EUDA wird mit diesem Europäischen Drogenbericht den eigenen Ansprüchen noch nicht gerecht – aber das könnte sich ändern

by Moritz Förster

Die Europäische Drogenagentur hat erneut ihren Europäischen Drogenbericht publiziert. Der dreht sich um die Verbreitung verschiedener illegaler Drogen in den Mitgliedsländern, um sicher gestellte Mengen im illegalen Markt, um die Anzahl an Überdosierungen oder auch um erforderliche Behandlungen nach der Einnahme illegaler Drogen. Diese Datenerhebung ist natürlich kein Selbstzweck. Mit den Daten der EUDA, die ohne jegliche politische Entscheidungsgewalt strukturell fest implementiert ist in den EU-Apparat, sollen Kommission, Parlament oder Mitgliedsländer zunehmende Risiken oder Trends datenbasiert erkennen – und geeignete Maßnahmen ergreifen können. So weit so gut, aber gerade in Bezug zu Cannabis hat man in der 2026er Ausgabe ein wenig das Gefühl: Alljährlich grüßt das EUDA-Murmeltier. Aber: Es könnte bald deutlich spannender werden.

Cannabis ist und bleibt die Nummer eins im illegalen Drogenmarkt in Europa. Doch im Europäischen Drogenbericht gibt es keine einzige Sektion anhand derer politische Entscheider:innen abschätzen können, wie sich unterschiedliche Regulierungsansätze im Fall von Cannabis in Europa auf Konsum, Gesundheits- und Jugendschutz oder Kriminalität auswirken. Doch dies soll sich noch 2026 ändern.

Die EUDA ist gerade dabei das European Cannabis Policy Toolkit zu starten. Die Grundlagen wurden in einem Workshop im Juni 2025 gelegt. Europa bietet sich an, um unterschiedliche Regulierungsansätze zu vergleichen. So listet die EUDA zumindest Evaluationen aus Deutschland (Ekocan zum CanG), aus Luxemburg (über mentale Gesundheit bei Freizeitkonsum sowie zum Pilotprojekt für eine legalen Zugang zu Freizeitcannabis) oder aus den Niederlanden auf (zur Vorbereitungsphase des Weed-Experiments). 2023 hatte die EUDA, damals noch als European Monitoring Centre for Drugs and Drug Addiction, einen Report über die verschiedenen Cannabis-Gesetze in Europa vorgelegt. Bereits in diesem Report fragt die Behörde: Wirken sich das Strafmaß überhaupt auf die Häufigkeit des Konsums aus? Kausalität zu konkreten, neuen Gesetzen herzustellen ist bekanntermaßen schwierig. Aber auch ein Blick auf die deskriptiven Zahlen lässt Zweifel aufkommen: Frankreich, eines der Ländern mit der härtesten Cannabis-Gesetzen, liegt im relativen Konsum in der Bevölkerung weit vorne.

Sieben EU-Länder haben seit 2005 ihre Strafen für Cannabis-Konsum geändert. Fünf haben das Strafmaß abgemildert, zwei verschärft. Ein Blick auf die Entwicklung des Konsums nach diesen Gesetzesänderungen zeigt vor allem eines: Bestrafen bringt nichts. In Italien, seit 2005 drohen härtere Strafen, stieg der Konsum kontinuierlich weiter an – übrigens auch nachdem 2014 das Strafmaß wieder abgemildert wurde. In Slowenien – 2005 wurde das Strafmaß gemildert – ist die Anteil der Konsumenten unter den Erwachsenen in den letzten 20 Jahren deutlich gesunken. Solche Vergleiche sind aktuell in längeren PDF-Reports versteckt.

Mit einem einfach einzusehenden Cannabis-Policy-Toolkit hat sich die EUDA keine einfache Aufgabe gestellt: Die aus den Mitgliedsländern vorliegenden Evaluationen und wissenschaftlichen Berichte datenbasiert so auszuwerten, dass eine gewisse Vergleichbarkeit herrscht – und Rückschlüsse auf die Wirksamkeit der Regulierung und Gesetzgebung möglich sind. Sollte die EUDA tatsächlich ein übersichtliches Dashboard auf die Beine stellen, das eine solche Vergleichbarkeit möglich macht, ist die Tragweite nicht zu unterschätzen: Dann lassen sich radikale Eingriffe in persönliche Freiheitsrechte nicht mehr rein ideologisch rechtfertigen – fortan muss jeder Gesetzgeber sich selbst mit Blick auf solch ein Dashboard die Frage stellen: Führen Verbot und Strafe in einem Europa mit liberalem Selbstverständnis tatsächlich zu mehr Gesundheits- und Jugendschutz? Vorausgesetzt natürlich diese Dashboard ist einfach, verständlich und die Daten überzeugen. Dann werden die Graphen hoffentlich empirische Antworten liefern.

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