,7 Millionen Rezepte einsehbar gemacht habe (auch Golem). Eine Cannabisplattform dürfe aufgrund einer einstweiligen Verfügung nicht mit Sido werben (Pharmazeutische Zeitung). Die DAZ blickt zurück auf das Jahr der Cannabis-Plattformen.

