Albert Schwarzmeier blickt als Enua-Geschäftsführer nach dem 25-Millionen-Euro-Kredit von der Deutschen Bank auf das durch eine mögliche Anpassung des MedCanG angespannte Marktumfeld für medizinisches Cannabis, gewährt zugleich kaum Einblicke zu den konkreten Kreditbedingungen. Dafür betont er, dass die Entscheidung pro Fremdkapital und gegen eine VC-Runde nicht an den aktuellen Unternehmensbewertungen lag – sondern an der Unternehmens-DNA. Zudem geht er nach einer Anpassung des MedCanG von einer Konsolidierungswelle aus – und erläutert, worauf es in dieser Zeit seines Erachtens besonders ankommt.
krautinvest.de: Die Deutsche Bank leiht Enua 25 Millionen Euro. Wie groß waren die Vorbehalte gegenüber medizinischem Cannabis, als ihr erstmals Gespräche zu einem Kredit in zweistelliger Millionenhöhe gesucht habt?
Albert Schwarzmeier: Die Gespräche waren von Anfang an sachlich und zielorientiert. Wir haben im Rahmen eines strukturierten Prozesses mit mehreren Banken gesprochen und unterschiedliche Angebote geprüft. Die Fragen bezogen sich weniger auf medizinisches Cannabis als Produkt als auf Regulierung, Prozesse, Finanzen und Risikomanagement. Das Pharma-Team der Deutschen Bank hat tief analysiert. Am Ende hat uns das Setup überzeugt, weil es für unser Geschäftsmodell am flexibelsten, belastbarsten und langfristig passendsten war.
krautinvest.de: Welche Sicherheiten hat die Deutsche Bank verlangt?
Zu den konkreten Sicherheiten können wir leider keine Auskunft geben. Grundsätzlich handelt es sich aber um ein klassisches, bankenübliches Setup mit hohem Fokus auf Transparenz, Reporting und belastbare Prozesse.
krautinvest.de: 2024 blickten Unternehmer im Bereich Medizinalcannabis verheißungsvoll auf 2025. Dann platzte die Ampel. Wie haben die folgenden regulatorischen Unsicherheiten eure Finanzierungsrunde erschwert?
Albert Schwarzmeier: Es ging bei unserer Finanzierung um Fremdkapital, nicht um Eigenkapital. Die regulatorischen Unsicherheiten haben dazu geführt, dass die Banken tiefer in Szenarien, Cashflows und Stress-Cases eingestiegen sind. Gleichzeitig konnten wir zeigen, dass wir seit drei Jahren sehr profitabel wachsen – jedes Jahr um das Zwei- bis Dreifache – und durchgehend positive Cashflows erwirtschaften. Das hat Vertrauen geschaffen und den Prozess trotz der Unsicherheiten tragfähig gemacht.
krautinvest.de: Was war der entscheidende Punkt, dass ihr euch für Fremdkapital entschieden habt. Sind die Unternehmensbewertungen im aktuellen Marktumfeld einfach zu niedrig?
Albert Schwarzmeier: Die aktuellen Bewertungen sind marktgerecht. Für uns ging es um Timing und Verwässerung. Wir wollten weiter wachsen und handlungsfähig bleiben, ohne unnötig früh signifikant Equity abzugeben. Das entspricht unserer DNA. Gleichzeitig schauen wir uns sehr offen an, wie Eigenkapital perspektivisch eine sinnvolle Ergänzung sein kann. Seit rund zwölf Monaten spüren wir deutliches Interesse von strategischen Investoren aus dem Pharma- und Cannabisumfeld sowie von PEs an Enua und am deutschen Markt.
krautinvest.de: Ihr kündigt bereits „gezielte Übernahmen“ in der anstehenden Konsolidierungswelle an. Wie schwer dürfte eine Anpassung des MedCanG in Deutschland die Branche treffen?
Albert Schwarzmeier: Sie wird deutlich spürbar sein, aber nicht alle gleich treffen. Entscheidend ist, wer die wichtigen Teile der Value Chain inklusive starken eigenen Marken sowie Patientenzugang beherrscht. Zusätzlich wird Größe ein klarer Wettbewerbsfaktor sein. Wir haben im Dezember 2025 erstmals zwei Tonnen medizinisches Cannabis in einem Monat verkauft. Diese Volumina schaffen echte Größenvorteile im Einkauf und bei der Lieferantenseite. Anbieter mit Großhandelslogik oder ohne eigenes Apothekennetzwerk oder mit dünnen Telemedizin-Strukturen geraten schneller unter Druck. Wer vertikal integriert arbeitet, ein eigenes Data- und BI-Team aufgebaut hat und Volumen skalieren kann, hat klare Vorteile bei Preisen, Sourcing und Working Capital.
krautinvest.de: Mit Blick auf Großbritannien und Polen handelt es sich um in Relation zu Deutschland kleine Märkte. Ähnlich wie in Deutschland erhalten Patient:innen Zugang über private Kliniken. Ist diese Parallele ein wesentlicher Grund, in diesen beiden Ländern Fuß fassen zu wollen?
Albert Schwarzmeier: Ja, das ist ein zentraler Punkt. Beide Märkte sind attraktiv, weil die Grundlogik vergleichbar ist: klarer medizinischer Zugang, strukturierte Patienten-Versorgung und eine Patient Journey, die unserem Modell sehr nahekommt. Gleichzeitig sehen wir dort gutes Wachstumspotenzial und die Möglichkeit, unsere Stärken in Sourcing, Operations, Daten und Skalierung gezielt auszuspielen.

