Der Cannabis-Konsum hat sich in Deutschland durch die Entkriminalisierung normalisiert. Er ist nicht mehr verboten. Menschen können, zwar nicht überall, aber doch öffentlich ganz legal Cannabis rauchen oder inhalieren. Der ein oder andere Kritiker aus konservativen Kreisen spricht daher schon von einer Verharmlosung. Dafür gibt es aber keine Zeichen.
Ekocan widmet der Risikowahrnehmung in der Bevölkerung ein eigenes Kapitel im zweiten Zwischenbericht. Als besonders schutzbedürftig gelten im Falle von Cannabis Jugendliche und junge Erwachsene. Laut Ekocan hielten 70,6% der 2025 befragten Jugendlichen Cannabiskonsum für ziemlich oder sehr schädlich. Mehr als jemals zuvor in der dafür zugrunde liegenden Drogenaffinitätsstudie. Das dürfte genau das Gegenteil von einer zunehmend harmlosen Wahrnehmung von Cannabis unter Jugendlichen sein. Ekocan berichtet zudem explizit, dass sich keine sprunghafte Veränderung im Umfang cannabisbedingter Konsumprobleme unter Kindern und Jugendlichen zeigt. Auch unter der vulnerablen Gruppe der 18- bis 24-Jährigen stieg die zahl derjenigen an, die Cannabis für ziemlich oder sehr gefährlich halten.
Anhand objektiver Daten wie dem Abwassermonitoring kann Ekocan zudem keine maßgebliche Veränderung des Cannabiskonsums in der Bevölkerung nach der Teillegalisierung feststellen, ebenso wenig für riskante Konsummuster. Normalisierung ja. Verharmlosung? Fehlanzeige.
Vielleicht ist ein offener, legaler Umgang sogar genau das Gegenteil von einer Verharmlosung. Schließlich war dem damaligen Gesetzgeber die Risikowahrnehmung ein zentrales Anliegen, als er das Konsumcannabis-Gesetz auf den Weg brachte. 35 Mal findet sich dort in dem ein oder anderen Zusammenhang der Begriff „Prävention“. Im Gegensatz zum illegalen Markt lässt sich in legalen Strukturen deutlich besser regeln, wie welcher Akteur aufzuklären hat. Und wenn die rückläufige Inanspruchnahme von Beratungsangeboten der ambulanten Suchthilfe kritisiert wird, dann lässt sich auch dies nachjustieren im Gesetz. Das Cannabis-Gesetz abzuschaffen, dient dagegen weder mehr Prävention, noch besserer Suchtberatung. Die Daten zeigen vor allem eines: Mehr Prohibition bedeutet keineswegs weniger „Verharmlosung“. Eher das Gegenteil scheint der Fall.

