Die European Union Drug Agency (EUDA) hat den Europäischen Drogenbericht 2026 vorgestellt. Auf Grundlage der Daten der EUDA sollen die EU und ihre Mitgliedsstaaten eine evidenzbasierte Drogenpolitik implementieren. Die Daten stammen aus den EU-Mitgliedsländern sowie aus Norwegen und der Türkei. Was sind die wichtigsten Entwicklungen bezüglich Cannabis in Europa?
Wenig überraschend bleibt Cannabis die am häufigsten konsumierte illegale Droge in Europa – in den allermeisten EU-Ländern ist die legale Einnahme von Medizinalcannabis weiterhin nicht möglich, der Konsum ist dort illegal. Der Bericht geht davon aus, dass 8,7 Prozent der Erwachsenen in Europa, also 25 Millionen im Alter zwischen 15 und 64 Jahren, in den letzten zwölf Monaten Cannabis konsumiert haben – wobei er nicht differenziert zwischen der Einnahme von Medizinalcannabis. 4,5 Millionen der Erwachsenen würden täglich oder fast täglich Cannabis konsumieren. Aus 63 Städte in EU-Ländern sowie aus Norwegen und der Türkei hat die EUDA auch Abwasserproben aus 2025 vorliegen. 33 Prozent dieser Städte hätten einen Anstieg des Cannabismetaboliten gemeldet, 44 Prozent einen Rückgang. Insgesamt schätzen die Autoren das Volumen des europäischen Cannabismarkts, auf über zwölf Milliarden Euro. Sie sprechen von beträchtlichen Gewinnen der kriminellen Vereinigungen. Zur Einordnung: In Deutschland hat alleine der legale Medizinalcannabis-Bereich dem illegalen Markt bereits ein Volumen von rund einer Milliarde entzogen.
Zudem warnen die Autoren, dass etwa ein Drittel aller drogenbezogenen Behandlungsaufnahmen in Europa auf Cannabis zurückzuführen sei. Sie verweisen in diesem Zusammenhang auf 104 000 Cannabis bedingte Behandlungsaufnahmen. Umgerechnet würde dies bedeuten, dass 2025 0,4 Prozent der 25 Millionen Cannabis-Nutzenden sich wegen der Einnahme von Cannabis in Behandlung begeben haben. Cannabis sei in solchen Fällen in der Regel in Kombination mit anderen Substanzen gemeldet worden.
Der Bericht versäumt allerdings, die mit Cannabis verbundenen Risiken in Relation zu anderen gesundheitlichen Risiken durch in der EU für Erwachsene legale Drogen wie Alkohol oder Tabak zu stellen. In einer etwas älteren Übersicht mit Verweis auf Datenquellen von 2009 und 2013 geht die Kommission davon aus, dass mehr als sieben Prozent aller Erkrankungen und frühzeitigen Todesfälle auf Alkoholmissbrauch zurückzuführen sind. Im Fall von Tabak spricht die Kommission von der „Hauptursache für vorzeitiges Sterben“ – verantwortlich für fast 700 000 Todesfälle jährlich.
Dagegen wertet die EUDA aus, zu wie vielen Todesfällen die Einnahme illegaler Drogen geführt haben. Opioide, einschließlich Heroin und Metaboliten, seien 2024 schätzungsweise an etwa sieben von zehn tödlichen Überdosierungen in der Europäischen Union beteiligt gewesen. Kokain sei 2024 – meist in Verbindung mit Opioiden – an 1.133 Todesfällen durch Überdosierung verantwortlich gewesen. Für natürliches Cannabis nennen die Autoren keine bekannten Todesfälle, verweisen aber auf Todesfälle in Folge der Einnahme synthetischer Cannabinoide.
Die EUDA verweist auch auf neue Regulierungsansätze in einzelnen EU-Ländern: Den legalen Eigenanbau und privaten Konsum in Malta (verabschiedet im Dezember 2021); den legalen Eigenanbau und privaten Konsum in Luxemburg (verabschiedet im Juli 2023); den legalen Eigenanbau und privaten Konsum in Deutschland (verabschiedet im Februar 2024); den legalen Eigenanbau und privaten Konsum in Tschechien (verabschiedet im Januar 2026). Zudem nennt die EUDA als vergleichsweise junge Regelungs-Ansätze auch den nicht gewinnorientierten Verkauf an Mitglieder in Cannabis-Anbauvereinigungen in Malta und Deutschland. Die Niederlande führten seit 2025 in zehn Gemeinden ein Experiment mit geschlossener Cannabis-Lieferkette durch. Eine differenzierte Auseinandersetzung mit den Auswirkungen solcher Regulierungen unterlässt die EUDA.

